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Nordwestmecklenburg Fachleute erklären Kapazität der Gewässer
Lokales Nordwestmecklenburg Fachleute erklären Kapazität der Gewässer
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15:15 26.11.2018
Der Klützer Bach ist eines der Gewässer, die Regenwasser in Boltenhagen aufnehmen. Quelle: MALTE BEHNK
Boltenhagen

Das Ableiten von Regenwasser ist in verschiedenen Bereichen des Ostseebads Boltenhagen ein Problem. Im Zusammenhang mit einem Bebauungsplan an der Sport- und Freizeitanlage am Ortseingang beim Ortsteil Wichmannsdorf gibt es seit Jahren Diskussionen, ob das Oberflächenwasser nach einem Bau südöstlich oder nordwestlich der Landesstraße abgeleitet werden soll. Die Gemeindevertretung hatte sich lange dafür ausgesprochen, das Regenwasser nach Südosten abzuleiten. Grund waren immer wiederkehrende Beschwerden der Bewohner im Ortsteil Wichmannsdorf, der nordwestlich der Landesstraße am Klützer Bach liegt. Bei Starkregen war es immer wieder zu Überschwemmungen im Wohngebiet gekommen.

Fachleute des Instituts biota für ökologische Forschung aus Bützow hatten jetzt im Ostseebad darüber informiert, was mit dem Klützer Bach und dem Tarnewitzer Bach bei starkem Niederschlag oder bei Hochwasser der Ostsee passiert. Die Gemeinde hatte Fördermittel zur Finanzierung dieses Gutachtens bekommen. „Es ging unter anderem um die Frage,ob der Klützer Bach noch weiteres Oberflächenwasser aufnehmen kann“, erklärte Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU).

Tarnewitzer Bach braucht Abflüsse

In der Untersuchung des Instituts habe sich ergeben, dass die Ortslage Tarnewitz bei extremen Wetterlagen durchaus gefährdet wäre. Diese außerordentlichen Phänomene könnten 24 Stunden andauern. Daher haben die Fachleute der Gemeinde empfohlen, kontrollierte Abflüsse des Tarnewitzer Baches in die angrenzenden Wiesen zu schaffen. „Ein guter Vorschlag war auch, so etwas wie Polderflächen zur Verfügung zu stellen. Beim Klützer Bach gibt es solche Überschwemmungsflächen in den angrenzenden Wiesen schon“, so Schmiedeberg. Über zusätzliche Polderflächen, eventuell auch am Tarnewitzer Bach, müsse auch mit der Stadt Klütz gesprochen werden, durch deren Gebiet beide Gewässer fließen. „Wir wollen mit dem Wasser- und Bodenverband auch darüber reden, wo Biotope geschaffen werden können“, sagt Schmiedeberg. darüber müsse auch mit den Nachbarn in Klütz gesprochen werden.

Der Tarnewitzer Bach könnte bei Starkregen über die Ufer treten. Fachleute empfehlen, kontrollierte Abflüsse zu schaffen. Quelle: GVM

Der Klützer Bach könne durchaus das Regenwasser aus Wichmannsdorf und weiteren Niederschlag des Bebauungsplans an der Sport- und Freizeitanlage aufnehmen, haben die Fachleute von biota erklärt. Allerdings müsste die Art der Regenwasserableitung verändert werden. „Wir können nördlich und südlich von Wichmannsdorf Gräben ziehen und auch alte Drainagen mit aufnehmen. Dann kann auch das Wasser aus dem Bebauungsplan durch die Gräben zum Klützer Bach fließen. Zusätzlich soll die Niederschlagsentwässerung in der Ortslage ausgebaut werden, aber nicht so aufwendig, wie es mal vorgestellt wurde“, berichtete Schmiedeberg.

Auslauf des Klützer Baches versandet schnell

Ein Rückstau durch Hochwasser der Ostsee sei nach Ansicht der Fachleute im Klützer Bach nicht zu erwarten. „Allerdings ist es ärgerlich, dass der Auslauf des Baches relativ schnell versandet. Daher haben wir prüfen lassen, ob der Auslauf mit einem Rohr ins Meer gelegt werden kann“, so der Bürgermeister. Im Zusammenhang mit notwendig werdenden Arbeiten an der Brücke über dem Auslauf, die auch mit einem Sperrwerk verbunden ist, könnte die Maßnahme umgesetzt werden.

Polderflächen und Starkregen

Ein Hochwasserpolder ist ein Gebiet, das bei Flusshochwassern gezielt geflutet werden kann, um die Wasserführung flussabwärts gelegener Flussabschnitte vorübergehend zu vermindern und dadurch die Spitze einer Flutwelle zu verkleinern. Derartige Polder unterliegen Nutzungsbeschränkungen, beispielsweise einem Bebauungsverbot.

Von Starkregen wird gesprochen, wenn große Niederschlagsmengen innerhalb einer bestimmten, meist nur recht kurzen Zeitspanne fallen. Aber auch Dauerregen kann sehr intensiv ausfallen und damit in die Kategorie des Starkregens fallen. Nach den offiziellen Richtlinien des Deutschen Wetterdienstes bedeutet Starkregen der Stufe 1, dass mehr als zehn Liter pro Quadratmeter in einer Stunde oder mehr als 20 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden fallen.

„Mit Blick auf den Ortsteil Wichmannsdorf ist der Vorschlag des Instituts für mich die bisher beste Lösung“, sagte Christian Schmiedeberg. „Aus meiner Sicht ist es jetzt ein Vorteil, dass dabei alles auf wissenschaftlichen Untersuchungen basiert. Ich denke, das hat Hand und Fuß.“ Die Ergebnisse könnten jetzt in die weitere Planung für den Bebauungsplan an der Sport- und Freizeitanlage genutzt werden. Für das Gebiet, in dem auch ein Welcome Center für Urlauber entstehen soll, war unter anderem eine Entwässerung über große Rohrleitungen vorgestellt worden. Sie würde deutlich mehr Geld kosten, als die jetzt ins Spiel gebrachte Entwässerung über zwei Gräben an den Rändern von Wichmannsdorf.

Malte Behnk

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