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Nordwestmecklenburg Im Zeichen der Krähe
Lokales Nordwestmecklenburg Im Zeichen der Krähe
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20:22 30.09.2017
Eine von zwei Krähen, die auf dem Schulhof der Grundschule Fritz-Reuter die Kinder begrüßen. Quelle: Fotos: M. Prochnow (2), Oz

Hans-Joachim Schönfeldt (SPD) hat eine Mission. Die Krähensage soll Grevesmühlen auch über die Stadtgrenze bekannter machen, der SPD-Politiker bemüht sich seit Jahren, das Thema vor allem an die Jugend heranzutragen. Ein Malwettbewerb mit den Grundschulen, der jedes Jahr im Sommer aufgerufen wird, ist allerdings bislang das einzige Ergebnis.

Die Krähensage soll besser vermarktet werden in Grevesmühlen. Das fordern jedenfalls CDU und SPD.

Stadtvertreter Uwe Bendiks (Fraktion grevesmühlen.jetzt) hält diese Bemühungen für zwecklos: „Die Jugend interessiert sich nicht für solche Geschichten.“ Das sieht Bürgermeister Lars Prahler (parteilos) etwas anders: „Grevesmühlen und die Krähe gehören zusammen.“

Doch welche Rolle spielt die Krähe beziehungsweise die Sage überhaupt in der Stadt? Auf den ersten Blick keine allzu große, auf den zweiten jedoch taucht die Krähe an zahlreichen Orten in Grevesmühlen auf. Allein als Symbol hat es die Krähe geschafft, sich an vielen Plätzen und Gebäuden der Stadt niederzulassen. Die beiden Krähen aus Metall an der Grundschule Fritz Reuter sind nicht zu übersehen, die Krähe am Blumenwagen, den die Blumenhändler der Stadt dem ehemaligen Bürgermeister Jürgen Ditz zu Ehren am Badstüberbruch aufgestellt haben, ist ebenfalls typisch für die Stadt.

Die goldene Krähe auf dem Kunstwerk vor dem ehemaligen Finanzamt in der Goethestraße thront seit vielen Jahren dort. Auch wenn es das Restaurant „Kreihnsdörper Hof“ im einstigen VZ nicht mehr gibt:

der Name und die Einrichtung ist vielen Grevesmühlenern immer noch ein Begriff, ebenso wie das Bauunternehmen „Kreihnhorst“. Der „Kreihencup“, das Traditions-Fußballturnier des SV Fortuna Grevesmühlen, ist fester Bestandteil des Sports in der Stadt. Und der Segelkutter „Kreihnsdörp“ seit Jahrzehnten das Aushängeschild des Seesports der Region – wenn er auch mittlerweile zum Wasser- und Segelsportclub Boltenhagen gehört.

Die Stadtvertreter von Grevesmühlen haben nun beschlossen, die Vermarktung der Krähensage voranzutreiben. Dazu soll Bürgermeister Lars Prahler ein Konzept erarbeiten. Die spannende Frage ist allerdings, wie dieses Konzept aussehen soll. Eine Vorgabe dazu gibt es nicht.

Wie Hans-Joachim Schönfeldt im Rahmen der Stadtvertretersitzung erläuterte, könne man die Krähe auf vielfältige Art und Weise für das Marketing verwenden. Das allerdings gab es bereits, als die Stadt Grevesmühlen sich aktiv in das Projekt „Sagen- und Märchenstraße“ in Nordwestmecklenburg einbrachte. In dem Projekt wurden die Sagen und Geschichten der Region gemeinsam vermarktet. Bis auf eine Internetseite (www.sagen-und-maerchenstrasse-mv.de) gibt es dort allerdings kaum noch Aktivitäten. Mehr zu lesen über die Geschichten gibt es hingegen auf www.grevesmuehlen.info.

Die Sage

Die Krähensage von Grevesmühlen geht auf eine alte Geschichte zurück, nach der Bauern während der Ernte vor dem Stadttor von Grevesmühlen standen. Sie konnten mit dem voll beladenen Wagen nicht hindurch kommen, weil, der Balken, der das Heu auf dem Wagen hielt, quer auf der Fuhre lag und breiter war als das Tor, durch das sie fahren wollten. Laut der Sage riefen die Krähen den Bauern zu „Scharp vör“, was so viel bedeutet wie, „das scharfe Ende nach vorn“. Also legten die Bauern den Balken längs auf die Ladung und passierten das Stadttor.

Allerdings gibt es auch noch eine andere Erklärung, auf einer Stadtmünze aus dem Jahr 1550 findet sich auch eine Dohle.

„Scharp vör“ ist unter anderem der Schlachtruf des Grevesmühlener Carnevalsclub. „Kreihnsdörp helau“ rufen die Mitglieder des Kreihnsdörper Carnevalvereins – die Krähe ist fester Bestandteil der Vereine in der Stadt. So hat der SV Blau-Weiß die Krähe als Maskottchen nicht nur im Emblem, sondern als Plüschtier für seine Fans und Mitglieder im Angebot.

Grevesmühlen hat allerdings weitaus mehr Geschichte zu bieten als nur die Krähen-Sage. Von der Waddermöhm aus dem Ploggensee über den Schimmelreiter vom Tannenberg bis zu den Hexen vom Blocksberg und den Zwergen von Hamberge gibt es zahlreiche Geschichten und Erzählungen, die die Historie der Stadt erklären.

Michael Prochnow

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