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Jahresbilanz 2015: 1401 Flüchtlinge im Landkreis

Wismar Jahresbilanz 2015: 1401 Flüchtlinge im Landkreis

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) geht im neuen Jahr von einer ähnlichen Anzahl aus / Strukturen haben sich verbessert / Sozialarbeiter werden dringend gesucht.

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Oben links: Notunterkunft in der Sporthalle der Hochschule in Wismar. Jean-Claude Dardenne, Rettungsassistent bei den Maltesern, mit Roma (1) und Ahmed (3) aus Syrien. Oben rechts: Flüchtlinge aus Syrien in der Sporthalle Damshagen. Unten links: Zahlreiche Demos — von Asylfürsprechern (Foto) und Gegnern — gab es im Landkreis, so auch im Juni in Grevesmühlen. Unten rechts: Integration durch gemeinsames Spielen in Wismar mit Lovis (7), Nabeel Tofiq mit Nils Jörn, Henning (9) und Aref (9, v. l.).

Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt, Robert Niemeyer, Nicole Hollatz, Vanessa Kopp (2)

Wismar. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea, nun leben sie in Nordwestmecklenburg. Der Grund: Flucht vor Krieg, Terror und Gewalt. 1401 Asylbewerber zählt der Landkreis im Jahr 2015. Eine große Aufgabe, die bewältigt werden muss — und noch nicht ihren Zenit erreicht hat. „Ich denke, dass wir in 2016 mit einer ähnlich hohen Anzahl von Flüchtlingen wie in 2015 rechnen können“, so die Prognose von Landrätin Kerstin Weiss (SPD). „So schnell werden sich die Krisenherde auf der Welt leider nicht beruhigen, auch wenn ich mir das sehr wünschen würde.“

In ganz Mecklenburg-Vorpommern sind im vergangenen Jahr rund 22 800 Menschen angekommen. „Wir als Landkreis konnten, auch dank der Unterstützung der Städte und Gemeinden, alle Asylbewerber in der zentralen Unterkunftsanlage in Wismar oder dezentral in über 200 Wohnungen unterbringen“, berichtet die Landrätin.

Der Landkreis stehe in engem Informationsaustausch mit dem Land. „Insgesamt ist die Struktur inzwischen an die aktuelle Lage angepasst, anfänglicher Aktionismus ist Professionalität gewichen.

Das trifft für alle Ebenen — also Bund, Land, Kreis und Kommunen — zu“, so ihre Beobachtung. „Auch wenn es hier und da noch einige wenige Punkte gibt, die es zu besprechen gilt, sind wir doch auf einem guten Weg.“ Um im neuen Jahr nicht von neuen Wellen überrascht zu werden, führe der Landkreis aktuell Gespräche mit weiteren Immobilienbesitzern.

Mit der Wucht der Flüchtlingswelle in 2015 hat kaum einer gerechnet. „In Wismar waren alle Beteiligten durch die zentrale Unterkunftsanlage in das Thema Flucht und Asyl bereits eingebunden“, erklärt Kerstin Weiss. „Als Kreis haben wir den gleichen Wissensstand auch bei den anderen Städten und Gemeinden vorausgesetzt. Das war nicht richtig.“ Es mussten viele Informationen gegeben, Entscheidungswege bekannt gemacht und Strukturen aufgebaut werden.

Der Landkreis bemühe sich nach wie vor um die Betreuung der dezentral untergebrachten Asylbewerber durch Sozialarbeiter. „Es gibt kaum noch geeignetes Personal, viele Stellen blieben unbesetzt und die bereits tätigen Sozialarbeiter arbeiten bis an ihre Grenzen“, sagt die Landrätin. Deshalb soll die Betreuung der dezentral untergebrachten Asylbewerber nun in die Hände von freien Trägern gegeben werden (die OZ berichtete).

Wachsen mit ihren Aufgaben müsse zudem die Ausländerbehörde: „In der beschleunigten Entscheidung von Asylanträgen durch Personalzuwachs beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird in der Öffentlichkeit eine Lösung des Flüchtlingsproblems gesehen. Jedoch hat die Ausländerbehörde alle Entscheidungen des Bundesamtes vor Ort umzusetzen“, betont die Landrätin. Es genüge demnach nicht allein die beschleunigte Entscheidung über Asylanträge. „Die Arbeit der Ausländerbehörde beinhaltet auch die Bearbeitung von Widersprüchen und Klagen“, erklärt die Landrätin.

