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Nordwestmecklenburg Handwerker suchen sich Aufträge in Hamburg
Lokales Nordwestmecklenburg Handwerker suchen sich Aufträge in Hamburg
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00:00 27.10.2012
Nordwestmecklenburg

Wismar – Tagtäglich pendeln viele Handwerker oder Mitarbeiter von Baubetrieben bis nach Hamburg, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen – wegen der unzureichenden Auftragslage und schlechteren Bezahlung in Nordwestmecklenburg. Allmählich zeichnet sich jedoch eine Wende ab.

„Im Laufe der Jahre habe ich mir in Hamburg viele Geschäftsbeziehungen aufgebaut. Mal fahr ich, mal übernachte ich in Hamburg in einem Zimmer“, sagt Frank Hellwig aus Bobitz. Der Fliesenlegermeister macht sich morgens um fünf Uhr auf den Weg und ist selten vor 19 Uhr zurück. „Ich bin selbstständig, ich guck nicht auf die Uhr. Die tägliche zwei- bis dreistündige Fahrzeit nimmt er gerne in Kauf. „Ich würde nicht hierbleiben, weil hier viel weniger bezahlt wird. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, fügt er hinzu. Wenn sich die Konditionen hierzulande bessern würden, wäre es dennoch nicht so einfach, Fuß zu fassen. Die Wohnungsgesellschaften hätten alle ihre festen Firmen, mit denen sie zusammenarbeiten. „Da hat man keine Chance reinzurutschen. Aber ich habe damit kein Problem.“

Auch Peter Kessner, Inhaber und Geschäftsführer des Baugeschäfts Manfred Post GmbH in Wismar, schickt seine Leute nach Hamburg. „Das ist doch nicht weit. Anderthalb Stunden Fahrt sind zumutbar“, findet er. „Ich bin auch schon mehrfach nach Berlin gefahren – wenn es sich anbietet.“ In Hamburg werde besser bezahlt, sodass sich der Mehraufwand rechne. „Sonst würden wir es nicht machen“. In Nordwestmecklenburg erhalte – zumindest von der öffentlichen Hand – immer der billigste Anbieter den Zuschlag. Da könne er nicht immer mithalten. „In Hamburg haben wir eine europaweit tätige Baugesellschaft als Auftraggeber, für die wir schon mehrere Jahre tätig sind“, berichtet Kessner. Auf der Autobahn treffe er zahlreiche andere Baufirmen und Handwerker aus Wismar und Umgebung, die ebenfalls täglich pendeln. Malermeister Peter Lindemann aus Karow beispielsweise ist mit seinen 15 Mitarbeiter in einem großen Radius unterwegs. „In Hamburg gibt es sehr viel Potenzial“, sagt er. Fliesenlegermeister Jörg Gazioch aus Jesendorf macht es ebenso, „weil wir im Wismarer Raum keine Arbeit haben“.

Frank Pacholke von der Firma Al-Pa-tec für Elektrotechnik ist auch eine Zeit lang nach Hamburg gefahren. „Aber das haben wir uns abgewöhnt, weil der Aufwand zu groß ist. Man hat gute drei Stunden Fahrzeit am Tag. So einen Preis kann man gar nicht machen, um das wirtschaftlich zu gestalten“, sagt er. Seine Firma habe derzeit rund um die Uhr in Wismar und bis nach Rostock zu tun. „Randgebiete von Hamburg will ich auch jetzt nicht ausschließen, aber Kleinaufträge sind bei dieser Entfernung nicht möglich, nur komplette Eigenheime oder größere Umbauten.“ Auch Malermeister Jürgen Schekahn aus Wismar hat einige Jahre in Lübeck und Hamburg an großen Objekten für Baugesellschaften mitgewirkt. „Aber das rechnet sich nicht“, hat er festgestellt und deshalb lieber seinen Mitarbeiterstamm von zehn auf vier reduziert. Jetzt habe er direkten Kontakt zu den Kunden und nicht zu häufig wechselnden Bauleitern und findet genug in Wismar und Umgebung zu tun. „Etwas Besseres kann mir gar nicht passieren“, meint er.

Antje Lange, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, hält 2012 für ein besonderes Jahr, „weil viele Handwerker hierbleiben können“. Die gesamtwirtschaftliche Situation habe sich so weit verbessert, dass immer mehr Handwerker auskömmliche Aufträge in der heimischen Region erhielten. Das sei längst nicht nur auf den privaten Bauboom zurückzuführen. Wenn Industriebetriebe mehr investieren, hätten auch die Handwerker etwas davon. Und wenn ein Endverbraucher mehr Geld in der Tasche habe, könne er sich auch das besondere Brot beim Bäcker leisten. Inzwischen sei es „nicht mehr ganz leicht, einen Handwerker zu finden, der kurzfristig und billig einen Auftrag übernimmt“, sagt sie. Kleine Betriebe versuchten immer auch, ihren Mitarbeitern eine Perspektive zu geben. Und wenn sie Aufträge in der Region erhalten, könnten sie auch Lehrlingen weite Anfahrten zur Arbeit ersparen – und haben damit wesentlich bessere Karten im Ringen um den Nachwuchs.

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