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Nordwestmecklenburg Heinkel-Bomber aus Rostock trugen Krieg in viele Länder
Lokales Nordwestmecklenburg Heinkel-Bomber aus Rostock trugen Krieg in viele Länder
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20:32 06.04.2018
Das nach allierten Luftangriffen stark in Mitleidenschaft gezogene Gelände der Heinkel-Werke in Rostock-Marienehe Quelle: Fotos: (2) Archiv Volker Koos
Rostock

Am 5. März 1923 erhielt Ernst Heinkel (1888-1958) die Mitteilung, dass seine Flugzeugwerke in Warnemünde ins Handelsregister eingetragen worden waren. Die Produktion begann mit der He 3, einem Sport- und Schulflugzeug, in einer angemieteten Halle auf dem Flugplatz in Hohe Düne. Bereits 1923 gelang es Heinkel, entgegen dem Versailler Vertrag einen Auftrag über den Bau von zehn Seeaufklärern für die deutsche Marine zu erhalten. Ab 1925 war das japanische Militär Auftraggeber für Aufklärer und Jäger, die von Bord eines Kriegsschiffes starten konnten. Auch in den folgenden Jahren entstanden immer wieder Flugzeuge, deren militärische Bestimmung unübersehbar war.

Heinkel war also bestens gerüstet, als die Nazis an die Macht kamen und eine unverhohlene Aufrüstung betrieben. Schon in den ersten Tagen des braunen Regimes versicherte ihm der spätere Reichsluftfahrtminister Hermann Göring, dass seine Hilfe beim nationalsozialistischen Aufbauwerk gebraucht werde. Und die Nazis unterstützten den Flugzeugbauer: Als das Produktionsgelände in Warnemünde zu klein wurde, erhielt Heinkel im Spätsommer 1933 das Angebot zum Kauf der mecklenburgischen Staatsdomäne in Marienehe. Rund 300 Hektar Fläche waren genug für einen Flugplatz und ein neues Werk. 3000 Beschäftigte sollten hier mit Produktionsbeginn ihre Arbeit aufnehmen. Dort konnte nun in modernsten Anlagen konstruiert und produziert werden. In Marienehe feierten die Flugzeugbauer am 16. Oktober 1935 auch ein besonderes Ereignis. Eine He 70 mit der Werknummer 1000, ursprünglich ein einmotoriges Schnellverkehrsflugzeug, wurde an das Reichsluftfahrtministerium übergeben. Dieses Flugzeug wurde in etwa 300 Exemplaren als leichter Bomber und Behelfsaufklärer hergestellt. Angesichts wachsender Aufträge stieg die Zahl der Beschäftigten auf bis zu 16 000. Das erste Flugzeug, das im Wesentlichen in Marienehe gebaut wurde, war die zweimotorige He 111, ein mittlerer Bomber. Das Flugzeug wurde bereits 1936 durch die deutsche „Legion Condor“ im Kampf gegen die spanische Volksfrontregierung eingesetzt. Von der He 111 wurden bis zum Herbst 1944 etwa 8000 Stück im industriellen Reihenbau bei Heinkel und verschiedenen Lizenznehmern gefertigt. He 111-Bomber waren an Überfällen auf viele europäische Länder beteiligt.

Zu einem historischen Ereignis kam es am 27. August 1939. Pilot Erich Warsitz stieg mit der He 178, dem ersten Flugzeug mit Strahlantrieb zum weltweit ersten Düsenflug in den Himmel über Rostock.

Doch nach wenigen Testflügen wurden die Versuche eingestellt. Auch mit der He 280, einem zweistrahligen Jagdflugzeug, Erstflug am 30. März 1941, gelang Heinkel nicht der erhoffte Erfolg. Aufträge blieben aus. Die He 219, ein zweimotoriger Nachtjäger, Erstflug 6. November 1942, hingegen fand die Anerkennung des Militärs. Jedoch gab es bei ihrer Produktion immer wieder Probleme. Auch dadurch, dass nicht in ausreichendem Maße Fachkräfte zur Verfügung standen. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge konnten die fehlenden Fachleute nicht ersetzen.

Ab Mai 1944 wurde das Flugzeug in Reihenfertigung in den inzwischen zerbombten Werkhallen in Marienehe hergestellt. Die Maschinen vom Typ He 219 wurden dort trotz weiterer Luftangriffe im Sommer und im Herbst bis zum Ende des Krieges in Rostock gefertigt. Die gewünschte Stückzahl konnte jedoch nie erreicht werden. In der Endphase des Krieges klammerten sich die Nazis an jeden Strohhalm. Dazu gehörte auch der Bau des einstrahligen Heinkel-Jägers He 162. Im April 1945 wurde die erste Serienmaschine ausgeliefert. Einen Einfluss auf den Ausgang des Krieges hatte dies jedoch nicht mehr.

Durch die sowjetische Besatzungsmacht wurden nach der deutschen Kapitulation aus Marienehe Flugzeugteile und Maschinen abtransportiert, Produktionsstätten demontiert und teilweise zerstört. Auf dem Gelände entstand später das Fischkombinat Rostock.

Heinkel und Arado machten Rostock zu einem Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie. Als Ziel alliierter Bomberverbände zahlte die Stadt dafür einen hohen Preis. Große Teile gingen in Flammen auf.

Hunderte Menschen mussten ihr Leben lassen.

Werner Geske

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