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Nordwestmecklenburg Jäger kämpfen um ihren Ruf
Lokales Nordwestmecklenburg Jäger kämpfen um ihren Ruf
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00:10 22.02.2015
Der alte und neue Vorstand des Kreisjagdverbandes Nordwestmecklenburg (v. l.): Schriftführer Ulf-Peter Schwarz, der Vorsitzende Renee Polack, dessen Stellvertreter Ralf Siewert, Günter Lucke und Sven Dutschkeaus sowie Schatzmeister Thomas Czerwinski. Quelle: Fotos: Robert Niemeyer
Grevesmühlen

An der Spitze des Kreisjagdverbandes (KJV) Nordwestmecklenburg bleibt alles beim Alten. Am Sonnabend ist der Vorstand bei der Delegiertenversammlung in der Grevesmühlener Malzfabrik wiedergewählt worden. Vorsitzender des KJV bleibt Renee Polack aus Proseken. Seine Stellvertreter sind weiterhin Ralf Siewert aus Drieberg Hof, Günter Lucke aus Wismar sowie   Sven Dutschke aus Holm   bei Dassow. Komplettiert wird die Führungsriege durch Schatzmeister Thomas Czerwinski   aus Wismar sowie Ulf-Peter Schwarz   aus Plüschow. Gut 150 Jägerinnen und Jäger waren am Sonnabendmorgen zu der Versammlung angereist.

„Ich denke, wir haben viel erreicht, die öffentliche Meinung ist der Jagd gegenüber aufgeschlossen eingestellt“, sagte der Vorsitzende Renee Pollack während des Vorstandsberichts. Doch gerade die Öffentlichkeitsarbeit soll beim Kreisjagdverband künftig einen noch größeren Stellenwert bekommen. Das zeige nicht nur der Haushaltsplan, in dem sich das Budget dafür von rund 600 Euro auf 1000

Euro deutlich erhöht hat. Auch die oftmals negative Wahrnehmung in der nicht jagenden Bevölkerung zeige, wie wichtig es sei, die Standpunkte der Jäger nach außen zu tragen. „Einzelfälle werden oftmals den Jägern insgesamt angelastet“, sagte Renee Pollack. Ein Beispiel für positive Selbstdarstellung sei das Infomobil „Natur auf Tour“, mit dem die Jäger über sich und ihre Tätigkeit informieren.

Denn dazu gehöre nicht nur die Jagd. Einmal mehr unterstrichen die Weidmänner- und -frauen, dass ihre Arbeit vor allem dem Naturschutz diene. Laut KJV-Vorstand sind 2014 in den Hegeringen des Kreises insgesamt 4427 Arbeitsstunden für Natur- und Umweltschutz geleistet worden. Unter anderem sind 1424 Gehölze gepflanzt oder gepflegt sowie rund 60 Hektar Wildacker bewirtschaftet worden. Die Jagd selbst dient zudem nicht nur der abwechslungsreichen Speiseplangestaltung, sondern beugt auch Seuchen unter den Tieren vor und erhält die Artenvielfalt. „Die Kreisjägerschaft ist ein wichtiger Teil im Sozialgefüge“, sagte Landrätin Kerstin Weiss (SPD) dazu.

Dennoch sind die Jäger immer wieder gefordert, wie Zahlen einer Untersuchung des Kreises belegen. Von Mitte 2009 bis Ende 2014 sind laut Kerstin Weiss insgesamt 359 Waffenbesitzer von der Kreisverwaltung kontrolliert worden. Insgesamt 58 davon (rund 16 Prozent) heben dabei gegen die Vorgaben zur ordnungsgemäßen Aufbewahrung der Waffen verstoßen.

Kritik gab es allerdings auch an der Kreisverwaltung selbst. Bernd Heinemann aus Grevesmühlen, langjähriges Mitglied der Prüfungskommission zur Vergabe von Jagdscheinen, nahm die Besetzungspraxis dieser Kommission ins Visier. Vorschläge dafür vonseiten des KJV seien ignoriert worden. „Ich möchte ehrenamtlich arbeiten, darf es aber nicht“, sagte Bernd Heinmann, der vor allem Gerhard Rappen, den ersten Stellvertreter der Landrätin, attackierte. Heinmann sprach von „Arroganz der Macht“. Gesprächsangebote würden abgelehnt, Schreiben einfach ignoriert mit der Begründung, die Kreisverwaltung habe ausreichend Kandidaten für die Komission. Bernd Heinemann: „Herr Rappen geht den Weg des geringsten Widerstands.“

Themen für das neue Jahr gibt es darüber hinaus genug, ob es der Umgang mit den wachsenden Populationen von Wolf und Nandu ist oder die Suche nach einer Lösung in Sachen Verwendung von bleifreier Munition. Um künftig mit noch stärkerer Stimme bein den politischen Gremien sprechen zu können, will der KJV noch enger mit den Landwirten zusammenarbeiten. „Jäger sind unsere engsten Verbündeten, damit die Ernte ohne Schaden über den Winter kommt“, sagte auch Jörg Haase, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Jagdbilanz und Ehrungen

5201 Rehe haben die Jäger im Nordwestkreis im Jagdjahr 2013/14 zur Strecke gebracht, fast 1000 weniger als im Vorjahr. Beim Schwarzwild wurden 4547 Tiere erlegt, etwa 2000 weniger als im Jagdjahr 2012/13. Beim Raub- und Niederwild liegt die Abschussquote im Durchschnitt. Erlegte Marderhunde gab es 1114, Füchse 1859.
1100 Mitglieder zählt der Kreisjagdverband mit seinen 21 Hegeringen ungefähr.
Ehrungen: Bei der Delegiertenversammlung des Kreisjagdverbandes wurden die Bläsergruppe „Jägerhof Ostsee“ mit der Jagdhornbläsernadel in Bronze ausgezeichnet. Sven Dutschke erhielt sie in Silber, Frank Sperlich aus Schönberg und Hans-Jürgen Schween in Gold. Hermann Wittich, Naturschutzbeauftragter des KJV, wurde mit der Verdienstnadel in Silbe des Landesjagdverbands ausgezeichnet, ebenso Matthias Regenstein aus Neukloster. Die Verdienstnadel in Bronze erhielt Stfan Kretzschmar aus Neukloster.


Der Kreisjagdverband belebt zudem wieder das Brauchtum. Neue Obfrau hierfür ist Kathrin Wichert.

Robert Niemeyer

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