Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Kampf um die Rütinger Wassermühle
Lokales Nordwestmecklenburg Kampf um die Rütinger Wassermühle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:27 26.06.2017
Ein Industriedenkmal der besonderen Art ist die Rütinger Wassermühle, nur darf sie nach wie vor nicht in Betrieb genommen werden. Quelle: Fotos: Oz/maik Freitag (2)
Rüting

Dass Mühlen langsam mahlen, besagt schon das Sprichwort. Doch im Fall der Rütinger Wassermühle bekommt das geflügelte Wort noch eine ganz andere Bedeutung. Denn die spannende Frage ist nach wie vor: Wird die Mühle überhaupt irgendwann wieder in Betrieb genommen?

Seit 22 Jahren bemüht sich der Eigentümer um eine Betriebsgenehmigung für das Denkmal.

Eigentümer der Mühle ist Jan-Ludwig Bauditz aus Berlin, er ist von Beruf Bauingenieur und weiß aus beruflicher Erfahrung um die Diskrepanzen zwischen Behörden und Bauherren. Doch das sein ganz privates Projekt, die Sanierung der Rütinger Mühle mittlerweile 22 Jahre andauert, hätte selbst er nicht für möglich gehalten.

Zum Mühlentag hatte er das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben der Anerkennung für die aufwändige Sanierung bekam Bauditz immer wieder eine Frage zu hören: „Wann wird die Mühle fertig?“ Beantworten kann er diese Frage nicht.

„Jeder, der irgendeine bürokratische Arbeit für diese Sanierung verrichten muss, möchte etwas dazu sagen und dem Ganzen seinen Stempel aufdrücken. Dass man hier einen ganz langen Atem haben muss, macht die Sache nicht einfacher“, erklärt der Berliner. Ob Fischereiamt, Umweltamt, Bauministerium oder das Natur- und Umweltamt – „immer wieder kommen neue Ideen, neue Interessen, neue Gesetze und neue Bearbeiter hinzu. Ich hoffte es zwar nie, aber ich denke, das Wasserrad wieder zum Laufen zu bringen, wird tatsächlich eine Lebensaufgabe.“ Dabei versuche er mit den verschiedenen Einrichtungen zu kooperieren und die Auflagen zu erfüllen, doch schon die seien sich untereinander oft nicht einig, und so zöge sich das private Bauprojekt jetzt schon 22 Jahre in die Länge, berichtet der Bauingenieur.

Beim Landkreis Nordwestmecklenburg, wo die Untere Denkmal- und die Naturschutzbehörde angesiedelt sind, weiß man um die Probleme bei der Genehmigung. Die Rütinger Mühle trägt das Aktenzeichen „1230“

in der Denkmalliste – und könnte theoretisch in Betrieb gehen. Sowohl die Denkmalbehörde (6. April 2011) als auch die Naturschutzbehörde (2015) haben grünes Licht für die Rütinger Wassermühle erteilt, nachdem Bauditz die Auflagen der Behörden erfüllt hat.

Allerdings fehlt immer noch ein Stempel – und zwar jener des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft, Umwelt und Natur (Stalu). Denn dort liegt derzeit der Antrag auf die Betriebserlaubnis. Wie das Amt mitteilt, stünde man in Kontakt mit Jan-Ludwig Bauditz. So teilt das Stalu mit: „Anstelle eines wasserrechtlichen Erlaubnisverfahrens ist mit dem Eigentümer der Mühle Rüting ein öffentlich-rechtlicher Vertrag in Vorbereitung, der neben den Belangen des Wasserrechtes auch Belange des Fischerei-, Naturschutz- und Denkmalschutzrechtes beinhaltet. Die für diese Rechtsgebiete zuständigen Behörden wurden beteiligt. Deren Belange sind in den Vertragsentwurf eingeflossen, der zuletzt im Februar zur Stellungnahme übergeben wurde. Teile des Vertragsentwurfes werden seitens des Mühlenbesitzers abgelehnt. Das zuständige Stalu steht diesbezüglich mit dem Vertragspartner im Kontakt. Erst wenn mit dem Eigentümer und Betreiber der Wasserkraftanlage Einvernehmen über den Inhalt des Vertrages erzielt ist, kann er in Kraft treten und damit der Betrieb der Wasserkraftanlage aufgenommen werden.“

Kurz nach der Wende waren es in MV noch mehr als 220 Wassermühlen, die hätten saniert werden können, mittlerweile sind es nur noch knapp 20. „Wenn wir es irgendwann schaffen, fünf davon zum Laufen zu bringen, dann haben wir wohl viel geschafft“, betont Jan-Ludwig Bauditz. Die Rütinger Mühle habe in Mecklenburg-Vorpommern sogar ein Alleinstellungsmerkmal, denn das ursprüngliche Wasserrad und Mahlwerk sind noch erhalten und könnten gleichzeitig besichtigt werden. Das war auch beim Mühlentag so, nur das Wasser und die Bewegung des neuen Mühlenrades, die konnte Bauditz nicht vorführen.

Die Geschichte der Mühle

1878 wurde die Rütinger Mühle errichtet. Obwohl der Buchdruck bereits 400 Jahre früher erfunden wurde, gab es 1890 nur handschlägliche Verträge über die Nutzung der Mühle. Immer für zwölf Jahre wurde diese dann verpachtet. Der letzte Wassermüller begann hier 1931 seine Arbeit. Auch wenn mehrfach ein Verkauf der Mühle angestrebt wurde, wurde sie nicht zu Privateigentum und dient zuletzt sogar der Schrot-Herstellung für die damalige Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). Zugleich wurde Brot hergestellt, mit dem Planwagen ausgeliefert und in der Region verkauft. „Laut den Dokumenten soll das bis 1973 so gelaufen sein. Ich habe mittlerweile sogar jemanden kennengelernt, der das Brot ausgefahren hat“, erzählt Jan-Ludwig Bauditz, Eigentümer Mühle.

Maik Freitag und Michael Prochnow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Katholischer Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Berlin vergeben.

26.06.2017

Angehender Besuchs- und Begleithund „Lasse“ hilft beim Gesundwerden im Wismarer Klinikum.

24.06.2017

Zünfte in Grevesmühlen und Schönberg ermitteln Majestäten / Bogenschießen ist sehr beliebt.

24.06.2017