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In Lüdersdorf wächst der Unmut

Grevesmühlen/Wismar In Lüdersdorf wächst der Unmut

SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Schulz zum neuen Nahverkehrsplan.

Grevesmühlen. Die SPD-Fraktion in Lüdersdorf begrüßt das neue Nahverkehrskonzept in Landkreis prinzipiell. Doch die Startschwierigkeiten in der Gemeinde sind massiv. Der Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Schulz äußert sich zu den Problemen.

Herr Schulz, die SPD Lüdersdorf kritisiert den neuen Nahverkehrsplan in Nordwestmecklenburg. Was stört Sie genau?

Hans-Peter Schulz: Der Nahverkehrsplan 2016 ist grundsätzlich eine Bereicherung für den ländlichen Raum. Es gibt viele Einwohner in der Fläche, die nicht motorisiert sind. Startschwierigkeiten waren zu erwarten und sind auch verständlich. In unserer Gemeinde jedoch sind die Probleme so massiv, dass man gar nicht mehr von einem Nahverkehrsangebot sprechen kann. Die Linie 390 fährt nur bis zum Bahnhof in Herrnburg. Dann müssen Fahrgäste umsteigen. Die Weiterfahrt nach Lübeck erfolgt mit der Linie 5 durch den Stadtverkehr Lübeck. Die Umsteigezeit beträgt nur drei Minuten.

Auch der Preis stößt auf Kritik?

Schulz:  Eine Fahrt von Boitin-Restorf nach Herrnburg kostet zum Beispiel vier Euro. Wenn ich dann noch weiter will nach Lübeck, zahle ich noch einmal 3,10 Euro. Macht zusammen 7,10 Euro. Das geht nicht. Ich bin selbst Busfahrer und weiß, dass es eine Schmerzgrenze für Fahrgäste gibt. Deshalb wäre es fair, wenn zwischen den Lübecker und den Grevesmühlener Busbetrieben eine vernünftige Lösung beim Preis gefunden würde.

Um Geld zu sparen, fordert die SPD Lüdersdorf ein Kombiticket?

Schulz:  Genau. Mit zwei verschiedenen Verkehrsunternehmen und über die Grenzen von Bundesländern hinaus, ist es sicherlich nicht leicht zu realisieren. Aber beim jetzigen Tarifangebot kann es nicht bleiben. Es muss ein Kombiticket her, dass deutlich günstiger ist. Ein angemessener Preis liegt meiner Meinung nach bei rund 4,20 Euro für die Strecke von Boitin-Restorf nach Lübeck.

Das heißt, bei den jetzigen Preisen glauben Sie nicht daran, dass Einwohner aus der Gemeinde Lüdersdorf die neuen Angebote annehmen?

Schulz: Nein, das glaube ich nicht. Und dafür kritisiere ich auch unseren Bürgermeister Dr. Erhard Huzel. Er sitzt im Kreistag. Doch offenbar hat er die Schwierigkeiten nicht gesehen und auch nicht angesprochen, als darüber abgestimmt wurde. Dabei ist es besonders wichtig als Bürgermeister, die Probleme vor Ort nicht aus den Augen zu verlieren.

Sie haben bereits das Gespräch mit dem Geschäftsführer der Grevesmühlener Busbetriebe gesucht. Mit welchem Erfolg?

Schulz: Ich habe unseren Unmut angesprochen. Die Gemeinde hat die Pflicht, eine vernünftige Infrastruktur vorzuhalten. Vor Jahren haben viele Leute in der Gemeinde gebaut. Damals wurde groß geworben mit den Worten: mit Busanbindung nach Lübeck. Das hat vielleicht bei dem einen oder anderen dazu geführt, dass er hier gebaut hat.

„Wir brauchen dringend Sachlichkeit in dieser Debatte“

 Das neue Nahverkehrskonzept bewegt derzeit die Gemüter im Landkreis. Die Kreistagsfraktion Grüne/Liberale/Familie hat, nach sieben Wochen Laufzeit, einen Antrag zur Bewertung des neuen Konzeptes gestellt.

