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Nordwestmecklenburg Immer mehr Menschen brauchen rechtliche Betreuer
Lokales Nordwestmecklenburg Immer mehr Menschen brauchen rechtliche Betreuer
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21:32 27.06.2017
Stefan Baetke und Anne Greiser vom Betreuungsverein, der seinen Sitz im Vereinshaus in Grevesmühlen hat. Quelle: Foto: Michael Prochnow

Der Schrank ist von unten bis oben voller Akten, erstreckt sich über eine ganze Wand und reicht bis hoch unter die Decke. Er steht in den Geschäftsräumen des Grevesmühlener Betreuungsvereines „Der Weg“ im Vereinshaus am Kirchplatz – und er spricht eine deutliche Sprache. Immer mehr Menschen brauchen offensichtlich eine sogenannte „rechtliche Betreuung“ – also jemanden, der ihre rechtlichen Angelegenheiten regelt, sich um Wohnangelegenheiten, Pflegeorganisation, Vermögensverwaltung und Ähnliches kümmert. „Ja, das ist leider schon längst keine Ausnahme mehr. Es werden immer mehr Menschen im Landkreis, für die das Amtsgericht eine solche Betreuung vorsieht, und es werden vor allen Dingen auch immer mehr jüngere Menschen“, sagt Anne Greiser (40), Juristin und Geschäftsführerin des Vereins.

Anmeldung

Wer Interesse hat, ehrenamtlicher Betreuer zu werden, kann sich am 19. Juli ab 15 Uhr im Betreuungsverein „Der Weg“ melden. Die Schulung der ehrenamtlichen Betreuer beginnt am 6. September um 17 Uhr in der Volkshochschule Wismar.

Adresse: Betreuungsverein „Der Weg“, Kirchplatz 5, 23936 Grevesmühlen, Telefon: 038 81/75528 60, www.betreuungsverein-der-weg.de

Ein Betreuer für 60 Betreute

In Grevesmühlen können auf einen der insgesamt drei Betreuer schon mal 60 Fälle kommen. „Wobei das nicht alles schwere Fälle sind, wo immer etwas anfällt. Manche unserer Betreuten sind im Pflegeheim, es ist das meiste geregelt. Da geht es dann manchmal auch nur darum, ab und an vorbeizuschauen, um in Kontakt zu bleiben“, erklärt der beim Verein angestellte Stefan Baetke. Ein Missverständnis, das immer wieder auftaucht, erklärt er, ist die Annahme, der Verein wäre für das Alltägliche, das Einkaufen, Saubermachen, die Pflege zuständig. „Nein, wir organisieren, dass das alles passiert.“, sagt er. Und erklärt, dass es längst nicht mehr nur um den Fall von „Oma Martha“ geht, die niemanden vor Ort hat, der sich um sie kümmern kann und will – oder um „Opi Gerhard“, der immer alleine gelebt hat, sein Leben lang gern mal einen Köm trank und nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit der schnelllebigen Welt und ihren – nicht nur – digitalen Herausforderungen zurechtkommt. „Bei älteren, aber auch bei jüngeren Menschen geht es immer öfter um Psychosen. Bei Jüngeren immer häufiger im Zusammenhang mit anderen Drogen als dem Alkohol.“

Vorsorgevollmacht fehlt oft

Viele Menschen, so Baetke weiter, denken, es ginge bei der „rechtlichen Betreuung“ um eine schnelle, von Amts wegen angeordnete Entmündigung. „Bis das Amtsgericht die Entscheidung zur rechtlichen Betreuung fällt, ist es ein weiter Weg.“ Oft beginnt dieser Weg im Krankenhaus. Mediziner kommen zur Einschätzung, dass jemand nicht mehr für sich selbst sorgen kann, aus psychischen oder physischen Gründen. Der Patient hat keine Vorsorgevollmacht ausgefüllt – also niemanden bestimmt, der sich für den Fall, dass er selbst nicht mehr in der Lage ist, um seine rechtlichen Angelegenheiten kümmert.

Die Betreuungsbehörde im Landkreis wird informiert. Die wiederum informiert das Amtsgericht, es werden Gutachten und amtliche Diagnosen erstellt. Es wird geprüft und abgefragt – soweit das noch möglich ist – worin der Bedarf an Betreuung besteht und gewünscht ist – und erst dann, wenn der Richter ein genaues Bild von der Situation hat, wird eine „rechtliche Betreuung“ verfügt.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

„Die Vorsorgevollmacht“, sagt Stefan Baetke, „ist immer der Dreh- und Angelpunkt. Keiner unserer Betreuten hatte sich darum gekümmert, als er dazu noch in der Lage war. Die meisten Menschen wollen einfach bei guter Gesundheit nicht darüber nachdenken.“

Doch das sollten sie, deshalb bietet der Betreuungsverein in Grevesmühlen auch immer wieder Beratungsgespräche zum Thema Vorsorgevollmacht an. Außerdem sucht „Der Weg“ auch in diesem Jahr wieder dringend nach ehrenamtlichen Betreuern. „Wir suchen Menschen, die sich sozial engagieren wollen, die selbst mit beiden Beinen fest im Leben stehen, gut organisiert und in der Lage sind, Verantwortung für andere zu übernehmen“, erklärt Anne Greiser. Interessenten, die sich melden, werden nicht ins kalte Wasser geworfen, versichert sie. „Es wird von September bis Oktober eine Schulung in Wismar stattfinden, in der es um die rechtlichen und sozialen Aspekte dieses Ehrenamtes geht und auch Einführungen zu Krankheitsbildern gegeben werden, um mit Betreuten gut umgehen zu können.“ Ist ein Interessent nach dem Besuch der Schulung ebenso interessiert wie zuvor, erst dann bekommt er selbst ein, zwei Betreute, um die er sich dann kümmert. Und auch dann, betont Baetke, steht der Betreuungsverein jederzeit mit Rat zur Seite.

„Es können uns auch jederzeit Menschen aufsuchen, die per Vollmacht von ihren Eltern oder Angehörigen beauftragt wurden und im Fall eines Falles nicht wissen, was sie tun sollen“, sagt Stefan Baetke.

Der Verein hilft ihnen mit Informationen weiter, auch was Anträge bei bestimmten Ämtern angeht.

Annett Meinke

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