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Interkulturelle Woche ohne Zielpublikum

Grevesmühlen Interkulturelle Woche ohne Zielpublikum

Bisher kamen keine Flüchtlinge zu den Veranstaltungen.

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Mit Unihoc aktiv bei der Interkulturellen Woche dabei: (von oben im Uhrzeigersinn) Tim Neumann, Sven Prochnow, Leon Eggers, Tommy Robst, Konstantin Siegmeier, Till Koch, Tom Nino Thiele und Florian Paudlitz von der Regionalen Schule „Am Wasserturm“ in Grevesmühlen.

Quelle: Fotos: Jana Franke

Grevesmühlen. Es scheint, als hätten sie nur auf die Interkulturelle Woche in Grevesmühlen gewartet, bevor Gerhard Springer vom Verein „bleib.mensch“ und Ehrenamtler Johannes Schürmeyer wieder zum Instrument greifen. Mehr als 30 Jahre ist es bei beiden her, dass sie eine Gitarre in der Hand hatten. Gestern Vormittag nun stellten sie unter Beweis, dass sie durchaus eine musikalische Ader haben. Mit Maik Reschke, Holger Teubler und Gerrit Hasirci vom Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg unternahmen sie im Bürgerbahnhof eine „Rhythmus-Reise“ – der erste Teil eines Workshops, in dem ein Reggae- und ein Irish Folk-Song einstudiert werden, die auf der Abschlussveranstaltung der Interkulturellen Woche am Sonnabend vorgeführt werden: Gesang zu Keyboard, Akkordeon, E-Gitarren und Congas.

Grevesmühlen zeigt sich offen gegenüber Menschen anderer Herkunft und Kulturen – nicht zuletzt auch mit dem Reigen bunter Veranstaltungen in dieser Woche. Eröffnet wurde sie am Montagabend im Bürgerbahnhof durch Norbert Koschmieder vom Grevesmühlener Verein „bleib.mensch“, der sich im Landkreis um die Integration von Flüchtlingen bemüht. Den Startschuss der Interkulturellen Woche bezeichnet Dorina Reschke von der Stadtverwaltung, bei der alle organisatorischen Fäden zusammenlaufen, als äußerst erfolgreich. Etwa 40 Interessierte im Alter von neun bis 80 Jahren waren gekommen.

Darunter keine Flüchtlinge, was sie nachvollziehen kann. Gezeigt wurde unter anderem ein ergreifender Dokumentationsfilm über Abschiebungen in Deutschland. „Das reißt Wunden auf“, sagte sie verständnisvoll. Enttäuschender war für sie dagegen der gestrige Tag. Die, für die die Interkulturelle Woche vorrangig gedacht war, blieben nämlich aus: Flüchtlinge. Beim Sportnachmittag in der Sport- und Mehrzweckhalle schaute nicht einer vorbei, ebenso nicht beim Workshop am Vormittag im Bürgerbahnhof. „Wir wollen Brücken bauen und mit der Interkulturellen Woche eine Plattform bieten. Es ist schade, wenn solche Angebote nicht angenommen werden.“ Den Flüchtlingen selbst gebe sie keine Schuld. „Die wissen vielleicht gar nichts von den Veranstaltungen. Sie sind auf Hilfe angewiesen und müssen mitgenommen werden“, erklärte sie und sprach damit Vereine, Paten und Betreuer, die sich um Flüchtlinge kümmern, an. Flugblätter zu verteilen würde eben nicht reichen.

Auch Dirk Möller vom Sportverein Blau-Weiß als Veranstalter des gestrigen Sportnachmittags zeigte sich enttäuscht. Viele Sportarten zum Mitmachen standen auf dem Programm: Boccia, Unihoc, Tischtennis, Linedance, Turnen, Handball, Step-Aerobic, LaGym und Badminton. „Alles inklusive und offen. Ein offenes Training, das wir letztlich für uns selbst gemacht haben“, resümierte er. „Wir haben unseren Part getan“, ergänzte er und ließ den Satz so stehen, ohne ihn weiter zu kommentieren.

Mit ins Boot holen konnte er aber die Regionale Schule „Am Wasserturm“. Die Arbeitsgemeinschaft um die Lehrer Konstantin Siegmeier und Sven Prochnow fand in der Sport- und Mehrzweckhalle zusammen, um im Unihoc gegen die Spieler des Grevesmühlener Sport- und Rehabilitationsportvereines anzutreten – ein inklusiver Wettbewerb von Menschen mit und ohne Behinderung, bei dem letztlich die Regionale Schule den Sieg mit nach Hause nehmen konnten. Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich zweimal in der Woche. Noch wird auf dem Schulgelände trainiert, solange das Wetter mitspielt, erklärte Konstantin Siegmeier. Und heute, betont er, ginge es um das Zwischenmenschliche. Mit oder ohne Behinderung – es ging um die Sache: den Sport und das Miteinander.

Einige Punkte stehen für diese Woche noch auf dem Programm der Interkulturellen Woche (siehe Kasten). Bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen der Stadt nicht ins Leere laufen. „Mit der Citynacht haben wir gezeigt, dass Integration geht“, sagt Dorina Reschke.

So geht es die Woche weiter

Heute, 13 bis 16 Uhr: Spiel- und Bastelnachmittag für Familien mit dem Jugendzentrum Grevesmühlen und der Familienbildungsstätte im Bürgerbahnhof

14 bis 18 Uhr: Kreativworkshop mit der Künstlerin Renate Schürmeyer und dem Behindertenverband im „Das Eck“ am Busbahnhof

Morgen, 10 bis 14 Uhr: Musikalischer Workshop II mit dem Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg im Bürgerbahnhof

15 bis 18 Uhr: gemeinsames Kochen mit dem Verein „bleib.mensch“, der Stadt Grevesmühlen und der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde im Bürgerbahnhof

19 Uhr: Filmvorführung „The Cow Farm“ von Ali Sheikh Khudr im Foyer des Gymnasiums „Am Tannenberg“

ganztägig: kulinarisch-kosmopolitische Ausstellung des Vereins Fabro aus Rostock in der Nikolaikirche Grevesmühlen

Freitag, 15 bis 18 Uhr: „Tausend Meilen über das Meer“ – Autorenlesung zum Tag des Flüchtlings mit Annabell Wahaba mit anschließender Gesprächsrunde im Bürgerbahnhof

Sonnabend, 13 bis 17 Uhr: Eritreische Kaffeezeremonie und Shisha-Bar im „Kaffeebrenner“ im Bürgerbahnhof

15 Uhr: Projektabschluss mit allen Akteuren und Gästen im „Das Eck“ am Busbahnhof mit Kaffee und Kuchen, Barbecue, Spielangeboten für Kinder sowie Live-Musik mit der inklusiven Band „ABM“ des Diakoniewerkes im nördlichen Mecklenburg und dem Musikprojekt „Rhythmische Reise“

Jana Franke

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