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Nordwestmecklenburg Hauswirtschaft:Mehr als Putzen und Kochen
Lokales Nordwestmecklenburg Hauswirtschaft:Mehr als Putzen und Kochen
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09:12 08.02.2016
Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden, Tische eindecken und vieles mehr gehört zu den Aufgaben von Laura Schuldt. Quelle: Fotos: Frank Söllner

Mithilfe eines Sparschälers schält Laura Schuldt Kartoffeln und entfernt sorgfältig alle Druckstellen. Auf der Herdplatte beginnt das Wasser langsam zu köcheln. „Sobald die Kartoffeln im Topf sind, bereite ich Fleischklöße zu“, sagt die angehende Hauswirtschafterin. „Alles muss zeitgleich fertig sein, sonst gibt es Abzüge in der Prüfung.“

Im Juli wird die 19-Jährige ihre Ausbildung abschließen. Derzeit übt sie jedoch erst einmal für die Deutsche Juniorenmeisterschaft der Hauswirtschaft, die Anfang März unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Wirtschaft, Sigmar Gabriel (SPD), stattfindet. Als Vertreterin für MV wird sie gegen 20 weitere Teilnehmer aus acht Bundesländern antreten. „Noch bin ich nicht aufgeregt“, sagt Laura Schuldt. Selbstbewusstsein gibt ihr der Sieg im Landesleistungswettbewerb. Im Oktober musste sie in Schwaan (Kreis Rostock) ihr Können unter Beweis stellen: Eine Präsentation halten, Kundengespräche nachstellen, Gerichte planen und zubereiten. Schließlich konnte sie die Jury überzeugen und sich für den Bundesentscheid qualifizieren. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, gibt sie zu.

„Das ist eine tolle Wertschätzung meiner Arbeit.“

2013 hat die Ludwigslusterin ihre Ausbildung im Gutshaus Stellshagen (Nordwestmecklenburg) begonnen. Da das Hotel auf vegane und vegetarische Küche spezialisiert ist, beinhaltet die dreijährige Ausbildung neben der Arbeit in Stellshagen und dem Unterricht in Ludwigslust zudem insgesamt 30 Wochen überbetriebliches Praktikum an der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Rostock. Hier lernt sie unter anderem die Zubereitung von Fisch- und Fleischgerichten. „Heute gibt es Königsberger Klopse“, sagt Laura Schuldt. „Ich habe meine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt.“

Doch nicht nur die Arbeit in der Küche muss die junge Frau beherrschen. „Der Beruf ist vielfältig“, sagt Sieglinde Stübs, Ausbilderin an der FAW. „Dazu gehört auch die Textil- und Raumpflege sowie das Eindecken und Dekorieren des Tisches.“ Wichtig sei außerdem die Kalkulation der benötigten Zeit und Zutaten. „Alles muss wirtschaftlich, also geld-, strom- und wassersparend geplant werden“, sagt die 62-Jährige. „Das ist anspruchsvoll. Dieser Beruf ist zu Unrecht so verkannt.“

Die Zahl der Auszubildenden im Bereich Hauswirtschaft geht in MV rapide zurück. Nach Angaben des Landesverbands für hauswirtschaftliche Berufe wurden 2015 nur 62 Ausbildungsverträge im hauswirtschaftlichen Bereich abgeschlossen — fünf Hauswirtschaftler und 57 Fachpraktiker. Ein Jahr zuvor waren es noch 80 Verträge.

„Das liegt unter anderem daran, dass die Ausbildung nicht mehr von Bildungsträgern gefördert wird“, sagt Vorsitzende Heike Schulz. „Viele Einrichtungen haben keine Möglichkeit auszubilden.“ Zudem fehle es an Meistern.

Auch in Stellshagen herrscht Azubi-Mangel. „Es ist schwierig, Azubis zu finden“, bestätigt Hotel-Chefin Gertrud Cordes. „Laura ist unser einziger Hauswirtschafts-Lehrling und wir sind froh sie zu haben. Sie ist sehr gewissenhaft und fleißig.“ Auch die 19-Jährige kann sich vorstellen, nach ihrer Ausbildung in Stellshagen zu bleiben. „Das ist ein tolles Unternehmen“, sagt sie. „Und dann werde ich sehen, was sich ergibt.“

Möglichkeiten hat die junge Frau jedenfalls viele. „Aufgrund des demografischen Wandels werden künftig immer mehr Ältere Hilfe im Haushalt benötigen“, sagt Ausbilderin Sieglinde Stübs. „Aber auch in kleinen Pensionen und Hotels sind Hauswirtschafter zu finden und übernehmen zahlreiche Aufgaben.“

Beim Bundeswettbewerb in Berlin wird Sieglinde Stübs ihren Schützling begleiten. „Natürlich fiebere ich mit“, sagt die Ausbilderin. „Ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass sie umsetzt, was ich ihr beibringe.“

Hauswirtschaft in Deutschland

80 Ausbildungsverträge im hauswirtschaftlichen Bereich (Hauswirtschafter und Fachpraktiker Hauswirtschaft) wurden 2014 in MV abgeschlossen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 258 Verträge.

Zum 27. Mal findet vom 4. bis 6. März die die Deutsche Juniorenmeisterschaft statt. Sie soll die Öffentlichkeit auf den Beruf hinweisen und den Azubis Ansporn bieten.

Die amtierende Meisterin kommt aus Nordrhein-Westfalen. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit acht Titeln. Mecklenburg-Vorpommern hat bisher keine Juniorenmeisterschaft für sich entscheiden können.

Katharina Ahlers
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