Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg „Ich sehe meine Zukunft in Deutschland“
Lokales Nordwestmecklenburg „Ich sehe meine Zukunft in Deutschland“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:16 15.08.2015
Wenn ich zurück in meine Heimat gehe, werde ich getötet.“ Wahid Yarmohammadi (22)

Wahid Yarmohammadi hat das arabische Schriftzeichen Schmerz auf seinem Hals tätowiert. Schmerzvolle Erfahrungen hat der 22-jährige Afghane bereits genügend gemacht.

Trotzdem — oder gerade deshalb — tritt der junge Mann seinen Mitmenschen mit einem offenen Lachen entgegen. Selbst in seiner jetzigen Situation.

Wahid lebt seit mehr als drei Jahren in Wismar. Er spricht sehr gut Deutsch, hat Freunde in der Hansestadt gefunden und kann als erfolgreiches Beispiel für Integration bezeichnet werden. Trotzdem droht ihm nun die Abschiebung. Mit einer Online-Petition unter dem Titel „Helft Wahid in Wismar bleiben zu dürfen“ wollen ihn seine Freunde von der Gemeinschaft „Pro-Asyl Wismar“ — bekannt unter den Pseudonymen Peter, Anton und Walther — unterstützen. „Wahid hat hier in Wismar eine neue Heimat gefunden“, sagt Walther. „Er hilft im Kultur- und Wohnprojekt Tikozigalpa mit, engagiert sich in der Jungen Gemeinde und begleitet zudem andere Asylbewerber als Dolmetscher zum Arzt, zu Ämtern und Behörden. Warum soll so jemand abgeschoben werden?“ Denn Wahid ist sich sicher: „Wenn ich zurück nach Afghanistan gehe, werde ich getötet. Genau so wie mein Cousin.“

Wahid lebte im südlichen Kandahar. Seit er elf Jahre alt ist, arbeitete er. „Durch meinen Vater habe ich dann einen Beruf bei der britischen Armee bekommen. Erst als Koch, dann als Dolmetscher“, erzählt Wahid. Da er damit Umgang mit Christen pflegte, bekam er einen Drohbrief von den Taliban — so wie sein kurz darauf getöteter Cousin. Mit 17 hat Wahid sein Heimatland verlassen — alleine.

Seine Mutter, seinen Bruder und seine mittlerweile verstorbene Schwester hat er zurückgelassen. Wo sein Vater ist, weiß er nicht.

Wahids Reise nach Deutschland war lang: Zu Fuß ist er alleine in den Iran, von dort in einer großen Gruppe weiter in die Türkei, dann nach Griechenland, wo er längere Zeit bleiben musste. Dann ging die Odyssee mit dem Schiff weiter nach Italien, danach Paris und Deutschland. „Mein eigentliches Ziel war Schweden, weil dort mein Onkel und meine Großeltern leben“, erzählt Wahid. Doch in Kiel hatte seine Reise ein Ende, die Polizei stoppte ihn. 16 000 Euro kostete Wahids Flucht über Tausende Kilometer. Bezahlen konnte er das durch Ersparnisse der Familie und Unterstützung durch seinen Onkel.

In seiner Unterkunft, der Haffburg, ist der junge Mann eigentlich nur zum Schlafen und Essen. „Gemütlich ist es dort nicht“, sagt er mit einem entschuldigenden Grinsen. Zudem gebe es oft Stress mit den anderen Bewohnern, dem geht Wahid aus dem Weg. Also trifft er sich mit seinen Freunden, macht Sport, geht spazieren und versucht, Arbeit zu finden. „In München könnte ich in einem Hotel einen Job als Reinigungskraft bekommen“, erzählt Wahid. Seit acht Wochen wartet er auf eine Antwort von der Ausländerbehörde, die entscheidet, ob er nach Bayern gehen darf oder nicht. Hätte er eine Wahl, würde Wahid sein Abitur, welches in Deutschland nicht anerkannt ist, nachholen. „Und danach würde ich Zahnmedizin studieren. Das ist mein Traumberuf“, erzählt Wahid mit einem breiten Grinsen.

Unterstützt wird er auch von seinem Anwalt. Bis Ende August kann gegen die Ablehnung seiner Aufenthaltserlaubnis Einspruch eingelegt werden. Auf der Facebook-Seite von „Pro-Asyl Wismar“ rufen die drei Betreiber auf, für Wahid zu unterschreiben. Wahid gibt nicht auf. „Ich sehe meine Zukunft in Deutschland“, sagt er selbstbewusst. Trotz aller Schicksalsschläge blickt er hoffnungsvoll in die Zukunft.

• Petition für Wahid:

www.openpetition.de/petition/online/helft-wahid- in-wismar-bleiben-zu-duerfen

Vanessa Kopp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Lehrer aus Wismar weilen bei Seminar in Israel.

15.08.2015

In Schönberg zeigen 27 Hobbyfotografen und -maler ihre Werke. Zum neunten Mal gibt es diese Ausstellung, in der noch bis 22. August neue Talente entdeckt werden können.

15.08.2015

Der spaßige Fünfkampf war beliebt bei den Mädchen und Jungen.

15.08.2015
Anzeige