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Im Einsatz mit Bürste und Schwamm

Wismar Im Einsatz mit Bürste und Schwamm

29 Jugendliche aus neun Ländern treffen sich beim Workcamp in Wismar und kümmern sich um verschiedene Kriegsgräber.

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Julia (17) und Ira (16) aus der Ukraine schrubben mit Tahani (15) aus Syrien das Moos vom Obelisken auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof. Er ist eine von drei Kriegsgräberstätten in Wismar. Fotos (3): Nicole Buchmann

Wismar. 29 Jugendliche aus neun Nationen kümmern sich in diesen Tagen um die Kriegsgräberstätten in der Hansestadt Wismar. Das Internationale Workcamp des Volkbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge findet nach 2011 zum zweiten Mal in Wismar statt.

LN-Bild

29 Jugendliche aus neun Ländern treffen sich beim Workcamp in Wismar und kümmern sich um verschiedene Kriegsgräber.

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Unter dem Motto „Arbeiten für den Frieden“ sind die junge Leute in die Hansestadt gekommen – aus Rumänien, Syrien, Italien, Weißrussland, Tschechien, Frankreich, aus der Ukraine, den USA und aus dem Süden Deutschlands. Der erste Einsatz: auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in der Philipp-Müller-Straße. Campleiterin Ulrike Stolschewski verteilt die Aufgaben. Rasenkanten abstechen, Gehwegplatten rausheben. Boden auffüllen. Platten säubern und neu verlegen. Die jungen Männer machen sich an die Arbeit. Die Kiste mit den Arbeitshandschuhen leert sich schnell.

Am Obelisken schrubben die Mädchen mit Bürsten das Moos vom Stein. Unter ihnen Tahani aus Syrien. Die 15-Jährige aus Damaskus war mit ihrem Onkel nach Deutschland geflohen und ist als unbegleitete Minderjährige in einer Gastfamilie in Gütersloh untergekommen. Die Gastmutter hat Tahani für das Camp angemeldet. Vor dem Krieg geflohen und nun Kriegsgräber pflegen? „Ja, das ist schwer“, sagt Tahani. Aber es sei auch sehr interessant, verschiedene Kulturen kennenzulernen, stellt sie fest. „Hier spürst du den Geist der Gemeinschaft – über die Nationen hinweg.“

Davon schwärmt auch Mario Coda. Der Theologie-Student aus Rom ist zum vierten Mal bei einem Workcamp des Volksbundes dabei. Nach Gera, Schwerin und Bosbach am Rhein nun Wismar. „Freundschaften, die hier entstehen, sind stabil wie Stein.

Ira Zobenko aus der Ukraine blickt auf den Obelisken. Legt die Bürste für einen Moment zur Seite. „Mein Großvater war in der Roten Armee, meine Urgroßeltern wurden nach Deutschland deportiert und mussten dort arbeiten. In unserer Familie gab es niemanden, der vom Zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist.“ Die 16-Jährige will im September ein Medizinstudium beginnen und im nächsten Jahr wieder mitmachen. „Wir erleben selbst, wie schwierig es ist, wenn in der Heimat Krieg ist. Niemand sollte das je vergessen.“ Dass sie Grenzen überwinden, haben sie bereits am Eröffnungsabend am Mittwoch gezeigt. „Bruder Jacob“ erklang dort als Kanon in verschiedenen Sprachen. Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) dankte den Teilnehmern für ihr Engagement. „Es ist wichtig, jungen Menschen die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft zu vermitteln“, sagte er. Das Thema sei ausgesprochen aktuell, blickt man auf die Weltlage. Seit 1953 hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 60 Workcamps in mehr als 20 Ländern organisiert.

Kriegsgräberfürsorge MV

1919 der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gründet sich als gemeinnützige Organisation. Ziel ist es, sich um die Gräber der Gefallenen

des Ersten Weltkrieges zu kümmern.

1920 die ersten Ortsverbände entstehen in Mecklenburg. Im Schweriner Dom wird 1991 der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern gegründet.

16 Kreisverbände kümmern sich um mehr als 600 Kriegsgräberstätten in etwa 400 Orten im Land. Mehr als 69000 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sind dort bestattet.

Drei Kriegsgräberstätten gibt es

in Wismar: den sowjetischen Ehrenfriedhof, den Soldatenfriedhof und

den Friedhof für die Bombenopfer

des Zweiten Weltkrieges.

Die Landgeschäftsstelle ist hauptamtlich besetzt, die Arbeit in den

Kreisverbänden übernehmen Ehrenamtliche. Schirmherrin ist Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, Partner des Volksbundes die Bundeswehr.

Nicole Buchmann

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