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Nordwestmecklenburg Kirche Friedrichshagen: So geht es weiter
Lokales Nordwestmecklenburg Kirche Friedrichshagen: So geht es weiter
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17:08 16.04.2019
Kirche Friedrichshagen im Frühling 2019. Quelle: Annett Meinke
Friedrichshagen

Wie jedes Jahr im Frühjahr traf sich der Verein zum Erhalt der Kirche in Friedrichshagen in der Remise von Schloss Plüschow. Es ging um das, was im vergangenen Jahr erreicht wurde, – ebenso wie um das, was in diesem Jahr ansteht, um das gotische Backsteinbauwerk, das in den Jahren 1415/16 erbaut wurde, weiter zu sanieren und damit für die Zukunft zu erhalten.

Diesjährige Mitgliederversammlung des Vereins zum Erhalt der Friedrichshagener Kirche in der Remise von Schloss Plüschow. Quelle: Annett Meinke

Doch bevor es um Bauarbeiten und Kultur in der Kirche ging, hielt der Wismarer Stadtarchivar Dr. Nils Jörn, – der schon vor zwei Jahren vor den Vereinsmitgliedern über den Friedrichshäger Pastor Wilhelm Bartelt sprach, – Bartelt war nach dem Zweiten Weltkrieg im Speziallager Nummer 9, in Fünfeichen, in der Nähe von Neubrandenburg verschwunden –, erneut einen Vortrag.

Dieses Mal ging es um die Bedeutung eines weiteren Friedrichshäger Pastors – Jacob Schötzow. Dessen Leichenpredigt aus dem Jahr 1662 zum Tode von Anna Sophia von Bühlow, die auf Schloss Plüschow lebte, gilt als das erste in Wismar hergestellte Druck-Erzeugnis.

Das erste Wismarer Druck-Erzeugnis, siehe links, soll die Leichenpredigt des Friedrichshäger Pastoren Jacob Schötzow aus dem Jahr 1662 gewesen sein. Quelle: Annett Meinke

Wahrhafte Engel

Dass der Stadtarchivar im Verlauf der vergangenen zwei Jahre seinen Witz nicht verloren hat, zeigte sich unter anderem, als er auch auf das Phänomen der Leichenpredigten einging: „Liest man die Leichenpredigten, die in jener Zeit mit dem Buchdruck populär wurden, bekommt man den Eindruck, dass damals nur wahrhafte Engel lebten.“ So heißt es zum Beispiel in der Leichenpredigt zu Anna Sophia von Bühlow, sie sei eine „Hochedelgeborene, Ehrenreiche und Vieltugendsame“ gewesen.

Anlässlich der diesjährigen Mitgliederversammlung des Vereins zum Erhalt der Friedrichshagener Kirche in der Remise von Schloss Plüschow sprach der Wismarer Stadtarchivar Dr. Nils Jörn über die erste in Wismar gedruckte Leichenpredigt des Friedrichshäger Pastors Jacob Schötzow aus dem Jahr 1662. Quelle: Annett Meinke

Ebenso unterhaltsam von Jörn vorgetragen, die geschichtliche Tatsache, dass Wismar erst ziemlich spät zu einer Druckerei kam. „In Rostock gab es eine Druckerei bereits seit 1476, in Lübeck sogar seit 1475. Doch die Wismarer Stadtväter hatten damals offenbar kein allzu großes Interesse an neumodischem Kram“, vermutete Wismars Stadtarchivar.

Jedenfalls versagte der Wismarer Rat dem ursprünglich aus Litauen stammenden Jochim Georg Rhet, der zur Unterstützung seiner Druckerei im Jahr 1663 um ein Darlehen von 100 Reichsthalern bat, die Unterstützung. Erneut in den Jahren 1667 und 1668. Erst im Jahre 1670 streckte ihm der Rat 300 Reichsthaler für den Druck von Schulmaterial vor .

