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Nordwestmecklenburg „In der Ruhe liegt die Kraft“
Lokales Nordwestmecklenburg „In der Ruhe liegt die Kraft“
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20:47 10.10.2017
Grevesmühlens Hauptamtsleiterin Pirko Scheiderer (4.v.l.) trainiert mindestens zweimal pro Woche traditionelles Shotokan Karate. Quelle: Foto: Annett Meinke

Pirko Scheiderer (51), die Leiterin des Haupt- und Ordnungsamtes der Stadt Grevesmühlen, kennen die meisten als ruhig agierende Amtschefin, die auch in schwierigen Situationen sachlich bleibt. Die allerdings, wie sie selbst sagt, im Job durchaus auch mal sehr deutliche Ansagen machen kann – wenn es nötig ist.

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Grevesmühlens Hauptamtsleiterin Pirko Scheiderer trainiert seit 13 Jahren Karate.

Dojo „Masamune“

Karate-Do oder einfach nur Karate ist eine Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Es wird der gesamte Körper in Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Motorik geschult.

Mehr Informationen zum Training in Grevesmühlen, Trainingszeiten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene bei Marcel Sack (Trainer) ☎ 01 72 / 16 62 06 2 und unter www.karate-masamune.de

Was die wenigsten wissen, ist, dass Pirko Scheiderer seit 13 Jahren traditionelles Shotokan Karate im Grevesmühlener Dojo „Masamune“ trainiert. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit ihr über die Faszination für den Kampfsport – und was sie für ihr Leben aus diesem Sport zieht.

Wie sind Sie zum Karate gekommen?

Pirko Scheiderer: Über meine Kinder (2 Söhne, heute 22 und 19 Jahre, eine Tochter 21 Jahre, Anmerkung der Red.). Ich habe ihnen ungefähr ein Jahr beim Training zugeschaut und dann gedacht, vielleicht sollte ich auch damit anfangen. Ich habe häufig meine Kinder korrigiert und gesagt, sie sollen sich mehr anstrengen. Mein ältester Sohn meinte dann mal zu mir, ich soll das erst mal selbst machen, dann würde ich schon verstehen, dass das gar nicht so einfach ist.

Tatsächlich sagt Ihr Trainer Marcel Sack alle Kommandos auf Japanisch an. Verstehen Sie die alle?

Das kommt mit der Zeit. Zu Anfang denkt man, wie bitte, und schaut sich oft um, was der Nachbar oder die Nachbarin im Training macht. Mittlerweile verstehe ich die meisten Kommandos, muss nur noch ab und an nach links oder rechts schauen.

Sie trainieren jetzt bereits 13 Jahre im Dojo „Masamune“ in Grevesmühlen. Was bringt Ihnen dieser Sport?

Mir bringt das Training jede Menge. Es geht dabei nicht nur um das Körperliche, um Fitness oder die Fähigkeit zur körperlichen Selbstverteidigung zum Beispiel. Es geht auch um das seelische und geistige Gleichgewicht. Das Training hilft, sich zu fokussieren, sich ganz auf die Bewegungen zu konzentrieren, ruhig zu werden, aber eben durch kraftvolle Bewegungen auch loszulassen und etwas zu kanalisieren.

Hilft Ihnen das auch in Ihrer beruflichen Tätigkeit als Amtsleiterin? Sie haben mit vielen Menschen zu tun.

Ja, ich denke, das hilft mir schon im beruflichen Alltag. Ab und an muss man tatsächlich auch mal deutlicher werden. Und das dann so gelassen wie bestimmt tun zu können, daran hat das Training wohl in jedem Fall einen Anteil. Ich gehöre zwar nicht zu den Menschen, die diesen Sport erlernen, weil sie ihre Ängste in den Griff bekommen möchten. In meinem Fall ging es eher um die Fokussierung, die innere Ruhe und die Fähigkeit, das Gleichgewicht nach schwierigen Situationen schneller wieder zu erreichen. Denn natürlich, es gibt in so einem großen Amt, wie dem, das ich leite, immer wieder mal Situationen, wo ich auch aus der Haut fahren könnte. Ich bevorzuge die Freundlichkeit – bis zu einem bestimmten Punkt. Leider gibt es manchmal Menschen, die das mit Unbedarftheit verwechseln.

Mal abgesehen davon, dass es Ihre Kinder waren, die zuerst Karate gemacht haben. Warum Karate?

Tatsächlich habe ich meinen Kindern Karate als Sportart vorgeschlagen. Ich habe als junges Mädchen mal Judo gemacht, aber nicht sehr lange. Mir gefiel das Rumgezerre an den Klamotten beim Judo einfach nicht. Am Karate im Dojo„Masamune“ gefällt mir, dass es kein Vollkontakt-Karate ist. Das heißt, die Techniken, die wir üben, ob nun im Angriff oder in der Verteidigung, werden immer nur bis kurz vor den Körper des Trainingspartners ausgeführt. Maximal bis ganz leicht heran.

Das heißt, Sie bevorzugen eine gewisse körperliche Distanz zu anderen Menschen?

Ja, das könnte man so sagen. Ich mag eine gewisse Distanz, das Einhalten eines gewissen Abstandes. Andererseits aber ist die Trainingsgruppe eben auch eine Gruppe. Es gibt ein soziales Miteinander.

Es gibt klare Regeln und eine Hierarchie. Der Sensei (Lehrer, Meister) ist der Chef. Im Karate, wie auch in anderen asiatischen Kampfsportarten, wird Wert auf einen respektvollen Umgang auch mit dem Gegner gelegt. Auch das gefällt mir.

Das klingt tatsächlich ein bisschen nach Lebensschule?

Ja, Karate ist auf jeden Fall auch eine Art von Lebensschule. Es ist ja auch keine Kampfsportart, die man im Handumdrehen erlernt. Da braucht es schon Jahre, um da wirklich in einen Fluss zu kommen – und man hört nie auf zu lernen.

Welchen Grad haben Sie erreicht?

Ich trainiere auf dem 1. Grad, dem letzten Schülergrad, und trage den braunen Gürtel. Neun Schülergrade gibt es. Man fängt mit dem 9., mit dem weißen Gürtel, an. Die Schüler-Unterstufe endet mit dem 7. Grad, dem orangen Gürtel. Danach kommt die Schüler-Mittelstufe, 6. bis 4. Grad, bis zur Oberstufe, vom 3. bis zum 1. Schülergrad. Danach beginnen die Meistergrade mit dem schwarzen Gürtel. Da geht es umgekehrt, vom 1. Meistergrad bis zum 9..

Als Amtsleiterin haben Sie viel zu tun. Wie oft trainieren Sie pro Woche?

Ich trainiere mindestens zweimal die Woche, besser ist dreimal die Woche. Aber das ist selten zu schaffen. Es kommt natürlich auch immer wieder vor, dass ich aufgrund vieler Abendtermine nur einmal die Woche trainieren kann. Aber wenn es nur geht, versuche ich es zweimal pro Woche hinzubekommen.

Trainieren Ihre Kinder auch immer noch Karate?

Ja, zwei meiner Kinder, mein ältester Sohn und meine Tochter sind noch dabei. Mein jüngster hat inzwischen leider aufgehört, aber er ist auch zum Studium weggegangen. Vielleicht fängt er ja irgendwann wieder mit dem Training an.

Wollen Sie eigentlich noch alle Meistergrade erklimmen?

Wohl eher nicht. Aber, wer weiß?

Annett Meinke

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