Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Großer Einsatz für den Aal

Grevesmühlen Großer Einsatz für den Aal

Landesanglerverband hat jährliche Besatzmaßnahmen in Nordwestmecklenburg vornehmen lassen / Bestand ist stark gefährdet / Minister setzt sich für den Fisch ein und lobt Projekte.

Voriger Artikel
Verwirrung um Knöllchen zum Stadtfest
Nächster Artikel
Ein Dorf zeigt Flagge: Grieben feiert

Jürgen Nowack, Gewässerwart des Kreisanglerverbandes Mecklenburg Nordwest, setzt angelieferte Jungaale in den Ploggensee in Grevesmühlen.

Quelle: Foto: Karl-Ernst Schmidt

Grevesmühlen. Neuankömmlinge in den Gewässern Nordwestmecklenburgs: Der Landesanglerverband (LAV) hat in der vergangenen Woche verschiedene Seen und Teiche im Landkreis mit Besatzaalen versehen. Die Maßnahme ist Teil eines Förderprogramms des Landes und der Europäischen Union, um den Bestand der gefährdeten Tiere zu stärken. Bis Ende Juni werden rund sechs Tonnen Jungaale im Binnenbereich von Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzt, wie das Landesumweltministerium mitteilt.

LN-Bild

Landesanglerverband hat jährliche Besatzmaßnahmen in Nordwestmecklenburg vornehmen lassen / Bestand ist stark gefährdet / Minister setzt sich für den Fisch ein und lobt Projekte.

Zur Bildergalerie

1000 Jungaale für den Ploggensee

Die Firma „Fischerei- und Verarbeitungsbetrieb Dehmel, Lebend- und Satzfische“ aus Dabel hatte die Tiere per Lkw unter anderem nach Grevesmühlen transportiert. Den Besatz am Ploggensee hat der Kreisanglerverband Mecklenburg Nordwest im Namen des LAV durchgeführt. „Wir sind diejenigen, die alles in die Praxis umsetzen“, sagt dessen Vorsitzender Michael Engling. Sieben Kilogramm „vorgestreckter Aale“ sind ins Gewässer gelassen worden. Jedes Exemplar wiegt in etwa sieben Gramm. Dementsprechend sind knapp 1000 Jungtiere in den Grevesmühlener See verbracht worden.

Das sei auch nötig. „Die Aalbestände in der Natur sind fast komplett zusammengebrochen“, sagt Engling. Im Vergleich zu den 1950er Jahren würden die heutigen Zahlen nur noch zehn Prozent ausmachen.

Sinnbildlich stehe die Stepenitz: „Damals hat man kaum einen Platz als Angler bekommen. Seit einigen Jahren ist dort aber kaum noch jemand“, so Engling. Aale aus dem Fluss zu ziehen, sei eine absolute Rarität. Besatzmaßnahmen gebe es dort nicht. Der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes ist von dieser Praxis aber überzeugt. „Sonst würde ich das alles nicht machen.“ Ob die Mühen aber auch erfolgreich sind, könne man aktuell noch nicht sagen. „Dafür wird der Aalbesatz noch nicht lange genug umgesetzt“, so Engling. Denn die ersten Tiere, die vor zehn Jahren in die Binnengewässer umgesetzt wurden, würden erst jetzt geschlechtsreif werden.

Größter Besatz am Menzendorfer See

Insgesamt war der Kreisanglerverband an sechs Gewässern in Nordwestmecklenburg im Einsatz. Die größte Besatzmaßnahme hat am Menzendorfer See stattgefunden. 13 Kilogramm Jungaale wurden in das knapp 35 Hektar große Binnengewässer gesetzt. Unweit davon, am Oberteich in Schönberg, wurden fünf Kilogramm zu Wasser gelassen. Den Moorsee zwischen Gressow und Bobitz haben die Beteiligten mit sechs Kilogramm bestückt. „Dieser Besatz findet einmal im Jahr statt. Die Menge an Jungaalen hängt von der Größe des Gewässers ab“, erklärt Marko Röse, Gewässerwart beim Landesanglerverband. Unter anderem waren auch das Torfmoor in Selmsdorf, der Gärtnerteich in Müggenburg, der Karpfenteich in Groß Stieten (alle je zwei Kilo), das Torfmoor in Boienhagen, der Wallgraben am Schloss Bothmer oder der Mühlenteich in Rüting (alle je ein Kilo) Teil des landesweiten Einsatzes.

Minister setzt sich für Aalrettung ein

Auch Till Backhaus (SPD), Landesminister für Landwirtschaft und Umwelt, hat sich den Schutz des Aals auf die Fahne geschrieben. Er beschreibt die Tiere, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, als eine bedeutende Art für die europäische Berufsfischerei. „Seit mehr als 50 Millionen Jahren wandern die Tiere durch die Gewässer dieser Welt. Doch ihre Lebensräume haben sich dramatisch verschlechtert. Verbaute Flüsse, Fischfang und der Klimawandel machen ihnen zu schaffen“, so Backhaus. Der Bestand sei seit den 1980er Jahren massiv rückläufig.

