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Nordwestmecklenburg Kind zu spät abgeholt: Eltern ärgern sich über „Strafe“
Lokales Nordwestmecklenburg Kind zu spät abgeholt: Eltern ärgern sich über „Strafe“
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23:21 26.09.2013
Eltern müssen zehn Euro pro ange- fangene Stun- de zahlen. Das kommt aber selten vor.“Holger Glatz, Geschäftsführer des Jugendhilfezentrums „Käthe Kollwitz“ Rehna e.V.

In vielen Kindertagesstätten des Landkreises werden Eltern, die ihre Kinder wiederholt zu spät abholen, zur Kasse gebeten. Zusätzliches Entgelt nennen es die Einrichtungen, Strafgeld die Eltern. Und genau dieses stößt bei manchen Erziehungsberechtigten nicht immer auf Verständnis. Die Kitas fühlen sich im Recht. Und das sind sie laut Christian Moeller, Sprecher des Sozialministeriums in Schwerin, auch. Viele Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern hätten solche Klauseln in ihren Betreuungsvereinbarungen.

Theresa Schmidt (Name geändert) ärgert sich über die Maßnahme. Im Monat kommt es mindestens zwei Mal vor, dass sie im Stau steht und ihre Tochter nicht zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt abholen kann. Die hat einen Teilzeitplatz in der Kita und darf bis 14.30 Uhr bleiben. Schon vier Mal musste sie die „Strafe“, wie sie sagt, zahlen. „Ich kann doch nichts dafür, wenn der Verkehr auf den Straßen nicht fließt“, schimpft die Angestellte. Aber vertraglich vereinbart ist vertraglich vereinbart. So diskutieren die Kitas.

Das verspätete Abholen der Kinder ist kein generelles Problem der Einrichtungen im Landkreis, aber es kommt vor. Und das ist mit einem viel größeren Problem verbunden. „Mit dem Ende der vertraglich vereinbarten Betreuungszeit haften wir nicht mehr“, erläutert Diana Voß, Leiterin der Kita „Bussibär“ in Rüting. Soll heißen: Die Kinder sind nicht mehr versichert. „Was ist, wenn ihnen dann etwas passiert“, stellt sie das Szenario in den Raum. Sie ärgert sich besonders darüber, und da pflichten ihr alle befragten Kita-Leiter im Landkreis bei, wenn für Eltern abzusehen ist, dass sie es zeitlich nicht schaffen, ihre Kinder pünktlich abzuholen. „Dennoch beantragen sie einen finanziell günstigeren Teilzeitplatz statt eines teureren Ganztagsplatzes.“ Das grenze für sie an „schamloses Ausnutzen“. Gerade in solchen Fällen erhebe sie ein zusätzliches Entgelt, wenn Eltern nicht pünktlich da sind. „Meistens hilft aber ein Gespräch unter vier Augen und dann klappt es wieder mit der Pünktlichkeit. Wir verlangen das Geld nur, wenn die Eltern regelmäßig zu spät kommen“, sagt Diana Voß. Für Kinder in der Krippe müssen die Eltern 5,10 Euro, im Kindergarten 2,80 Euro und im Hort 3,10 Euro je angefangene überzogene Stunde zahlen.

Etwas teurer ist es in Einrichtungen, die das Jugendhilfezentrum „Käthe Kollwitz“ e.V. in Rehna betreibt. So handhabt es auch das Deutsche Rote Kreuz. „In unserer Satzung ist festgehalten, dass Eltern pro angefangene Stunde zehn Euro zahlen müssen“, erläutert Holger Glatz, Geschäftsführer des Rehnaer Jugendhilfezentrums „Käthe Kollwitz“. Der Verein betreibt zehn Kindertagesstätten in Nordwestmecklenburg. Pro Einrichtung komme es maximal zwei Mal im Monat vor, dass Eltern ihre Kinder nicht zum vereinbarten Zeitpunkt abholen. Die Eltern werden bereits beim Aufnahmegespräch auf die Option des zusätzlichen Entgeltes hingewiesen.

In den 19 Jahren seines Bestehens musste der „Spielgarten Klemkow“ in Grevesmühlen selten ein zusätzliches Entgelt verlangen. Kommt es öfter vor, dass die Kinder verspätet abgeholt werden, müssen Eltern 3,70 Euro je angefangene überzogene Stunde zahlen. „Dieser Satz gilt seit vergangenem Jahr“, erklärt Kita-Leiter Christian Klemkow. „Wir haben uns den Kosten anderer Kitas im Landkreis angepasst.“

In der Stadt-Kita am Lustgarten in Grevesmühlen können die Eltern einen sogenannten Mehrbedarf beantragen. In der Gebührensatzung sind 3,72 Euro je angefangene Stunde festgehalten. „2011 und 2012 haben je zwei Familien diesen Mehrbedarf in Anspruch genommen. In diesem Jahr noch niemand“, informiert Stadtsprecherin Regina Hacker.

Erheben Erzieher von Eltern, die die vereinbarten Zeiten nicht ernst nehmen, das Geld, kommt es in allen befragten Fällen den jeweiligen Kitas zugute.

Jana Franke

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