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Nordwestmecklenburg Heute vor 25 Jahren: „Mecklenburger Hochzeit“ auf dem Grevesmühlener Markt
Lokales Nordwestmecklenburg Heute vor 25 Jahren: „Mecklenburger Hochzeit“ auf dem Grevesmühlener Markt
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20:56 28.05.2018
Gundula und Dierk Lohff aus Klütz mit einer Hochzeitsbild-Serie, die das Brautpaar von damals in ihrer Mecklenburger Tracht zeigt. Das Ehepaar hat außerdem enorm viele Dokumente und Medienberichte rund um die Großhochzeit gesammelt und aufgehoben. Quelle: Foto: Cornelia Roxin
Gantenbeck

Ob sie eine so öffentlichkeitswirksame Zeremonie noch einmal mitmachen würden? Gundula und Dierk Lohff schauen sich fragend an . . . wohl wissend, dass sie beide „Ja“ sagen werden. Die Antwort verraten ihre Blicke, irgendwie immer noch mächtig verliebt.

Ob sie eine so öffentlichkeitswirksame Zeremonie noch einmal mitmachen würden? Gundula und Dierk Lohff schauen sich fragend an . . . wohl wissend, dass sie beide „Ja“ sagen werden.

Dabei ist es schon 25 Jahre her, dass die Klützerin Gundula Hahn und Dierk Lohff (beide 49) aus Dassow sich kurz nach ihrer standesamtlichen Trauung auf dem Grevesmühlener Marktplatz auf Bitten des damaligen Bürgermeisters Roland Anderko noch einmal das Ja-Wort gaben. Sie gehörten zu den Paaren, die Mecklenburger Tracht trugen. „Das war doch eine Gaudi“, schwärmt Dierk Lohff noch heute.

Seine Frau nickt zustimmend. Eigentlich wollte sich Gundula Hahn als gelernte Schneiderin ihr Hochzeitskleid selbst nähen und ganz in Weiß heiraten . . . Aber dann kam alles anders.

25 Jahre später sitzt das angehende Silberpaar über Bildern, Zeitungsausschnitten und sogar einem erst kürzlich erworbenen Video und schwelgt gemeinsam in Erinnerungen. Der Brautvater sei Schuld gewesen. Er habe den Aufruf zur „Mecklenburger Hochzeit“ damals gelesen und das Paar aufgefordert: „Ihr wollt doch bauen, dann könnt ihr auch heiraten.“ So geschah es dann auch. Am Hochzeitstag tauchte schon morgens um 6 Uhr ein Fernsehteam im Hause Hahn auf und brachte mit seiner Anwesenheit die Familie in Zeitnot. Auf dem Weg zum Markt stieg das Brautpaar am Ortseingang von Grevesmühlen in eine Kutsche um. Dierk Lohff erinnert sich noch gut, wie erschöpft er nach der Trauung auf dem Marktplatz war. „Arbeitskollegen meiner Frau aus Travemünde hatten noch Lübecker Rotspon und sogar Marzipan dabei. Der Rotwein tat natürlich sein übriges dazu.“ Ja, und dann war da noch Mecklenburg-Vorpommerns damalige Kultusministerin Steffie Schnoor, die nicht nur die Schirmherrschaft über das parallel laufende Folklorefestival übernommen hatte, sondern außerdem auch Trauzeugin war bei Lohffs. Zu Mittag aß die Mecklenburger Hochzeitsgesellschaft übrigens griechisch. Nach der Zeremonie haben Lohffs ihre Tracht in den Vereinsfundus zurückgegeben. Es wird erzählt, dass ein Minister der Schweriner Landesregierung später ebenfalls darin geheiratet haben soll. Diese Ehe hielt nicht jedoch nicht, wird auch erzählt.

Lohffs sind noch zusammen, sie haben wirklich ein Haus gebaut – in Klütz und erinnern sich gern ans erste Weihnachtsfest und das erste Gans-Essen im eigenen Heim.

Dierk Lohff, der zum Beginn seines Berufslebens im Wismarer Hafen arbeitete, ist jetzt in der Labordiagnostik eines Dassower Unternehmens tätig.

Ihren Kinderwunsch hat sich das Paar nicht erfüllen können. Da hat ihnen eine Erkrankung von Gundula einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Krankheit ist erneut ausgebrochen. Doch die in ihrem Optimismus so sympathische und nach vorn schauende Frau geht fest davon aus, bald wieder in ihrem Zweitberuf als Speditionskauffrau weiterarbeiten zu können. Und: Die Silberhochzeit wird auf jeden Fall gefeiert! Nur nicht mehr auf einem Marktplatz.

