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Nordwestmecklenburg Heiß begehrt: engagierte Azubis für das aktuelle Ausbildungsjahr
Lokales Nordwestmecklenburg Heiß begehrt: engagierte Azubis für das aktuelle Ausbildungsjahr
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20:18 05.07.2013

Das neue Ausbildungsjahr fängt dramatisch an. Gut 100 unbesetzte Lehrstellen allein in Wismar und der näheren Umgebung, 300 freie Ausbildungsplätze im Landkreis Nordwestmecklenburg — viele Betriebe haben ernsthafte Probleme, durch Ausbildung ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. Besonders drastisch ist die Situation im Handwerk. In den rund 500 Ausbildungsbetrieben des Handwerks in Nordwestmecklenburg wurden laut Kreishandwerkerschaft gerade mal 60 Ausbildungsverträge unterschrieben. Manch ein Handwerksbetrieb bekomme seit Jahren nicht eine Bewerbung ins Haus.

„Viele Meister sagen schon, sie bilden nicht mehr aus, weil sie so viele schlechte Erfahrungen mit den Lehrlingen gemacht haben“, berichtet Rüdiger Kamps. In der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg ist er zuständig für die passgenaue Vermittlung Auszubildender an ausbildungswillige Unternehmen. Das Problem: Lehrlinge, insbesondere gute im Sinne von motiviert — die, die auch „wollen“ — sind Mangelware. Im Zweifelsfalle werden sie von der Konkurrenz abgeworben.

„Die Bewerberauswahl gestaltet sich zunehmend schwieriger. Es gibt zu wenig qualifizierte Bewerber, die mit Fleiß und Engagement ihre Ausbildung absolvieren möchten“, sagt Claudia Trojahn, Ausbildungsleiterin beim Schönberger Büromöbelhersteller Palmberg. Die 28 Azubistellen seien derzeit zwar besetzt, noch gebe es auch mehr Bewerbungen als Stellen. „Bei uns ist die Nachfrage nach Ausbildungsangeboten im kaufmännischen Bereich immer noch sehr groß. In den gewerblichen Ausbildungsberufen sind die Bewerberzahlen allerdings eher rückläufig“, so Trojahn weiter.

Größere, namhafte Firmen wie Palmberg hätten es noch relativ einfach, Auszubildende zu finden. Gerade kleinere Handwerksbetriebe jedoch suchen händeringend. „Anfang des Jahrtausends hatten wir für unsere zwei Ausbildungsstellen noch zehn bis 20 Bewerber“, sagt Schlossermeister Norbert Duwe aus Grevesmühlen. „Zuletzt hatte ich nur noch zwei Bewerbungen auf meinem Schreibtisch liegen.“

Und auch vor der Kreisstadt macht der Azubimangel keinen Halt. Alleine bei den holzverarbeitenden Firmen in Wismar sind weit über 30 Ausbildungsplätze noch nicht besetzt. Beim Egger-Faserplattenwerk sollten zum 1. August eigentlich zwölf Azubis als Mechatroniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Industriemechaniker, Fachlagerist, Maschinen- und Anlagenfahrer oder Chemielaborant anfangen. Im März waren alle Lehrverträge unterschrieben. „Aber etliche Jugendliche sind vom Vertrag zurückgetreten“, so Ausbilder Mirko Gaitzsch. Was viele Ausbildungsbetriebe erleben: Die Jugendlichen bewerben sich bei vielen Unternehmen. Die guten erhalten etliche Zusagen. Und dann bekommen Firmen kurz vor Ausbildungsbeginn die Absage.

Gerade im Bereich Hotel und Gastronomie sind noch viele Ausbildungsplätze frei. Im Schlossgut Groß Schwansee sind beispielsweise vier von acht Plätzen nicht besetzt. „Es wird immer schwieriger, wir müssen die Schüler in den Schulen direkt ansprechen“, sagt Direktor Thilo Mühl. Liefen noch vor wenigen Jahren monatlich zwei bis drei Initiativbewerbungen ein, bewerben sich mittlerweile nur zum Beginn des Ausbildungsjahres gerade einmal einer oder zwei Kandidaten. „Die Branche ist in der Vergangenheit schlechtgeredet worden“, sagt Thilo Mühl, ein Grund für das mangelnde Interesse junger Menschen. Der Lohn ist mit dem letzten Tarifabschluss bereits angehoben worden. Die Hotel- und Gastrobranche müsse sich jedoch grundsätzlich als attraktiverer Ausbilder präsentieren.

„Mit den Berufsausbildungen im Hoga-Bereich kann man beispielsweise überall auf der Welt arbeiten“, so Mühl weiter.

Antje Lange von der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar warnt: „Jetzt sollten unsere Jugendlichen hier aufpassen, dass die Unternehmen sich nicht die Lehrlinge aus Ländern wie Portugal holen.“ Dort sind viele auf der Suche nach einer guten Ausbildung. „Und die sind motiviert“, so Antje Lange. Dabei ist die Talsohle erreicht. 1994 war laut Statistik das geburtenschwächste Jahr in MV.

Das Gutshaus Groß Schwansee hat dies bereits getan und sich beim Bund beworben, um Azubis aus Spanien zu bekommen. Es gab den Zuschlag. Noch in diesem Monat sollen junge Menschen von der iberischen Halbinsel die verwaisten Ausbildungsplätze besetzen.

Info: www.ihk-lehrstellenboerse.de

Nicole Hollatz und Robert Niemeyer

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