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Nordwestmecklenburg Illegale Schatzsucher im Nordwestkreis unterwegs
Lokales Nordwestmecklenburg Illegale Schatzsucher im Nordwestkreis unterwegs
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12:04 01.11.2017

Illegale Schatzsuche: In der Nähe des Fundortes einer seltenen Römer-Münze bei Wismar haben am Dienstag drei Männer nach weiteren Schätzen gesucht. „Sie sind mit Metalldetektoren über die Fläche gegangen“, ärgert sich Jens Dammann. Der Bodendenkmalpfleger hat den Suchtrupp gesehen und die Polizei gerufen. Denn Dammann ist wütend: „Die illegalen Schatzsuchen ufern langsam aus“, sagt er. Immer öfter erwische er Leute, die mit Metalldetektoren auf Flächen, die ihnen nicht gehören, auf Beutezug gehen und sogar öffentlich ausgewiesene Grabstätten plündern. „Bisher habe ich diese Leute nur verwarnt, doch jetzt reicht es“, betont er. Alles, was im Boden gefunden werde, gehöre dem Land und nicht in illegale Verkaufsbörsen oder private Vitrinen. Das Problem: Hobby-Schatzsucher und Raubgräber riskieren bisher wenig. Die unzähligen Fundstellen im Land und unter Wasser können unmöglich überwacht werden.

Wie Landesarchäologe Detlef Jantzen informiert, darf niemand einfach mal auf „Gut Glück“ lossuchen. „Wer Bodendenkmale suchen will, muss ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger sein und einen Auftrag vom Landesamt für Denkmalpflege haben“, erklärt Jantzen. Außerdem müssten laut Landeskriminalamt (LKA) auch die Eigentumsrechte beachtet werden. Das heißt: Private Grundstücke dürfen nicht ohne Erlaubnis betreten werden. Und generell gelte: Alle Funde müssen gemeldet werden. „Sonst macht man sich der Unterschlagung strafbar“, erklärt LKA-Sprecherin Anna Hermann. Da es mehrere Arten von Unterschlagung gebe, könne momentan nicht beziffert werden, wie viele Anzeigen wegen Schatzsuchern eingegangen sind. Doch Dammann ist sicher: „Es kaufen sich immer mehr Leute Metalldetektoren und ziehen los.“

Ab 150 Euro sind die Suchgeräte zu haben. Sie zeigen die Metallart und Größe an. Reagieren sie, können die Schatzjäger mit dem Spaten einen Erdblock ausheben und den nach Gegenständen durchsuchen.

Drei Detektoren hat die Polizei am Dienstag beschlagnahmt. Die Ermittlungen laufen. Oft erwartet die Täter eine geringe Geldstrafe, höher wird die, wenn es sich um offizielle Grabstellen handelt.

Jens Dammann ist im Auftrag des Landesdenkmalamtes unterwegs, hat außerdem eine Such-Erlaubnis vom Bauern für ein benachbartes Feld. Etwa 15 Kilometer von Wismar entfernt hat er Ende April die römische Silber-Münze gefunden und sie dem Landesdenkmalamt übergeben – wie alle seine Funde. Hobby-Schatzjäger machen das oft nicht. In Internetforen ist Dammann bereits einige Male auf Kaufangebote für historisch wertvolle Schätze aus MV gestoßen. Nachdem er einen Bieter darauf hinwies, den Fund zu melden, „hat der sofort alle Daten gelöscht“.

Auch in Grevesmühlen waren in den vergangenen Jahren Schatzsucher ohne Genehmigung unterwegs. Die Täter informieren sich vorab in den Archiven über lohnende Orte. Und dabei geht es nicht allein um Artefakte aus dem Mittelalter beziehungsweise der Zeit davor. Auch Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg sind Ziel der Schatzsucher. So gab es am Stadtrand von Grevesmühlen am Vielbecker See ein Gefangenenlager nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Mehrfach waren dort Schatzsucher unterwegs. Ebenso wie auf dem Areal des Vertriebenenlagers von Questin. Mehrmals wurden dort Männer gesehen, die mit Metalldetektoren unterwegs waren. Die Geräte sind übrigens auch an den Stränden der Region zu sehen. Jedes Jahr nach Saisonende sind die Schatzsucher in den frühen Morgenstunden u.a.

in Boltenhagen unterwegs – auf der Suche nach verlorenem Schmuck, Münzen und anderen wertvollen metallischen Gegenständen.

Kerstin Schröder und Michael Prochnow

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