Ein Rückblick auf das Jahr 2015

290 Flüchtlinge waren in Nordwestmecklenburg im vergangenen Jahr in Notunterkünften untergebracht. Da die Erstaufnahmeeinrichtungen im Land teilweise komplett überlastet waren, wurden die Flüchtlinge auf die Landkreise und von dort auf die Kommunen verteilt — teilweise innerhalb von wenigen Stunden.
So beispielsweise in Wismar Mitte September: Abends wurde Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) vom Krisenstab des Innenministeriums angerufen. Die Anweisung: 50 Flüchtlinge werden gegen Mitternacht in der Hansestadt ankommen und müssen versorgt werden. In wenigen Stunden wurde von ehrenamtlichen Helfern beachtliches geleistet, Betten aufgestellt, Suppe gekocht.
An folgenden Orten waren Notunterkünfte eingerichtet: DRK-Gebäude und Sporthalle der Hochschule in Wismar, Meetzen und Damshagen. Die beiden letzteren wurden im Oktober geschlossen, dafür wurde die alte Kita in Klütz zum Notlager umfunktioniert. Später wurden auch die Notunterkünfte in Wismar wieder geschlossen. Kurzzeitig war der ehemalige Sportpark in Wismar im Gespräch für eine Unterkunft. Das Land führte erste Prüfungen durch, jedoch wurden keine weiteren Schritte eingeleitet. Ebenso wurde die Alte Reithalle in Wismar auf eine schnelle Unterbringung vorbereitet.
Viele Bündnisse — von Asylgegnern wie auch Befürwortern — haben sich gegründet. In Wismar machte die Gruppierung „Wismar wehrt sich“ Ende Juni auf sich aufmerksam. Die Asylgegener bekamen schnell Gegenwind von „Pro-Asyl Wismar“ und „Wismar für alle“. Die erste Demonstration durch die Hansestadt fand am 7. September statt — 300 Asylgegener trafen auf 450 Befürworter. Die Demonstrationen fanden von da an regelmäßig statt, jedoch mit sinkender Teilnehmerzahl auf beiden Seiten. Auch in Grevesmühlen wurde demonstriert.
Die Verteilung der Asylbewerber erfolgt nach dem Königsteiner Schlüssel. Nach diesem werden 2,04 Prozent der Asylbewerber in Deutschland nach Mecklenburg-Vorpommern geschickt, 7,29 Prozent davon wiederum nach Nordwestmecklenburg. Dieser Prozentsatz wird in diesem Jahr auf 9,91 Prozent steigen.
Die Herkunftsländer der Flüchtlinge im Landkreis sind Syrien, Afghanistan, Ghana, Eritrea, Serbien, Montenegro, Albanien, Mazedonien und Kosovo.


Ein großer Teil der Asylbewerber lebt in der zentralen Unterbringung Haffburg in Wismar (rund 400 Menschen). Die restlichen sind dezentral im ganzen Landkreis untergebracht. Die meisten wohnen im Amtsbereich Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen.
• Weitere Infos und Zahlen unter www.nordwestmecklenburg.de
Zahlen und Fakten zum Thema Flüchtlinge, Asylverfahren und Geldleistungen
Wie sieht ein Asylverfahren aus?

Wer Asyl beantragt, wird in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Zuständig für die Bearbeitung des Antrags ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). In einer Anhörung müssen Asylsuchende vor allem ihre Fluchtgründe erklären. Die Behörde prüft, ob alle Kriterien erfüllt sind. Mit Stichtag 30. November liefen für Asylbewerber in NWM 880 Asylverfahren. 197 Personen waren an diesem Stichtag ausreisepflichtig.

Erhalten Flüchtlinge mehr Geld als Hartz IV-Empfänger?

In den Erstaufnahmeeinrichtungen bekommen Asylsuchende ein Bett, Essen, Kleidung und ein Taschengeld in Höhe von 143 Euro pro Monat. Später müssen sie sich in Wohnheimen oder Wohnungen selbst versorgen. Pro Monat sind das 359 Euro — und somit 45 Euro weniger als Hartz IV. Erst wenn Asylsuchende mehr als 15 Monate hier sind oder als Flüchtlinge anerkannt werden, erhalten sie den vollen Satz.
Besuchen Flüchtlingskinder
die Schule?

Grundsätzlich unterliegen auch Flüchtlingskinder der Schulpflicht und haben ein Recht auf Unterricht. In der Regel startet dieser nach Verlassen der Erstaufnahmeeinrichtung.



Wie gebildet sind Flüchtlinge?

Laut Statistik haben 90 Prozent einen Schulabschluss, 15 Prozent eine Hochschule besucht. Ein Viertel der Flüchtlinge ist nicht älter als 25 Jahre.

Weshalb kommen so viele
junge Männer?

Weil die Einreise auf legalem Weg kaum möglich ist. „Für Männer erscheinen die Chancen höher, diese Strapazen zu überstehen“, so das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Der Stärkste wird ausgewählt, um die Familie später nachzuholen. Außerdem verlangen Schlepper viel Geld: 1000 US- Dollar kostet allein der Seeweg von der Türkei nach Griechenland pro Person, berichten Flüchtlinge.

Vanessa Kopp

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