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Nordwestmecklenburg Hufschmied mit Steckenpferden
Lokales Nordwestmecklenburg Hufschmied mit Steckenpferden
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20:31 21.10.2013
Der Hufschmied Christoph Pechmann (r.) aus Neuenhagen mit seinem Auszubildenden Aster Ples. Dieser begleitet ihn zurzeit fast immer zu Außenterminen. Quelle: Dana Dolata

Christoph Pechmann (56) schaut skeptisch. Er hat Wiebke Albrecht (20) gefragt, wie sich deren Holsteiner Charly im Umgang mit anderen Pferden gibt. Die Antwort lautete: „Zurzeit ist er lieb. Aber ich habe ihn auch erst seit einem Monat. Es wäre denkbar, dass er irgendwann einmal richtig aufdreht“. Nun muss Pechmann entscheiden, ob das Pferd moderne „Schuhe“

aus Kunststoff bekommen soll oder aber die herkömmlichen aus Eisen. Der 56-Jährige aus Neuenhagen ist Schmied.

Herkömmliche Eisen können schwere Verletzungen auslösen, erklärt er. Wenn ein Pferd ein anderes mit den Hufen trete, sei ein Beschlag aus Kunststoff weitaus ungefährlicher. Charly bekommt vorsichtshalber Kunststoff, entscheidet Pechmann.

Er fertigt längst nicht nur Hufe für Pferde an, sondern leistet auch viele andere Schlosser-, Schmiede- und Restaurationsarbeiten. Er liebt das Althergebrachte, kann aber auch modern. Zu eigenen Forschungszwecken hat er einmal aus sogenanntem Raseneisenstein, also aus verfestigten Sedimentfraktionen des Bodens, Eisen hergestellt und daraus zwei Perlen für Ketten geformt. Auch Messer stellt er her, zum Beispiel aus Damast.

Das Steckenpferd des Neuenhageners, der aus dem Osterzgebirge stammt, sind Dampflokomotiven. Er feuert sie an, hat schon dem Klützer Kaffeebrenner angeheizt. Seinen Urlaub verbringt er am liebsten auf einer Dampflok.

Mit vielen Vereinen rund um Schienenfahrzeuge steht er in Kontakt. „Als ich in der achten Klasse war, wäre ich am liebsten Dampflokomotivführer geworden“, erzählt Christoph Pechmann. Er hatte sich bereits bei einer entsprechenden Schule beworben, kam dann aber zum Reiten und blieb schließlich dabei. „Zum Bereiter brauchte man jedoch einen Durchschnitt von 1,1 — ich hatte nur circa 2,2“, berichtet er. Seine Ausbildung zum Schmied erhielt er beim renommierten Hengstdepot Moritzburg in Sachsen. Dort war er seinerzeit der erste Schmiede-Azubi, dem viele weitere folgten.

Heute hat Pechmann selbst beinahe immer einen Azubi dabei, wenn er beispielsweise umherreist, um Pferde zu beschlagen. Sein derzeitiger Azubi ist Aster Ples (30).

„Ich finde das toll, dass er jungen Leuten eine Chance gibt“, sagt Wiebke Albrecht aus Eutin und hat auch sonst viel Lob für den Handwerker aus dem Klützer Winkel: „Er ist zuverlässig“, das sei nicht selbstverständlich. Viele Hufschmiede ließen Termine auch mal sausen. Aber Pechmann sei anders, „und außerdem auch noch individuell“, wie die Studenten und Pferdefreundin sich ausdrückt. Er schaue sich ein Tier erst einmal ganz genau an, bevor er entscheide, wie er es behandelt. Albrecht lobt zudem, dass der Schmied aus Neuenhagen, der für Termine bis nach Hamburg fährt, viel erklärt.

„Ich habe immer wirklich viele Fragen“, gibt sie zu, „und dieser Schmied nimmt sich ihrer an“. Um ihr Pferd zu beschlagen, ist Pechmann sogar bis Eutin gefahren. Dort steht Charly auf dem Hof von Marie-Luise und Ernst Tamm, die nicht nur Kutschpferde halten, sondern auch so manches private Pferd im Offenstall.

Wie Christoph Pechmann berichtet, habe er bisher noch jedes Pferd beschlagen, das ihm vorgeführt wurde. Schwierigen gebe er Medikamente oder bringe sie in einem Gerät unter, das es ihnen nicht mehr ermöglicht, den Huf wegzuziehen oder gar auszuschlagen.

Seit 1983 ist der Vater von drei Söhnen — zwei Maschinenbauer, ein Informatiker — nun selbstständig. Zu DDR-Zeiten war er bei der LPG Neuenhagen.

In der achten Klasse wäre ich am liebsten Lokomotivführer geworden.“ Christoph Pechmann, Schmied

Dana Dolata

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