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Nordwestmecklenburg In Gesichtern lesen und Geschichten erzählen Birte Bernstein aus Teschow ist von Beruf Märchenerzählerin. Heute und morgen ist sie beim Dorffest in Roggenstorf zu erleben.
Lokales Nordwestmecklenburg In Gesichtern lesen und Geschichten erzählen Birte Bernstein aus Teschow ist von Beruf Märchenerzählerin. Heute und morgen ist sie beim Dorffest in Roggenstorf zu erleben.
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20:19 07.08.2015
Um ferne und exotische Welten erlebbar zu machen, braucht Märchenerzählerin Birte Bernstein aus Teschow nur ihre Stimme und ein paar Instrumente, wie hier die Sansula. Quelle: Anne Kubik

Roggenstorf/Teschow — Der Duft exotischer Gewürze wabert durch die Luft, die Sonne brennt auf den Schultern, Menschen in farbenprächtigen Gewändern ziehen vorüber — wenn Birte Bernstein anfängt Geschichten zu erzählen, haucht sie Bildern Leben ein. Ein Buch benötigt die Märchenerzählerin nicht. „Ich erzähle die Geschichten und lese in den Gesichtern der Zuhörer“, sagt die 42-Jährige.

Die Schwingungen, die sie vom Publikum empfängt, lässt sie in ihre Erzählungen einfließen. „Wenn mehr Spannung oder Witz nötig ist, gibt es das. Wenn ich merke, dass die Kinder fast weinen, weil sie so mitfiebern, gehe ich es sanfter an“, erklärt sie. So würden die Geschichten teilweise auch Schleifen nehmen, von denen die Erzählerin vorher selbst nichts wusste.

Noch vor einigen Jahren wusste die Ethnologin selbst nicht, dass Märchenerzählen ein Beruf ist. Bei einem Ausflug mit ihren Kindern, stolperte die dreifache Mutter darüber. „Ich war total begeistert und über Wochen vollkommen aufgeregt, ich hatte gleich so viele Ideen, telefonierte mit verschiedenen Märchenerzählern. Ich dachte, das wäre nur ein Strohfeuer, das sich wieder legen würde — aber ich musste es unbedingt ausprobieren. Und es brennt noch immer lichterloh“, erzählt sie. Und so kam es, dass Birte Bernstein nur ein halbes Jahr nachdem sie überhaupt von dem Beruf erfahren hatte, selbst startete. Was als Hobby begann, entwickelte sich rasant weiter, plötzlich ploppten überall Anfragen auf. Birte Bernstein begann, sich zu professionalisieren. Sie nimmt Gesangsunterricht, fährt zu Workshops und Seminaren rund um Märchen, Erzählformen und Sprache. „Aber es trifft sich einfach alles, was ich schon immer gern machte“,sagt sie. So sei sie von jeher schauspielerisch veranlagt gewesen, wisse was Bühnenpräsenz bedeute und habe schon als Kind ihre Familie stundenlang mit Geschichten unterhalten.

Die findet sie in Büchern oder im Austausch mit anderen Erzählern. Dabei sind ihr Märchen aus aller Welt willkommen, ob indianisch, afrikanisch, orientalisch oder Grimmsche Klassiker. „Als Ethnologin ist mir wichtig, dass die Kultur spürbar wird — ein Märchen aus Norwegen fühlt sich ganz anders an, als eins aus Afrika“, sagt sie. Daher lernt sie die Märchen nicht stupide auswendig. Sie malt stattdessen Bilder im Kopf, die sich quasi zu einem Film verflechten. Diese Bilder und Welten macht sie für die Zuhörer sichtbar — mit ihrer Stimme und ein paar Instrumenten. Mehr braucht sie nicht.

Mal erzählt sie dann kleine Geschichten von nur drei Minuten, mal kommt ein Programm von anderthalb Stunden heraus. Die Märchen probt sie Zuhause, in der historischen, verwunschen wirkenden Kate von 1878, und vor heimischen Publikum: ihren Kids. Die genießen das natürlich. „Es gibt schon einige gute Märchenerzähler — aber Mama ist halt die beste“, sagt Tochter Levke (12) überzeugt.

Letztlich würden Märchen aber alle Altersklassen ansprechen, sagt Birte Bernstein. „Die Geschichten haben eine heilsame Wirkung und bieten Antworten für alltägliche Probleme“, erklärt sie die allumfassende Begeisterung. Die Erzählungen für die Erwachsenen stimmt sie thematisch aufeinander ab. „Sie haben Tiefe und sehr viele versteckte Weisheiten und Botschaften“, sagt sie. Und auch bei Erwachsenen beobachte sie dann immer wieder beim Erzählen, dass sie komplett in die Geschichten eintauchen und mal alles andere um sich herum vergessen. „Das ist mein Ziel — und das kriege ich auch hin“, sagt die Erzählerin glücklich.

• Infos und Termine im Netz unter:

www.funkenflug-erzaehlkunst.de

Kunsthandwerkertreffen beim Dorffest in Roggenstorf
Heute und morgen wird in Roggenstorf Dorffest gefeiert, 13 Uhr startet der Festumzug in Tramm, der gegen 14 Uhr Roggenstorf erreicht. Hier gibt es an beiden Tagen von 10 bis 18
Uhr auch ein Kunsthandwerkertreffen mit Keramik, Holzarbeiten, Schmuck und Co., es gibt Ponyreiten, Strohhüpfburg und Jonglage für Kinder.



Weitere Highlights (Auszug):

heute, 12 und 18 Uhr: Reuters Fritzen
heute und morgen, 15 Uhr: Märchen mit Birte Bernstein
heute und morgen, 16 Uhr: Spiel und Spaß im Kinderzelt Rolandibus
heute, 21 Uhr: Balkan-Beats mit der rumänischen Band Fanfara Kalashnikov
Ich dachte, das wäre nur ein Strohfeuer, das sich legen würde — aber es brennt noch immer lichterloh.“Märchenerzählerin Birte Bernstein

Anne Kubik

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