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Jugend und Bücherei in der Warteschleife

Schönberg Jugend und Bücherei in der Warteschleife

Politiker beraten seit Jahren ohne konkretes Ergebnis / Leiterinnen legen eigenen Plan vor.

Auf Eis gelegt: die Sanierung des Hauses Amtsstraße 8 in Schönberg. Nun wird ein Abriss immer wahrscheinlicher. FOTO: JÜRGEN LENZ

Schönberg. Eine Couchgarnitur und ein Tischkicker: Mehr passen nicht in den einzigen Raum, den der Jugendklub in Schönberg den jungen Bürgern der Stadt bietet. Deshalb fand Klubleiterin Rabea Kielblock nur einen tröstlichen Gedanken beim Einzug in die ehemalige Baracke der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaften „Edelweiß“: „Wir wollen ja nicht jahrelang hier bleiben.“ Doch mittlerweile sind seitdem mehr als anderthalb Jahre vergangen und noch ist nicht abzusehen, wann der Jugendklub und eine ebenfalls seit Frühjahr 2015 in der Baracke untergebrachte öffentliche Bücherei in geeignete Räume umziehen können.

Immer neue Beratungen in der Schönberger Stadtvertretung und ihren Ausschüssen haben bisher zu keinem konkreten Ergebnis geführt – auch zum Verdruss von Johanna Birnbaum, die die Bibliothek in Trägerschaft des „Vereins für Kommunikation, Umwelt und Kultur“ leitet. Sie sagte gestern in der früheren GPG-Baracke in der Feldstraße: „Wir sind hier in einer Flatterasbesthütte, in der wir nicht ewig bleiben können.“

Untergebracht werden sollen der Jugendklub und die Bücherei im Haus Amtsstraße 8: Auf diese Idee kam Schönbergs Stadtvertretung vor etwas mehr als drei Jahren, im Sommer 2013. Der Hintergrund:

Damals hatten die Amtsverwaltung Schönberger Land und Mitglieder des Amtsausschusses in Erwägung gezogen, das alte Haus zu kaufen und zu sanieren, um es dann als Unterkunft für Obdachlose zu nutzen.

Das lehnten Schönberger Stadtvertreter wegen der direkten Nachbarschaft von Schulen und einer Kindertagesstätte entschieden ab. Das Ergebnis war ein Kompromiss: Schönberg erwirbt das Haus, saniert es und lässt dort die Bücherei und den Jugendklub einziehen, die damals in einer ehemaligen LPG-Baracke in der Dassower Straße untergebracht waren. Dadurch bekam das Amt Schönberger Land die Möglichkeit seine Baracke in der Dassower Straße abzureißen, um Platz für den Bau eines Übergangswohnheims zu machen. Mittlerweile ist das Obdachlosenheim in Bau, die Amtsstraße 8 aber weiterhin so unsaniert und leer wie im Sommer 2013.

In den Haushalt 2014 stellte die Stadtvertretung 360000 Euro für das Vorhaben ein – damals noch mit der Hoffnung auf Zuschüsse aus dem Städtebauförderprogramm des Landes. Schönberg kaufte die Amtsstraße 8 für rund 50000 Euro. Ein Jahr später wurden die Kosten für das Projekt mit rund 450000 Euro veranschlagt. Die Haushaltsmittel versah die Stadtvertretung mit einem Sperrvermerk. Das bedeutet: Bevor Geld ausgezahlt wird, muss ein Beschluss dazu gefasst werden. Das geschah im Frühjahr 2015, weil bereits Planungsleistungen erbracht worden waren. Die Stadtvertreter gaben 60000 Euro frei.

Im März 2015 sprach sich der Sozialausschuss dafür aus, an dem Sanierungsprojekt festzuhalten – „wenn es finanziell machbar ist“. Dann kam allerdings die Idee eines Neubaus an gleicher Stelle auf. Im Oktober 2015 empfahl der Sozialausschuss zu prüfen, ob in Auftrag gegeben werden könne, die Kosten für den Abriss des Altbaus zu ermitteln. Im Februar 2016 reichte die SPD-Fraktion einen Antrag für die Stadtvertretung ein, laut dem zu überlegen sei, mit der Realisierung des Projekts mit den zurzeit zur Verfügung stehenden Geldern zu beginnen. Als Alternative schlug die SPD-Fraktion vor, „die Altbausubstanz auf dem Grundstück zurückzubauen und unter Einbeziehung weiterer angrenzender Flächen, die sich im städtischen Eigentum befinden, einen Neubau zu errichten.“ Die Kosten für einen Neubau seien wahrscheinlich geringer. Im März verwies die Stadtvertretung den Antrag in den Bauausschuss. Zu einer Entscheidung kam es bis heute trotz weiterer Beratungen auch im Sozialausschuss, im Finanzausschuss und im Hauptausschuss nicht. Das nächste Mal beraten wird am kommenden Donnerstag abermals in der Stadtvertretung.

Die Überlegungen gehen nun nach Einschätzung des Bürgermeisters Lutz Götze (SPD-Fraktion) eher in Richtung eines Neubaus. Einen Architektenentwurf dafür haben Rabea Kielblock und Johanna Birnbaum den Kommunalpolitikern vorgelegt. Für Rabea Kielblock ist klar: „Ein Neubau wäre viel sinnvoller.“ Jürgen Lenz

LN

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