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Nordwestmecklenburg Jugendamt: Landkreis weist alle Vorwürfe zurück
Lokales Nordwestmecklenburg Jugendamt: Landkreis weist alle Vorwürfe zurück
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21:36 24.05.2016

Vier Stellen sind derzeit im Jugendamt des Landkreises Nordwestmecklenburg unbesetzt. „Fachkräfte zu finden, ist derzeit fast unmöglich“, sagt Beate Dellin, die zuständige Fachdienstleiterin für den Bereich Jugend. Bis zu 60 Fälle bearbeiten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, von denen es insgesamt 25 im sozialpädagogischen Dienst gibt. Dass die Mehrbelastung ein Grund für den Fall des Dreijährigen aus Grevesmühlen sein könnte, der am 13. Mai unterernährt und misshandelt ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, weist Beate Dellin ebenso wie Landrätin Kerstin Weiss von sich. Der Junge lebte seit Ende 2015 bei seinem Vater in Grevesmühlen, die Eltern sind getrennt, der 31-Jährige lebt mit seiner neuen Lebensgefährtin, die eine Tochter hat, zusammen. Die Familie war nach Aussagen des Jugendamtes ständig in Kontakt mit den Behörden. Wie Karla Krüger, 2. Beigeordnete der Landrätin, betont, habe es regelmäßigen Kontakt gegeben. „Der Vater hat Hilfe gesucht und sie auch bekommen.“ Unklar ist allerdings, was sich in den vergangenen Wochen in der Familie abgespielt hat. Denn bei einem Besuch des Sozialarbeiters am 22.

Februar sei alles in Ordnung gewesen, so Beate Dellin.

Zuvor hatte der Vater versucht, den Jungen in einer Kita in Grevesmühlen unterzubringen. Das sei jedoch daran gescheitert, dass die leibliche Mutter ihr Einverständnis verweigert habe. „Der Vater hatte zwar das Aufenthaltsbestimmungsrecht, das reicht aber leider nicht, um den Kitaplatz allein zu beantragen“, so Kerstin Weiss. „Das ist juristisch ziemlich kompliziert und alles andere als befriedigend, leider.“

Eine interne Untersuchung des Falles wird es vorerst nicht geben. Wie Kerstin Weiss betonte, gebe es keinen Grund dafür. „Ich hab es bereits gesagt, es gab nach unserer Erkenntnis keine falsche Einschätzung des Falles durch das Jugendamt. So tragisch dieser Fall auch ist, wir sind froh, dass die Mitarbeiterin am 13. Mai richtig reagiert hat und das Kind jetzt in Sicherheit ist.“

Ob die Politik den Fall damit auf sich beruhen lässt, ist fraglich. Denn bereits gestern gab es erste Reaktionen. Der CDU-Fraktionschef Thomas Grote teilte dazu mit: „Die Nachricht, dass ein dreijähriges Kind in Grevesmühlen ein Opfer von Gewalt in der eigenen Familie wurde, erfüllt mich mit Schrecken und Unverständnis. Obwohl die Familie bereits vom Jugendamt betreut wurde, musste ein kleines Kind offensichtlich viel Leid ertragen.“ Grote sagt, es sei aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar, dass die Landrätin beziehungsweise die Beigeordnete weder den Kreisausschuss noch den Kreistag über diesen Fall der Kindesmisshandlung unterrichtet hätten. Grote kündigt an: „Die CDU-Fraktion wird die Umstände zu diesem Fall hinterfragen, nur so kann es gelingen, so schreckliches Leid den schwächsten unserer Gemeinschaft zu ersparen.“

M. Prochnow

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