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Im Dienste der Königin: Bienen summen im Tierpark

Wismar/Grevesmühlen Im Dienste der Königin: Bienen summen im Tierpark

Imkerei erfreut sich in der Stadt großer Beliebtheit, im Kreis weniger.

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Johannes (17) und sein Vater Ulrich Kändler (53) haben die Schauimkerei im Wismarer Tierpark übernommen.

Quelle: Foto: Kerstin Schröder

Wismar/Grevesmühlen. Johannes Kändler steht inmitten von Tausenden wilden Tieren – Honigbienen. Die wuseln nebeneinander, übereinander, sind ständig in Bewegung. Angst, gestochen zu werden, hat der 17-Jährige nicht. „Das gehört dazu“, sagt er. Rauchschwaden halten die Tiere im Zaum – kleine Feuerchen, im Blechkännchen mit Eierpappe angefacht. „Wenn die Biene das riecht, kann man für eine Weile in Ruhe arbeiten“, erklärt der Wismarer. Vor vier Jahren hat er die Imkerei für sich entdeckt – zusammen mit seinem Vater Ulrich. Seither stehen die beiden im Dienste der Königin – jetzt auch im Wismarer Tierpark. Dort haben sie die Schauimkerei übernommen. Sehr zur Freude von Parkchef Michael Werner: „Wir wollen unseren Besuchern zeigen, wie wichtig diese Insekten sind.“ Fast 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen werden von der Westlichen Honigbiene bestäubt. Die restlichen 20 Prozent gehen auf das Konto von Hummeln, Fliegen, Wildbienenarten, Schmetterlingen und anderen Insekten. Die sind im Vergleich zu Bienen aber oftmals sehr spezialisiert und „arbeiten“ daher langsamer. Außerdem transportieren die Bienen neben Blütennektar auch Pollen von Pflanze zu Pflanze und sorgen damit für deren Fortbestand. Die Königin ist die Mutter des gesamten Bienenstaates. Sie ist das einzige geschlechtsreife weibliche Tier im Volk, legt Eier und steuert das Leben im Stock. „Deshalb müssen wir sie immer gut im Auge behalten, wenn es ihr nicht gut geht, sind die Bienen unglücklich“, erklären die Kändlers. Gestochen werden sie regelmäßig. Doch das hält sie nicht davon ab, die Imkerei wieder sausen zu halten. „Die Arbeit mit den Tieren entspannt mich, außerdem schmeckt der Honig sehr gut“, betont Johannes Kändler. Sein Vater gibt ihm Recht und lacht: „Mein Sohn ist unser bester Kunde.“ Etwa eine Stunde brauchen die Zwei, um den Honig von der Wabe ins Glas zu bringen. Den künftig soll es den auch im Tierpark zu kaufen geben. Dort sind sie einmal in der Woche, um nach ihren Bienen zu schauen. Drei Völker sind es, vor drei Wochen haben sie die Männer nachts umgesiedelt. „Der Park ist ideal, in der Umgebung blüht es überall“, schwärmt Ulrich Kändler. Er ist Vorsitzender des Imkervereins Wismar. Der hat 32 Mitglieder, auch Frauen und jüngere Honigliebhaber. „Die Imkerei erfreut sich in der Stadt großer Beliebtheit“, sagt er. Die Bienen könnten durch die Gärten und Parks sogar mehr und verschiedene Blüten anfliegen als außerhalb. Das bestätigt Manfred Retzlaff vom Imkerverein Grevesmühlen: „Die Imkerei auf dem Land ist schwierig geworden“, bedauert der 77-Jährige. Auf vielen Feldern blühe meist nur noch Raps. Ist der verschwunden, finden die Bienen kaum noch was anderes. Von großflächigem Insektizideinsatz auf den Feldern ganz zu schweigen.

LN-Bild

Imkerei erfreut sich in der Stadt großer Beliebtheit, im Kreis weniger.

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Vor zwölf Jahren – als Retzlaff den Vereinsvorsitz für die Region von Grevesmühlen über Groß Schwansee bis nach Dassow übernommen hat – sei das noch anders gewesen. Damals habe es auch mehr Mitglieder gegeben – 36. „Mittlerweile sind wir nur noch 18 und vor allem ältere, wir treten auf der Stelle“, ärgert sich der Grevesmühlener. 1958 hat er mit seinem Hobby angefangen. „Ich habe damals ein paar Bienen in eine Kiste gehauen. Ich wusste ja noch nicht, dass man sie zufüttern muss“, erinnert er sich. Doch schnell habe er dazu gelernt und so ist das Summen zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden. „Meist bin ich gleich nach der Arbeit zu meinen Bienen gegangen“, erinnert er sich. 25 Völker hat Retzlaff zurzeit, zehn hat er im Winter durch Milben verloren. „Das Bienenjahr hat sehr schlecht angefangen“, erzählt er. Wegen der anhaltenden Kälte. Die mögen Bienen nicht. „Sie fliegen erst ab 16 Grad“, bestätigt Ulrich Kändler. Doch dann seien sie unermüdlich im Einsatz. Etwa 40000 Mal muss eine Biene ausfliegen, um einen Liter Nektar zu sammeln, der schließlich etwa 500 Gramm Honig ergibt.

Von Oktober bis März verlassen die fleißigen Tiere ihren Stock nicht. „Der Honig, den wir entnehmen, ist eigentlich ihr Wintervorrat“, erklärt Kändler. Deshalb würde er nie alles entnehmen, sondern immer etwas zurücklassen oder im Notfall Zuckersirup zufüttern, wenn ihre Reserve doch nicht ausreicht. An seinem Bienenhäuschen im Tierpark sind auch Schautafeln mit Fakten zu den Honigbienen angebracht. „Schließlich haben wir einen Bildungsauftrag. Später sollen unsere Besucher auch bei der Honigherstellung zuschauen können“, kündigt Parkchef Michael Werner an. Wie lecker Honig schmeckt, zeigt der Verbrauch: 1,3 Kilo isst jeder Deutsche pro Jahr.

Lange Flugstrecken

Das Sammelgebiet

eines Bienenvolkes

erstreckt sich nach

Auskunft des Deutschen Imkerbundes auf etwa 50 Quadratkilometer. Es ist damit etwa

so groß wie das Innenstadtgebiet von Köln.

Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40000-mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120000 Kilometer

zurücklegen.

Jeder Imker hält durchschnittlich 7,3 Völker. Aber weniger als ein Prozent betreiben die Imkerei erwerbsmäßig.

An guten Tagen können die Sammlerinnen eines Volkes mehrere Kilogramm Blütennektar einfliegen.

Die Honigbiene ist wirtschaftlich eine echte Größe. Rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im deutschen Pflanzen- und Obstbau hängen von der Bestäubung der

Honigbienen ab.

Kerstin Schröder

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