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Wismar Integration durch Zusammenarbeit

Sechs Asylbewerber arbeiten auf dem Wismarer Friedhof. Damit öffnet ihnen die Stadt den Weg in die Gesellschaft.

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Vorarbeiter Kai Cravaack arbeitet gern mit Abed Alrahman Alhallak zusammen. Im Notfall kommunizieren sie mit den Händen.

Quelle: Vanessa Kopp

Wismar. Abed Alrahman Alhallak pflegt die Blumenbeete auf dem Wismarer Friedhof, säubert die Wege und hilft den städtischen Mitarbeitern, wo er nur kann. Doch was heißt harken, kehren und gießen noch mal auf Englisch? Deutsch spricht der Syrer nämlich noch nicht. „Mein Englisch ist auch etwas eingerostet“, winkt Vorarbeiter Kai Cravaack mit einem Lachen ab. „Mit Händen und Füßen verstehen wir uns immer.“ Manchmal macht er Alhallak einfach vor, was er zu tun hat. Klappt das auch nicht, hilft ein Übersetzungsprogramm auf dem Telefon.

Abed Alrahman Alhallak ist einer von sechs Asylbewerbern, der als sogenannter Ein-Euro-Jobber für die Stadt Wismar arbeitet. Während in seinem Heimatland seit mehr als vier Jahren Bürgerkrieg herrscht, pflegt er nun einen Friedhof. Der 21-Jährige ist vor drei Monaten aus Syrien geflohen. Seit gut zwei Monaten lebt er in Wismar. „In Damaskus habe ich Chemie studiert“, erzählt er. Mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester ist er über den Landweg nach Deutschland gekommen — über die Türkei, Ungarn und Österreich. „Durch Mazedonien sind wir zu Fuß gelaufen“, erzählt der junge Mann mit ruhiger Stimme und ernstem Gesichtsausdruck. 200 Kilometer.

„Erfahrung mit Gartenarbeit habe ich nicht“, gibt er mit einem kleinen Lächeln zu. „Ich habe höchstens meiner Mutter ab und zu in ihrem Garten geholfen.“ Wieder einen eigenen Garten besitzen?

Momentan komplett fernab der Realität. Die drei sind gemeinsam in einem Zimmer in der Haffburg untergebracht. Alhallak wirkt nicht sehr glücklich damit, redet aber nicht schlecht über sein vorübergehendes Zuhause. Auch wenn ihm auf dem Weg zur Arbeit fast jeden Tag ein Herr aus der Nachbarschaft Sätze nachbrüllt, die er nicht versteht. Wahrscheinlich besser so.

Von Montag bis Freitag, 7 bis 12 Uhr, arbeitet der Student nun auf dem Friedhof — gemeinsam mit Flüchtlingen aus Ghana, Serbien, Eritrea und Albanien. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Kai Cravaack. „Sie sind motiviert und fleißig. Arbeitswilliger als viele Deutsche, die uns bisher zugeteilt wurden.“ Der Vorarbeiter findet die Zusammenarbeit mit den neuen Hilfskräften, die seit vorletzter Woche sein Team unterstützen, spannend. „Als wir davon hörten, waren wir wegen der Verständigung erst skeptisch. Aber es gibt überhaupt keine Probleme.“ Einige Wörter Deutsch hat Alhallak bei der Arbeit bereits aufgeschnappt. „Ich will die Sprache auf jeden Fall lernen“, erzählt er. „Aber einen Kurs darf ich zurzeit noch nicht machen.“

Für Petra Steffan, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wismar, ist das der richtige Weg. „Wir müssen die Integration unterstützen“, betont sie. Ideen dafür hat sie genügend. Doch die Umsetzung ist nicht immer einfach. Die Bezahlung von Alhallak und seinen fünf Kollegen übernimmt beispielsweise die Stadt Wismar — obwohl das nicht ihre Aufgabe ist. „Wir haben dafür gearbeitet, diese Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylbewerber zu schaffen“, sagt Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Es sei ein Herzensanliegen, dass die Menschen Anschluss an die Gesellschaft finden. „Daher finanzieren wir die Beschäftigung aus städtische Mitteln, obwohl uns das aufgrund unserer finanziellen Situation alles andere als leicht fällt“, so Beyer. „Wir erwarten aber, dass das Land und der Kreis sich in Zukunft in der Pflicht sehen, solche Maßnahmen zu finanzieren. Schließlich sind sie für die Asylbewerber zuständig.“ Und dabei gehe es auch darum, den Flüchtlingen Zugang zur Gesellschaft zu verschaffen und ihnen das Gefühl zu geben, dafür einen Beitrag leisten zu dürfen. „Jeder Euro, der hier ausgegeben wird, ist gut angelegtes Geld“, bekräftigt der Bürgermeister und bestätigt damit, den Slogan der Stadt: „Neugierig. Tolerant. Weltoffen.“

Vanessa Kopp

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