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Nordwestmecklenburg Hochzeit im geliehenen Pelz
Lokales Nordwestmecklenburg Hochzeit im geliehenen Pelz
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20:39 05.01.2018
Ingeborg (89) und Karl Geuckler (94) in ihrer Wohnung in Wismar. Das Paar feiert am Sonntag 70 gemeinsame Ehejahre. Quelle: Foto: Michaela Krohn

In ihrer Wohnung hängen an fast jeder Wand Fotos – von Familie und Freunden, von glücklichen Momenten, von Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Feiern. Ingeborg und Karl Geuckler sind morgen seit 70 Jahren verheiratet. Das Paar blickt auf ein bewegtes Leben zurück, auf Schicksalsschläge und schwere Zeiten nach dem Krieg, aber auch auf viel Schönes, Freude mit der Familie und abenteuerliche Reisen.

Karl und Ingeborg Geuckler aus Wismar haben 1948 geheiratet / Nun feiern sie ihre Gnadenhochzeit im Kreise von Familie und Freunden.

Kennengelernt haben sich die beiden über den Sport. Karl Geuckler, genannt Charly, hat in Wismar Handball gespielt. Über einen Sportfreund lernte er dann seine spätere Frau Ingeborg kennen. Die Verlobung ließ nicht allzu lange auf sich warten.

Das Ja-Wort haben sie sich dann in Binz auf der Insel Rügen gegeben – dort hatten die Großeltern goldene Hochzeit gefeiert. „Wir hatten nur geliehene Sachen – die Schuhe, der Hut, der Pelz, alles gepumpt“, erinnert sich Karl Geuckler. „Die Eltern meiner Frau waren ausgebombt.“

Obwohl das junge Paar und dessen Familien damals nicht viel hatten, sagt Ingeborg Geuckler, die bei ihrer Hochzeit gerade 19 Jahre alt war, heute: „Es war ein wunderschöner Tag im Januar. Wir hatten strahlendes Winterwetter, und die Ostsee lag ganz ruhig.“ Auch beim anschließenden Hochzeitsessen mussten die jungen Leute damals kreativ sein. „Es gab gebratene Steckrüben, rote Beete und Kartoffeln – die waren geklaut, aber mit Erlaubnis“, erzählt die heute 89-Jährige mit einem Lächeln.

Als später im Jahre 1948 die erste Tochter auf die Welt kam, „hatten wir nichts“, erinnert sich Ingeborg Geuckler. Aber: „Ich wollte unbedingt einen modernen Kinderwagen haben, einen Brennabor.“ Den bekam sie auch – durch allerlei Tauschgeschäfte. Geld hatten die Menschen nicht, so tauschte das junge Ehepaar einen Schinken gegen einen neuen Kinderwagen. „Und auf den war ich auch sehr stolz“, sagt Ingeborg Geuckler.

Die 1950er Jahre waren schicksalhaft für die Familie. Zwei weitere Kinder von Ingeborg und Karl Geuckler starben schon in jungen Jahren. Auch konnte das Paar nicht nach Hamburg umsiedeln, wo Ingeborg Geuckler herkam. Zu wichtig waren damals Fachkräfte im Bauwesen. „Ich bekam eine feste Stelle als Bauleiter bei der Bauunion. Eine Rückführung wurde uns verwehrt, wir konnten nicht gehen“, berichtet der heute 94-Jährige. Seine Frau ergänzt: „Wir haben aber eine sehr schöne, große Wohnung in der Lübschen Straße bekommen.“ Und: Karl Geuckler hat nebenbei auch als Dozent an der Wismarer Hochschule unterrichtet, war Chefkalkulator und Abteilungsleiter.

Auch Ingeborg Geuckler fand in den darauffolgenden Jahren ihre Berufung: Sie wurde Krippenleiterin und leitete von 1963 bis 1988 das Säuglingsheim in Wendorf. „Es war ein wunderschöner Beruf, ein wunderschöner Teil meines Lebens“, betont sie.

Als es dem Paar wirtschaftlich besser ging, hat es seine Leidenschaft für das Reisen entdeckt: „Wir haben 49 Hauptstädte auf der ganzen Welt besucht – nur in Amerika waren wir nicht“, berichtet Ingeborg Geuckler. Am beeindruckendsten fand sie Ägypten, „aber mein Mann fand es furchtbar“. Die letzte Reise ging mit dem Schiff nach Island über England und Schottland.

Karl Geuckler hat zudem ein aufwendiges Hobby: die Ahnenforschung. Bis ins 16. Jahrhundert hat er die Vorfahren von sich und seiner Frau zurückverfolgen können – durch jahrelange Puzzle-Arbeit und Recherche. Zudem hat er seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg aufgeschrieben – seinen persönlichen Zeitzeugenbericht. Auch sein Bruder ist damals gefallen, den er bis heute sehr vermisst.

Inzwischen haben die Geucklers schon vier Urenkel, der älteste ist bereits 20 Jahre alt. Und morgen, am Sonntag, ist es nun so weit: Ingeborg und Karl Geuckler feiern ihren 70. Hochzeitstag mit Familie und Freunden in der Sektkellerei in Wismar.

Michaela Krohn

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