Wolfgang Glaner, Kreistagsfraktionschef der SPD, vermisst im und außerhalb des Kreistages im Moment vor allen Dingen eines: „Sachlichkeit — wir brauchen dringend Sachlichkeit in dieser Debatte.

Politische Polemik ist an diesem Punkt nicht dienlich. Es kann nicht um übereilte Hauruckaktionen gehen, die letztlich nichts verbessern. Was wir brauchen und was auch bereits realisiert wird, ist konstruktive Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Es geht doch darum, dass Vorhandene, das mit viel Arbeitselan und Expertenwissen erstellt wurde, so zu modifizieren, dass es am Ende dann wirklich passt“, mahnt er.

Der Kreistag hat bereits eine Arbeitsgemeinschaft ÖPNV eingerichtet, dessen Vorsitz die Landrätin Kerstin Weiss (SPD) inne hat. Die Kommunikation mit Nahbus ist, so Glaner, nahtlos gegeben. „Auch Nahbus“, so Glaner, „reagiert und agiert in enger Zusammenarbeit mit seinen Subunternehmen.“ Zum Beispiel wurden die Busfahrer mit Mobiltelefonen ausgestattet, um jederzeit Rückmeldungen über zum Beispiel das Auftreten von Staus oder Beschwerden von Fahrgästen geben zu können.

Wichtig ist das zum Beispiel für Tickets, die vergünstigt sind und stundenweise gelten. „In Wismar“ erklärt Landtagsmitglied Tilo Gundlack, „ist das Problem aufgetreten, dass aufgrund von Staus die Fahrzeit von einer Stunde überschritten wurde und die Fahrgäste dann nachzahlen mussten.“ Was diesen Sachverhalt und andere Probleme angeht, müssen Lösungen gefunden werden, so Gundlack und bemerkt:

„Doch man darf nicht vergessen, ein so komplexes Konzept wird sich immer in der Praxis bewähren müssen und wird dann durch die Praxis modifiziert. In einem Jahr wird es deutlich ruhiger zugehen, was dieses Thema angeht.“

Dass die politischen Verantwortlichen, ebenso wie das Unternehmen Nahbus bereit sind, sich mit den Bürgern auseinanderzusetzen, betont Wolfgang Glaner, ist keine Frage. „Aus diesem Grund lädt die SPD-Kreistagsfraktion demnächst auch zu zwei Bürgerforen in Grevesmühlen und Wismar ein.“(Siehe Infokasten.) Was Fraktionschef Glaner in der Debatte neben der Sachlichkeit noch fehlt, ist die Sicht auf das Positive. „Wenn Dinge, die man jahrelang gewohnt war, sich ändern, ist das immer schwer. Gemeckert wird schnell.“ Dass aber mit dem Nahverkehrskonzept nicht alles völlig falsch laufen kann, würden bereits auch einige Zahlen beweisen, so Glaner. „Im alten System hatten wir 90 Abonnenten von Dauerkarten. Im neuen System sind es bereits 300. Das ist eine Steigerung um mehr als 200 Prozent!“

Bürgerforen

Die SPD-Fraktion des Kreistages lädt Bürger und Bürgerinnen zu zwei Foren ein, bei denen der Nahverkehrsplan und das Tarifsystem besprochen werden: Dienstag, 23.Februar, um 18 Uhr in Grevesmühlen, Malzfabrik, Kreistagssaal und am Mittwoch, 2. März, um 18 Uhr in Wismar, Rathaus, Bürgerschaftssaal.

Um sich auf Anfragen vorbereiten zu können, bittet die SPD Fraktion im Vorfeld der Bürgerforen um Anregungen und Hinweise unter der Mailadresse der Fraktion. Die E-Mail-Anschrift ist: spd-fraktion-nwm@t-online.de

Interview Steffen Oldörp Annett Meinke

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