Im Waschzuber reingewaschen

Es hat sich viel verändert auf dem Lüthschen Gehöft in Gantenbeck. „Damals hat die riesengroße Scheune noch gestanden und gefühlt waren überall Leute“, erinnert sich Britta Lüth. Die 51-Jährige wurde anlässlich ihres Polterabends einen Tag vor der „Mecklenburger Hochzeit“ in einen Waschzuber gesteckt und von der künftigen Schwiegermutter nach altem Brauch reingewaschen.

Britta Lüth, die zu dem Zeitpunkt noch Hellwig hieß, hatte gehört, dass sich die Bräute früher dagegen gewehrt hätten, so wollte dann auch sie Widerstand leisten. Doch angesichts der vielen Leute, habe sie sich in ihr Schicksal gefügt.

Britta Lüth hat einen Kasten voller Bilder vor sich und erzählt mitreißend, als wär’s gestern gewesen . . . von der Warnower Blaskapelle, der Damshagener Tanz- und Trachtengruppe und Hans-Joachim Moll aus Hamberge, der auf Schwiegervaters Kleinpferd einritt. Letzterem kamen als Hochzeitsbitter gleich mehrere Aufgaben zu. So fuhr er in der Tat unter anderem bis auf die Insel Fehmarn, um Tante und Onkel des Bräutigams Thomas Lüth einzuladen. Am Hochzeitstag selbst moderierte der niederdeutsche Laienschauspieler die Zeremonie auf dem Markt.

Dort waren die Brautleute aus Gantenbeck in Tracht dabei. „Wir haben uns schwer getan mit dem Heiraten, waren ja schon zehn Jahre zusammen“, erläutert die Agraringenieurin, die heute als Verwaltungsfachwirtin in der Kreisverwaltung arbeitet. Zum Zeitpunkt der Hochzeit waren sogar schon zwei ihrer drei Kinder geboren. Das mit der Tracht habe beide dann aber gereizt. Britta Lüth weiß

auch noch, dass sie im Schönberger Heimatmuseum war, wo die Brauthauben unter Anleitung von Museologin Heidemarie Frimodig angefertigt wurden. Später war es dann am Ehemann, Britta davon zu befreien.

Für jede Nadel gab es einen Kuss. Thomas Lüth, gelernter Landmaschinenschlosser und heute Berufskraftfahrer und Teilhaber einer Spedition, ist unter der Woche viel unterwegs. Doch am Wochenende ist der heute 52-Jährige auf dem elterlichen Gehöft, das um 1900 entstand und schon von seinem Großvater bewirtschaftet wurde. Dessen Enkel hat den Hof in jahrelanger Arbeit komplett saniert. Zur Silberhochzeit aber wird das Lüthsche Gehöft menschenleer sein, anders als beim Polterabend. „Wir fahren in den Urlaub“, kündigt Britta Lüth an. coro

Sieben Brautpaare und ein Folklorefestival

Das 1. Norddeutsche Folklorefestival war Pfingsten 1993 Anlass, am 29. Mai in Grevesmühlen eine „Mecklenburger Hochzeit“ wie vor 100 Jahren zu zelebrieren. 4000 Menschen haben zugeschaut. Der Kulturverein Nord-West-Mecklenburg war Ausrichter. Die angedachte Zahl von 20 Paaren reduzierte sich auf sieben, drei heirateten in Mecklenburger Tracht. Der Beschäftigungsverein Kleidung geriet mit dem Nähen an seine Grenzen.

Zwei Ehemänner von damals sind bereits verstorben. Von einem Paar verlieren sich die Spuren. Steffen (46) und Manuela Sarnow (49), geb. Kliber, leben heute in Hof Reppenhagen.

Die Kindergärtnerin und ihr für eine Telekommunikationsfirma arbeitender Mann haben drei Kinder und zwei Enkel. Sie feiern

Silberhochzeit im Familien- und Freundeskreis. Das machen auch Heike (59) und Hans-Martin Matyssek (57) aus Grevesmühlen. Sie arbeitet als Erzieherin, er hat sich im Bereich Marketing/Werbung selbstständig gemacht. Zur Familie gehören zwei Töchter und zwei Enkelkinder. coro

Cornelia Roxin

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