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Nordwestmecklenburg Keine Angst vor luftiger Höhe: Jugendliche testen ihren Mut
Lokales Nordwestmecklenburg Keine Angst vor luftiger Höhe: Jugendliche testen ihren Mut
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20:21 29.06.2013
Tim Tegler (13) von der Großen Stadtschule in Wismar traute sich an die schwierigsten Passagen im Hochseilgarten. Quelle: Fotos: Sylvia Kartheuser
Neukloster

Der Begriff „in den Seilen hängen“ bekommt in Neukloster eine handfeste Bedeutung. Tim Kochanke steht im Hochseilgarten am Schullandheim und schaut etwa acht Meter in die Höhe. „Das ist aber ganz schön hoch“, sagt der 14-Jährige. Tilman Richter, wie Benny Wendt und Axel Just Trainer im Hochseilgarten, spricht ihm Mut zu: „Das schaffst du schon.“ Mit Gurt und Seil gesichert klettert Tim Kochanke hinauf zu den „Flying Steps“, den fliegenden Plattformen. Seine 21 Klassenkameraden aus der 7d der Großen Stadtschule in Wismar versuchen, die fünf schwingenden Holzflächen mittels Seilen möglichst nahe an Tim heranzubringen.

„Das war schon ein verrücktes Gefühl, man fühlt sich so ganz anders als sonst“, sagt der 14-Jährige, als er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Dass er in der Höhe auf Hilfe angewiesen war, hat ihn nicht gestört: „Ich vertraue allen Leuten aus meiner Klasse.“

Ganz auf die eigene Courage verlässt sich Tim Tegler (13). Er traut sich über die „Burma Bridge“, eine schwankende Brücke aus Seilen, an den senkrecht hängenden und natürlich schwingenden Kletterbalken. „Das macht er richtig gut“, sagt Vater Torsten Tegler, der als Betreuer der beiden Wismarer Gruppen ins Schullandheim mitgekommen ist. „Das ist schon die hohe Schule, und ein Schnapsgläschen voll Adrenalin ist manchmal ganz hilfreich“, bestätigt Heike Liszka-Platow, die Leiterin von Schullandheim, Jugendscheune und Hochseilgarten.

Seit anderthalb Jahren ist der Bildungs- und Förderverein VFBJ Tressow e.V. Träger der Einrichtungen und erlebnispädagogischen Maßnahmen, zu denen Kanufahrten, Floßbauen, Bogen- und verschiedene Teamspiele gehören. „Im Schullandheim bieten wir durch die verschiedenen Aktivitäten einen Lernort, der für real existierende schwierige ältere Klassen wunderbar geeignet ist“, sagt Heike Liszka-Platow. Im Hochseilgarten erlebe sie immer wieder, wie anfangs lautstarke Schüler ganz ruhig werden und eher ruhige, kaum beachtete Schüler mit ihren Leistungen den Respekt der anderen gewinnen. „Gerade für Klassenstufe 7, wenn sich die Gruppen neu mischen, wäre ein Besuch im Hochseilgarten sinnvoll“, ist die 48-Jährige sicher. Er würde das gegenseitige Vertrauen stärken und Vorurteile abbauen.

Im Hochseilgarten mischen sich Einzel- und Gemeinschaftsaufgaben. Im Niedrigseilgarten, der gerade wieder aufgebaut wird, sind es vor allem Aufgaben, die nur in der Gruppe gelöst werden können. „Das ist auch für Erwachsene spannend“, erklärt Heike Liszka-Platow. Seit Kurzem gibt es auch einen kleinen Garten, in dem Kinder sich Erbsen pflücken und Radieschen ziehen können. „Was ihnen sehr viel Spaß macht“, sagt die Leiterin des Schullandheimes — und Pläne hat sie noch einige.

Durch eine vom Jobcenter geförderte Maßnahme werden derzeit ein Tastpfad und ein Klanggarten mit Bambusrohren, Regenrohren, Trommeln und Ähnlichem aufgebaut. „Unsere nächste Baustelle ist das Kulturcafé, das wir höchstwahrscheinlich in der Fischerscheune einrichten werden“, so Heike Liszka-Platow. Es soll Angebote für Einheimische und Gäste bieten. Fünf derzeit noch arbeitslose Frauen aus Neukloster sollen in dem Café neue Aufgaben finden. „Sie sollen unter Anleitung zum Gesicht des Cafés werden“, erklärt die Mitarbeiterin des VFBJ Tressow. An weiteren Ideen werde gearbeitet, so die Leiterin von Schullandheim, Jugendscheune und Hochseilgarten. „Mit Bewegung, Sport und verschiedenen Aktivitäten wollen wir auch den Jugendlichen in Neukloster Angebote machen.“ Doch alles brauche eben seine Zeit.

Torsten Tegler aus Wismar ist von dem Schullandheim jedenfalls begeistert. „Ich finde es gut, dass man die Kinder hier, in diesem gesicherten Bereich frei laufen lassen kann — und dass sie sogar Feuer machen dürfen“, lobt er. Es habe ihn begeistert zu sehen, wie verantwortungsbewusst die Mädchen und Jungen plötzlich mit diesen Freiheiten umgegangen seien. „Ich kenne andere Schullandheime, bei denen es wesentlich mehr Verbote gibt“, so Torsten Tegler. Nach zwei Tagen in Neukloster war er sicher: „Die Kinder werden sicher wiederkommen wollen.“

Noch freie Plätze für das Kindercamp im Juli
Das Schullandheim in Neukloster hat 35 Plätze in den Bungalows plus zwölf Plätze in Finnhütten. Zudem können Zelte aufgestellt werden.

Die Gebäude bildeten früher die Station junger Techniker und Naturforscher. Nach der Wende gründete die Stadt den Verein „Beschäftigungsinitiative Neukloster“, um Fördermittel für die Sanierung einwerben zu können. Seit 1. Januar 2012 ist der VFBJ Tressow Träger des Schullandheims.

Auf dem Gelände findet vom 20. Juli bis 26. Juli ein Camp für Kinder bis 12 Jahre statt, in dem noch Plätze frei sind. Die erlebnispädagogischen Angebote werden Bestandteil der Tagesgestaltung sein.

Anmeldung und weitere Informationen gibt es in der Jugendscheune, Telefon 03 84 22/2 54 82, per E-Mail unter kontakt@jugendscheune-neukloster.de sowie im Internet unter www.jugendscheune-neukloster.de.

Sylvia Kartheuser

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