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Nordwestmecklenburg Kinderarztpraxis geschlossen: Hilfe kommt aus Schönberg
Lokales Nordwestmecklenburg Kinderarztpraxis geschlossen: Hilfe kommt aus Schönberg
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10:23 11.01.2017
Vorübergehend geschlossen: die Kinderarztpraxis in der August-Bebel-Straße in Grevesmühlen. Quelle: Jana Franke
Grevesmühlen/Schönberg

Nach der vorübergehenden Schließung der Kinderarztpraxis in Grevesmühlen (die LN berichteten) kommt nun Hilfe aus Schönberg. „Durch die sich abzeichnende schwierige Situation im MVZ Grevesmühlen habe ich ab dem 1. Januar zusätzliche Freiräume geschaffen, um den entstehenden Versorgungsengpass abzumildern. Dadurch gibt es in meiner Familienpraxis noch freie Kapazitäten“, berichtet Wiebke Matzke, praktische Ärztin in Schönberg.

Nachdem der damalige beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) angestellte Arzt der Praxis in der August-Bebel-Straße in Grevesmühlen, Kurt Wolfgang Schulze, zum 30. Juni vergangenen Jahres gekündigt hatte, arbeitete MVZ-Geschäftsführer Friedel Helms-Ferlemann aus der Not heraus mit Vertretungsärzten. Der Zulassungsausschuss erteilte dafür bis zum 31. Dezember – sechs Monate sind im Kassenarztrecht verankert – eine Genehmigung, verlängerte diese trotz Widerspruch des MVZ-Geschäftsführers nicht. Da die Nachfolgerin von Kurt Wolfgang Schulze noch keine Facharzt-Anerkennung hat, darf sie die Praxis noch nicht betreiben – erst ab Ende März/Anfang April. Bis dahin sind die kinderärztliche Versorgung im Krankheitsfall und Früherkennungsuntersuchungen in der ehemaligen Kreisstadt nicht gesichert.

Weil Wiebke Matzke viereinhalb Jahre in der Kinder- und Jugendmedizin gearbeitet hat, darf sie auch die Früherkennungsuntersuchungen ab der U 1 durchführen. Haben Hausärzte die entsprechende Ausbildung nicht, dürfen sie diese Untersuchungen laut kassenärztlicher Vereinigung nicht vornehmen. „Ich hoffe, dass die kleinen Patienten in Grevesmühlen bald wieder den Kinderarzt vor Ort aufsuchen können“, erläutert Wiebke Matzke. Bis dahin ist jeder bei ihr willkommen.

Zur katastrophalen Situation in Grevesmühlen äußert sich auch Simone Oldenburg, Abgeordnete der Linksfraktion im Landtag. „Es ist ein Unding, erst zu reagieren, wenn sämtliche Fristen für Übergangslösungen abgelaufen sind.“ Friedel Helms-Ferlemann sucht in dieser Woche das Gespräch mit Kinderärzten im Landkreis, einige Patienten des MVZ vorübergehend aufzunehmen. „Diese Gespräche hätten vor der absehbaren Schließung der Kinderarztpraxis geführt werden müssen. Dann wäre nicht nur die medizinische Versorgung sichergestellt, sondern auch die berechtigte Empörung und Unsicherheit der Eltern wäre nicht entstanden.“, mahnt Simone Oldenburg. Ihrer Ansicht nach müsse das Kassenarztrecht modifiziert werden. „In Fällen, in denen die medizinische Versorgung der Einwohner wegzubrechen droht, muss eine Fristverlängerung für die Übergangszeit eingeräumt werden.“

Politisch, so Kreistagsmitglied Thomas Grote (CDU), könne man im Fall der vorübergehenden Schließung nicht viel beeinflussen. „Natürlich bedauere ich es sehr, was in Grevesmühlen passiert, aber wir haben wenig Möglichkeiten, dort einzugreifen.“

 Jana Franke

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