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Nordwestmecklenburg „Herwart“ stürzt Bäume um und bringt Kalb in „Seenot“
Lokales Nordwestmecklenburg „Herwart“ stürzt Bäume um und bringt Kalb in „Seenot“
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20:58 30.10.2017
Nur ein Kalb hatte vor dem Sturm die Salzwiese in Dassow nicht verlassen. Die Feuerwehr musste das Tier an Land treiben. Quelle: Foto: Malte Behnk
Grevesmühlen/Wismar

Umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und sogar ein Kalb in „Seenot“ waren Folgen des Herbststurms, der über das Land zog. Allein bis Sonntagmittag waren bei der Leitstelle der Feuerwehren für den Landkreis Nordwestmecklenburg rund 80 und für die Hansestadt Wismar weitere 14 Einsätze wegen des Sturms „Herwart“ gemeldet worden. Seit zwei Uhr, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle in Schwerin, hatte der Sturm die örtlichen Feuerwehren und die Polizei in Atem gehalten. Personen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Obwohl die Schäden noch nicht beziffert werden können, stehe aber fest: „Herwart“ hat nicht mit solcher Kraft gewütet wie „Xavier“ noch vor zwei Wochen, so die Einschätzung der Leitstelle. Bis Sonntag Mittag wurden ihr insgesamt 245 Einsätze in Westmecklenburg gemeldet.

Der Herbststurm hielt am Sonntag Feuerwehren und Polizei auf Trab.

In Dassow musste die freiwillige Feuerwehr gegen Mittag zu ihrem sechsten Einsatz des Tages ausrücken, weil ein Kalb bis zum Bauch im Wasser auf einer Salzwiese am Dassower See, dem Mündungsgebiet der Trave stand. Der Landwirt aus Lübeck Isrealsdorf war selber vor Ort und erklärte, er sei von dem plötzlich auf nordost drehenden Wind völlig überrascht worden. Der hatte das Wasser in die Trave und damit auch auf die Salzwiesen am Dassower Speicher gedrückt. Landwirt Harald Behnert aus Lübeck-Israelsdorf war schnell nach Dassow geeilt. „Ich bin völlig überrascht worden, dass der Wind so plötzlich auf Nordost gedreht hat“, schildert der Besitzer des Kalbes, dem sich die Feuerwehrleute mit dem Schlauchboot näherten. Sie bekamen noch Unterstützung von der freiwilligen Feuerwehr aus Israelsdorf, die Behnert um Unterstützung gebeten hatte.

Im Ostseebad Boltenhagen rückte die Feuerwehr zu vier Einsätzen aus. Dramatisch klang zunächst die Alarmierung in das Evangelische Familienferiendorf. „Es hieß, dass dort ein Baum auf ein bewohntes Ferienhaus gestürzt sei“, sagt Zugführer Mathias Hacker. Vor Ort stellten die Helfer fest, dass noch nicht schlimmes passiert war. Jedoch drohte eine Kiefer, auf ein Haus zu fallen. Daher wurde der Baum abgesägt.

Elf Einsätze von 8 Uhr bis zum Mittag verzeichnete die Freiwillige Feuerwehr von Elmenhorst in der Gemeinde Kalhorst. „Es waren etliche Äste abgebrochen and vor allem auf den Küstenradweg gefallen. Auch ein paar Bäume sind umgestürzt. Ein Baum hatte mit seiner Wurzel die Leitplanke an der Landesstraße zwischen Klütz und Kalkhorst angehoben“, schildert Gemeindewehrführer Rainer Oppor.

Schäden an Häusern und an Schiffen im Hafen

In der Hansestadt Wismar deckte „Herwart“ Dächer ab und wehte Bauzäune um. Mit Böen in Orkanstärke wehte er über die Wismarbucht und Nordwestmecklenburg hinweg. An der Mole am Friedenshof und auf dem Platz des Friedens in Wendorf wehten Dixi- Toiletten auf die Straße und mussten standsicher befestigt werden. Mit Windstärke 12 wehte der Orkan. Er ließ die kleinen Schiffe auf den hohen Wellen im Hafenbecken tanzen, zerrte an den Leinen. An einem Schlepper konnten sie nicht widerstehen und rissen. Am Fahrgastschiff „Lütte Adler“ platzten gegen 4.45 Uhr die Fender, weil sie so heftig zwischen Schiff und Kaikante gerieben wurden, berichtete Henry Losch von der Wasserschutzpolizei. Die Außenwand in Höhe des Oberdecks wurde stark beschädigt. Feuerwehrleute halfen den Besitzern, die Schiffe wieder festzumachen.

Der starke Wind trieb immer mehr Wasser ins Hafenbecken. Es stieg auf einen Meter über Normal-Null und schwappte über die Kaikante. Für eine Stunde musste die Wasserstraße/Schiffbauerdamm gesperrt werden. Aber die befürchtete Hochwassergefahr blieb aus. „Ab 1,20 Meter wird’s gefährlich“, sagte Brandobermeister Zimmermann.

Im Max-Reichpietsch-Weg im Stadtteil Wendorf löst der Sturm die Dachpappe von einem vierstöckigen Wohnblock. Die Berufsfeuerwehr entfernt lose Teile der Dachrinne und verständigt den Notdienst. Auch in der Altstadt wirbelt „Herwart“ Dachsteine von Dächern auf Gehwege, beispielsweise in der Dankwartstraße.

Bäume stürzen in allen Wismarer Stadtteilen um, einer liegt an der Koggenoor auf der Straße, ein anderer in Kritzowburg. Auch auf dem Parkplatz am Theater an der Bürgermeister-Haupt-Straße wird ein Baum entwurzelt. Die hier abgestellten Autos bleiben glücklicherweise unbeschädigt.

 Malte Behnk und Haike Werfel

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