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Nordwestmecklenburg Kindesmisshandlung: Kritik an leeren Jugendamtstellen
Lokales Nordwestmecklenburg Kindesmisshandlung: Kritik an leeren Jugendamtstellen
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20:12 25.05.2016

Der Fall eines misshandelten Dreijährigen in Grevesmühlen hat eine Debatte über die Personalsituation in den Jugendämtern in MV ausgelöst. Der Junge war mit blauen Flecken, unterernährt und dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Wie sich herausstellte, sind im zuständigen Jugendamt Grevesmühlen derzeit vier Stellen unbesetzt. „Die Belastungen für Mitarbeiter der Jugendämter sind so hoch wie in keinem anderen Job. Umso alarmierender ist es, wenn die personelle Ausstattung am Limit ist“, kritisierte gestern der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Carsten Spies. Bei der Besetzung müssten andere Kriterien gelten als anderswo in der Verwaltung. „Das ist kein Schreibtischjob, sondern die Mitarbeiter müssen oft raus zu den Familien.“

In Grevesmühlen haben wohl auch mehrere Mitarbeiter sogenannte Überlastungsanzeigen gemacht, also offiziell erklärt, dass sie ihre Arbeit nicht schaffen. „Solche Überlastungsanzeigen gibt es regelmäßig, das ist ein Skandal“, schimpfte Spies.

In MV berät das Bündnis Kinderschutz im Auftrag des Sozialministeriums Jugendämter. Auch dort sind die Missstände bekannt: „Unbesetzte Stellen gibt es in einigen Jugendämtern“, sagte Projektleiter Michael Bock. „Häufig gibt es Probleme mit der Neubesetzung, weil qualifizierte Bewerber fehlen.“ Dies bedeute Mehrarbeit für die Kollegen, was wiederum das Fehlerrisiko erhöhe, sagte Bock. Zum aktuellen Fall wollte sich Bock nicht äußern. Das Bündnis habe dem Jugendamt Grevesmühlen aber Krisenberatung angeboten.

Um Misshandlungen wie die des dreijährigen Jungen frühzeitig festzustellen, rät Bock den Sozialarbeitern, auf Überlastungssymptome der Eltern zu achten – etwa, wenn die Eltern alltägliche Aufgaben wie das Aufräumen der Wohnung nicht mehr schaffen. „Auch häufige Streitereien zwischen den Eltern können ein Hinweis sein.“ Es gelte, genau zuzuhören, wenn Eltern zu verstehen geben, dass sie sich überfordert fühlen. Der 31-jährige Vater des Jungen aus Grevesmühlen hatte mehrfach beim Jugendamt um Hilfe gebeten.

Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) hatte Vorwürfe zurückgewiesen, die Familiensituation sei vom Amt falsch eingeschätzt worden. Darauf reagierte die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg (Linke): „Es ist weder hinzunehmen noch nachzuvollziehen, wie die Landrätin auf die augenscheinlichen Missstände reagiert. Der Landkreis muss nicht nur die vorhandenen Stellen besetzen, sondern zusätzliche Stellen schaffen.“ Sozialarbeiter in Nordwestmecklenburg würden bis zu 60 Fälle gleichzeitig betreuen.

A. Büssem

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