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Nordwestmecklenburg Halbanonyme Gräber in dunkler Ecke
Lokales Nordwestmecklenburg Halbanonyme Gräber in dunkler Ecke
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21:21 02.07.2013
Brennnesseln wuchern, der Rasen ist halbherzig gemäht. Nur die Blumen der Angehörigen verschönern die halbanymen Gräber. Quelle: Foto: Malte Behnk
Dassow

Der Weg ist abschüssig und der Dassower Friedhof wandelt sich Meter für Meter von einer sonnigen Grünanlage mit vielen blühenden Farbtupfern zu einer von großen Bäumen überschatteten Fläche. Hier sind einige der Familiengräber schon von hohem Unkraut und Brennnesseln gesäumt.

Aus der fast dunkelsten Ecke des Friedhofes, ganz in der Senke, leuchtet es rot, gelb und orange. Dort sind die halbanonymen Grabstellen angelegt — Gräber, für die Hinterbliebene nicht allzu tief ins Portemonnaie greifen müssen und die kaum einer Pflege bedürfen, weil sie kein Beet haben. Es sind Grabplatten mit Vor- und Nachnamen, dem Geburts- und dem Todesdatum.

Leuchtend bunt sind hier nur Blumen, die Angehörige in Vasen an die Steine gestellt haben, obwohl das eigentlich nur begrenzt erlaubt ist. „Gott spricht, Fürchte dich nicht“, steht auf einem säulenartigen Stein. Doch auch die davor gepflanzte Sonnenblume lässt ihre Blätter trostlos hängen. Als trostlos bezeichnete auch Uwe Schläger (66) den Zustand des Bereiches, als er sich darüber beim Ausschuss für Tourismus, Wirtschaft und Verkehr beschwerte. „Es ist schäbig, was da abläuft. Die Menschen werden im Bereich der halbanonymen Gräber nicht beerdigt, sondern untergebuddelt“, sprach er auch von einer miterlebten Beerdigung eines Bekannten. Er habe schon von vielen Dassowern gehört, die zwar eine anonyme oder halbanonyme Grabstelle haben möchten, sich aber in Grevesmühlen oder Klütz danach umschauen.

Davon berichten auch Frauen, die gestern Gräber auf dem Friedhof pflegten. Ein Paar, das nicht in Dassow lebt und deswegen eine der halbanonymen Grabstellen in der Senke des Friedhofes gewählt hat, putzt gerade den kleinen Grabstein. „Besonders gepflegt sieht es nicht aus, außer dass wohl vor kurzem der Rasen gemäht wurde — aber nicht besonders gründlich“, sagt der Mann, während seine Frau noch einmal über die Inschrift in der kleinen Grabplatte wischt.

„Die Stadt muss dringend mit der Friedhofsverwaltung sprechen, damit sich etwas ändert“, forderte Uwe Schläger beim Ausschuss.

Bei der Kirche ist man derzeit froh, dass der Friedhof in seinem jetzigen Zustand erhalten wird. Auf dem größten Teil der Anlage bemühen sich Angehörige oder der Friedhofsgärtner sehr um ein gepflegtes Bild. Allerdings ist auch bei der Kirchengemeinde bekannt, dass das Feld der halbanonymen Rasenreihengräber nicht besonders attraktiv ist. „Als man es angelegt hat, wurde die vorhandene freie Stelle des Friedhofes genutzt“, sagt die Kirchenälteste Renate Kohlsdorf. Zu der Zeit habe man sich damit abgefunden, dass ausgerechnet nur die tiefste Stelle am äußeren Rand des Friedhofes für die bescheidenen Gräber frei war.

Inzwischen werden diese mehr gefragt, nachdem vor einigen Jahren eine Friedhofsunterhaltungsgebühr von 20 Euro im Jahr pro Grabstelle eingeführt wurde. Auch sie ist ein Grund, dass einige Angehörige die Wahlgräber im oberen Friedhofsbereich aufgegeben haben oder sie nicht mehr pflegen können.

„Daher gibt es sicher inzwischen Platz für Reihengräber auch in dem Bereich. Aber wir müssen vorausdenken, für die Zeit wenn unser Friedhofsgärtner durch einen Nachfolger ersetzt werden muss“, sagt Kohlsdorf. Dann müsste ein Gebäude mit Toilette für den Friedhofsgärtner geschaffen werden. Das wäre auch nur am Rand des Friedhofs zu realisieren, möglichst dicht an der nächsten Bebauung. Dafür müsste die Kirchengemeinde oder der Kirchenkreis Geld bereitstellen. Geld würde auch benötigt, um einige Wege auf dem Friedhof auszubessern. „Das wurde vor einigen Jahren von einer Baufirma gemacht.

Aber die starken Regenfälle in den Jahren danach haben dafür gesorgt, dass man davon kaum noch etwas sieht, beklagt die Kirchenälteste , die sich derzeit ehrenamtlich um die Verwaltung des Dassower Friedhofs kümmert. Eigentlich würde das nämlich der Pastor machen, doch dessen Stelle ist in der Kleinstadt vakant.

Vielleicht bis sie wieder besetzt ist, werden die Dassower Kommunalpolitiker auf ein Gespräch mit der Kirche über den Friedhof warten müssen. Gerd Matzke, Vorsitzender des Tourismusausschusses hatte gesagt: „Die Stadt hat da sicher wenig Entscheidungsgewalt.“

Anonyme Ruhestätten
Halbanonyme Gräber oder so genannte Rasenreihengrabstätten werden als kleine Grabplatten angelegt, die von Rasen umwachsen sind.

Gänzlich anonym bestattet werden Tote auf Gräberfeldern, in so genannten Ruheforsten wie im Schweriner Werderholz, wo die Asche des Verstorbernen unter Bäumen bestattet wird, die er sich ausgesucht hat, oder ganz traditionell bei einer Seebestattung, bei der die Asche ins Meer gestreut wird.

Malte Behnk

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