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Nordwestmecklenburg Grundschüler werden zu kleinen Programmierern
Lokales Nordwestmecklenburg Grundschüler werden zu kleinen Programmierern
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21:30 20.12.2017
Von dem Projekt überzeugt: (v. l.) Thilko Richter (38), Lydia Reinhold (32), Stephanie Wolf (40) und Bastian Graf (34) aus Lübeck – hier mit dem Calliope mini. Quelle: Foto: Jana Franke
Grevesmühlen

Großmütter und -väter unter Ihnen werden es wissen: Mitunter haben die kleinen Enkelkinder mehr Ahnung vom Bedienen eines Handys, Tablets oder Laptops als Oma und Opa. Hier wischen, da klicken und schon sind sie am Ziel. Aber wie sieht der Computer von innen aus? Was ist ein Algorithmus und wie schnell kann ein Computer rechnen? Spätestens hier dürften auch die lieben Kleinen mit ihrem sprichwörtlichen Latein am Ende sein. Und genau dort setzte die Grundschule in Lübeck-Eichholz an. Seit Mai bietet sie „Informatik zum Anfassen“. Plötzlich würfeln Erst- bis Viertklässler ohne Würfel, spielen „Schere, Stein, Papier“ ohne ihre Hände und ihr Pulsschlag wird über leuchtende LED-Lichter wiedergegeben – alles programmiert am PC. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht das sogenannte Calliope mini – eine Platine, mit der Kinder die ersten Programmiererfahrungen sammeln können.

Auf den Spuren der Informatik: In Nordwestmecklenburg startet Pilotprojekt im Umgang mit Computern / Bisher sieben Schulen beteiligt.

„Ziel ist es, einen Informatikunterricht an der Grundschule aufzubauen, durch den Kinder nicht nur lernen, den Computer zu bedienen, sondern auch verstehen, wie er funktioniert“, erklärt Softwareentwickler Thilko Richter, der als Vater die Idee des regelmäßigen Informatikunterrichts in Lübeck ins Spiel brachte. Diese nahm Schulleiterin Stephanie Wolf dankbar auf und startete im Mai das Projekt an ihrer Grundschule. Zunächst zwei Kollegen – Lydia Reinhold (32) und Bastian Graf (34) – wurden weitergebildet, der Rest des zwölfköpfigen Kollegiums folgt. Die Grundschule war eine der ersten in Schleswig-Holstein, die einen Klassensatz der Platinen bekam.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zieht nun nach. Der Entwickler aus Berlin – die Calliope gGmbH – spendete großzügig die technischen Geräte, die im Februar an 109 Grundschulen verteilt werden, sieben davon sind aus Nordwestmecklenburg. „Wir haben uns beworben“, erklärt Katja Schuster, Schulleiterin der Grundschule in Dorf Mecklenburg. Und: Die Einrichtung ist dabei. „Alle teilnehmenden Schulen werden in Kürze über die Schulungsorte und -termine informiert“, erläutert Henning Lipski, Pressesprecher beim Bildungsministerium in Schwerin und ergänzt: „Für Grundschulen, die sich am Pilotprojekt beteiligen, wird es eine kostenlose Fortbildung geben. Jede Schule, die mit mindestens einer Lehrkraft an der Fortbildung teilnimmt, erhält einen kostenlosen Klassensatz mit 25 Minicomputern.“ Gefördert werde das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. „Die Bundesregierung hat auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken für große Aufmerksamkeit mit dem Calliope mini gesorgt. Die Landesregierung hat das Angebot als grundsätzlich geeignet, förderlich für die zeitgemäße Entwicklung der Schulen zu sein, eingeschätzt“, so Lipski. Ansprechpartner für die Schulen in MV ist die DVZ GmbH in ihrer Funktion als Landesdienstleister.

Keineswegs eine untergeordnete Rolle spielen Computer mittlerweile an Grundschulen. „Jeder Klassenraum hat einen internetfähigen Computer. Außerdem haben wir Laptops für die Schüler“, führt Katja Schuster aus. Zwar sei man aufgrund des mageren Internetausbaus noch längst nicht dort, wo man sein wolle, aber für Lernprogramme nutzen die Kinder das Computerkabinett gern. Ähnlich ist es an der Grundschule „Fritz Reuter“ in Grevesmühlen. „Wir bieten auf Grundschüler maßgeschneiderte Förder- und Forderprogramme. Unser Computerkabinett ist modern ausgerüstet“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Ralf Bendiks. Die Erstbegegnung sei in der ersten Klasse und dann würde die Medienkompetenz bis zur vierten Klasse stetig gesteigert. 16 voll vernetzte Computer gibt es an der Schule, die die Lehrer und Schüler nach Bedarf unter anderem für den Sachunterricht, Mathe und Deutsch nutzen.

Einen Platz auf dem Stundenplan hat der Computerunterricht auch in der Grundschule Boltenhagen. „Wir haben mit 24 eine große Anzahl an Arbeitsplätzen“, sagt die kommissarische Schulleiterin Dörthe Zimmermann. Arbeiten mit Mal-, Zeichen- oder Schreibprogrammen und Recherche im Internet seien Bestandteil des Unterrichts. Stationslernen am Computer und Recherchen im Internet spielen auch an der Grundschule in Lübow eine wichtige Rolle, verrät Schulleiterin Heike Schünemann.

Bewusster Umgang mit der Medienwelt – das war auch die Idee der Grundschule Eichholz. „Nicht nur der Umgang mit dem Computer ist wichtig, sondern auch zu vermitteln, wie er überhaupt funktioniert“, resümiert Thilko Richter, der eine Vernetzung mit anderen Schulen über Schleswig-Holsteins Grenzen hinaus anstrebt.

Kontakt: calliope@thilko.com

Die Platine

Der Calliope Mini ist speziell für den Einsatz an Grundschulen konzipiert. Die Platine beinhaltet u. a. Lämpchen, einen Kompass, Beschleunigungs-, Temperatur- Helligkeitssensor, einen Lautsprecher, ein Mikrofon, Bluetooth-Funktion, einen USB-Anschluss für die Verbindung mit dem Computer und einen Motoranschluss. Ziel ist es, dass Schüler erste Programmierkenntnisse erlangen und die Kreativität im Umgang mit dem Computer gefördert wird. Die Schüler geben mit „wenn. . ., dann. . .“-Funktionen Programmierbefehle. Das entsprechende, kindgerechte Programm gibt es kostenlos im Internet.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter www.calliope.cc

Jana Franke

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