Aalmanagement für positive Bestandsentwicklung

Das Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt (LFA) hat jetzt ein Mitteilungsheft mit Beiträgen zum „Aalmanagement“ veröffentlicht. Hintergrund ist eine Bestandsprognose, die das Institut für das Einzugsgebiet Warnow/Peene vorgenommen hat. Weitere Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern sind Elbe, Oder und Schlei/Trave. Backhaus lobt das Projekt: „Die Landesforschungsanstalt leistet mit großskaligen Telemetriestudien einen zentralen Beitrag, um das Abwanderungsverhalten von Aalen besser zu verstehen und darauf aufbauend verbesserte Managementmaßnahmen zu entwickeln.“ Davon würden Natur und Fischerei – zwei zentrale Aushängeschilder von M-V – profitieren.

Basis der Arbeiten ist die im Jahr 2007 verabschiedete Europäische Aalverordnung. Sie hat das Ziel, die Abwanderung von 40 Prozent der adulten Aale aus den Binnengewässern in Richtung des Laichgebiets Sargassosee im Atlantik zu ermöglichen. Gemäß der gegenwärtigen Prognose der LFA wird im Binnenbereich des Einzugsgebiets Warnow/Peene die geforderte Abwanderungsrate erstmalig nach dem Jahr 2035 erreicht. Die Voraussage berücksichtigt Faktoren wie die Fischerei, Verluste durch Wasserkraftwerke, aber auch Aalfraß durch Kormorane.

Förderung durch Landes- und EU-Mittel

Eine wichtige Säule des Aalmanagements ist der seit 2009 in M-V durchgeführte Besatz. „Damit soll das bestehende Rekrutierungsdefizit ausgeglichen werden“, sagt Malte Dorow, Mitarbeiter der Landesforschungsanstalt. Jährlich würden im Schnitt rund sechs Tonnen Jungaale in Seen der Berufs- und Angelfischerei ausgesetzt. Finanziert wird alles aus einem Eigenanteil der Fischereibetriebe oder des Angelverbands sowie aus bereitgestellten Landes- und EU-Mitteln. „In den letzten Jahren betrugen die Gesamtaufwendungen für den geförderten Aalbesatz rund 300000 Euro pro Jahr“, sagt Dorow. Grundvoraussetzung für eine Förderung sei, dass die besetzten Seen den adulten Aalen die Abwanderung Richtung Meer ermöglichen.

Aktive sprechen sich für Fangverbot aus

Die Aktiven in den Angelvereinen der Region wissen um die kritische Situation des Aals. „Der Fang hält sich bei unseren Mitgliedern in Grenzen“, sagt Jürgen Leonhardt, Vorsitzender der Angelgruppe Hanse Wismar. Das habe vor zehn Jahren noch anders ausgesehen. „Ich selbst angele keinen Aal und würde ihn erstmal schützen, damit er sich wieder reproduzieren kann“, betont Leonhardt. Doch verbieten könne er den Fang nicht. Die Angler seien auch nicht das Problem, betont er. „Es muss international etwas passieren.“

Bedrohte Art

Der Europäische Aal ist eine vom Aussterben bedrohte Art der Aale und in ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika beheimatet. Er hat einen schlangenförmigen, langgestreckten, drehrunden Körper. Erwachsene Weibchen können bis zu 150 cm lang und 6 kg schwer werden, Männchen erreichen nur 60 cm Länge.

Die Sargassosee ist ein Meeresgebiet im Atlantik nahe des Inselstaates Bahamas, in dem die Aale schlüpfen. Die Larven brauchen etwa drei Jahre, um von der Sargassosee an die europäischen Küsten zu gelangen. Weibliche Tiere werden mit zwölf bis 15 Jahren geschlechtsreif, männliche bereits in einem Alter von sechs bis neun Jahren. Zum Ablaichen wandern die Tiere aus den Gewässern des Landesinneren über die Flüsse dahin zurück, wo sie geschlüpft waren: in die Sargassosee. Dabei legen sie teilweise Strecken von über 5000 Kilometern ohne Nahrungsaufnahme zurück – gegen den Golfstrom.

Als Speisefisch ist der Aal sehr begehrt. Er zeichnet sich durch sein extrem fettreiches Fleisch aus. Aufgrund seines Fettgehaltes eignet er sich besonders zum Räuchern. Er wird auch gebraten oder gekocht.

Daniel Heidmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordwestmecklenburg
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den Dezember 2017 zu sehen!

Jetzt geht es los - Aber wann ist der perfekte Zeitpunkt zum Weihnachtsbaumkauf?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.