Turmbau zu Friedrichshagen

Nachdem der Eingangsbereich zur Kirche, die Steinmauer, die Treppe und das Eingangstor im vergangenen Jahr erfolgreich saniert werden konnte, berichtete nach Jörns Vortrag der Fördervereinsvorsitzende Joachim Schünemann, dass nun für dieses Jahr weitere Arbeiten am Turm anstehen. „Der dringend in der unteren Hälfte gesichert werden muss“, so Schünemann. Risse im Mauerwerk sind zu beheben, Wände und Mauerkronen neu zu verfugen.

Die kleine Dorfkirche in Friedrichshagen, die unter Denkmalschutz steht, ist nach wie vor arg sanierungsbedürftig. Quelle: Annett Meinke

Das Geld, das unter anderem aus einem Bundesprogramm kommt – 114 000 Euro – plus Geld von der Nordkirche und dem Eigenanteil, den der Verein aufbringen wird, ist die eine Seite.

Für den Eigenanteil sucht der Verein auch immer noch nach Sponsoren und Förderern. Was allerdings ebenso schwierig werden könnte, ist eine Firma zu finden, die die Bauarbeiten ausführt. „Wir haben bereits unsere Fühler ausgestreckt“, so Schünemann, „doch die Situation ist so, dass die Auftragsbücher der Handwerker randvoll sind. Es kann uns also passieren, dass sich der Beginn der Bauarbeiten weiter verzögert, als es uns lieb ist.“

Kultursaison startet im Mai

Dass die kleine Dorfkirche sich zunehmender Beliebtheit bei Besuchern erfreut, die zum Teil zu den Veranstaltungen kommen: „Über 500 Besucher haben die Veranstaltungen im vergangenen Jahr besucht“, so Schünemann, – aber auch als über den Sommer offene Kirche zunehmend das Interesse von Touristen weckt, war auch Gegenstand der Versammlung des Fördervereins.

Das erste Konzert des Jahres wird am 26. Mai um 17 Uhr in der Friedrichshagener Dorfkirche stattfinden. Die Schauspielerin und Sängerin Jana Kühn wird am Bajan – die osteuropäische Form des Chromatischen Knopfakkordeons – von Anton Kryukow begleitet. Im Programm „Hand auf Herz“ erklingen Chansons, werden Gedichte rezitiert und Geschichten aus aller Welt erzählt.

Jana Kühn, Schauspielerin und Sängerin. Quelle: privat

Veranstaltungen

Sonntag, 25. Mai, 17 Uhr: Konzert mit der Schauspielerin und Sängerin Jana Kühn, begleitet am Bajan (osteuropäische Form des Knopfakkordeons) von Anton Kryukov – Programm „Hand auf Herz“ – mit Chansons, Gedichten und Geschichten aus aller Welt

Pfingstmontag, 10. Juni, 17 Uhr: Konzert mit Benjamin Jäger, Kantor in Rostock, zum dritten Mal Gast an der restaurierten Winzer-Orgel

Sonntag, 23. 6. 2019, 16 Uhr: Konzert anlässlich des Kirchgemeindefestes in der Kirche Gressow mit Schülern der Kreismusikschule Carl Orff

Sonntag, 7. Juli, 17 Uhr: Konzert mit dem Chor Chortissimo aus Dresden. Unter der Leitung von Stephan Tamm präsentiert der beliebte Chor ein Programm von Klassik bis Moderne

Sonntag, 21. Jul, 17 Uhr: Konzert Echo-Ensemble aus Dresden. Erstmalig zu Gast, vier junge Herren, alles ehemalige Sänger des Dresdener Kreuzchores, A Capella-Gesang mit dem Programm „Wonderful World“

Sonntag, 25. August, 17 Uhr: Konzert „Nachtgedanken“ – eine literararisch-musikalische Reise durch die Nacht –Elisabeth Haug und das Planorbis-Quartett

Donnerstag, 19. September, 19 Uhr: Film in der Kirche aus der Filmreihe „Starke Stücke“ – berührt und diskutiert. Der Film wird noch bekannt gegeben.

Annett Meinke

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