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Nordwestmecklenburg Kitagebühren: Eltern müssen wieder tiefer in die Tasche greifen
Lokales Nordwestmecklenburg Kitagebühren: Eltern müssen wieder tiefer in die Tasche greifen
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21:02 16.02.2016
Sozialministerin Birgit Hesse bei einer Lesung in der Grevesmühlener Kita am Lustgarten, hier bleiben die Gebühren stabil. Quelle: OZ

Der DRK-Kreisverband Nordwestmecklenburg betreibt die meisten Kindertagesstätten in Nordwestmecklenburg. Insgesamt 15 Schulhorte und Kindergärten gehören zum Kreisverband. Die Eltern, deren Kinder vom DRK betreut werden, haben in diesen Tagen Post vom Träger erhalten — mit den neuen Verträgen für die Kita-Plätze. „Wir hatten Tarifverhandlungen und haben die Löhne der Mitarbeiter angepasst“, erklärt Ekkehard Giewald, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes die aktuelle Anpassung. Die „teuerste“ Einrichtung des DRK liegt direkt neben dem Sitz des Kreisverbandes in der Pelzerstraße. Dort kostet beispielsweise seit dem 1. Februar ein Ganztagskrippenplatz 382,35 Euro.

Zum Vergleich: Noch vor zehn Jahren hatte die Stadt Grevesmühlen die Kita-Plätze so stark gefördert, dass die Kosten gedeckelt waren: Ein Krippenplatz kostete 150 Euro, ein Kindergartenplatz 100 Euro. Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung musste die Stadt ihre Förderung zurückfahren, auch für die kommunale Einrichtung am Lustgarten. Die Folge: Die Gebühren liegen inzwischen über jenen der freien Träger.

„70 bis 80 Prozent der Platzkosten machen die Personalkosten aus“, so Ekkehard Giewald. „Die Entwicklung war abzusehen und sie ist auch richtig. Die Arbeit der Erzieher ist mit hohen Anforderungen verbunden, das muss entsprechend bezahlt werden.“ Die Löhne in den DRK-Einrichtungen liegen zwar immer noch unter dem Tarif, der im öffentlichen Dienst (TÖVD) gilt, „aber die Unterschiede sind geringer geworden“, so Giewald. Dass das Gehaltsgefüge angepasst wurde, hängt auch damit zusammen, dass die Zahl der Fachkräfte längst nicht mehr dem Bedarf entspricht. Zahlreiche Träger suchen händeringend nach Erzieherinnen und Erziehern für ihre Einrichtungen. „Wir brauchen eine neue Grundlage für die Kostenaufteilung“, fordert Ekkehard Giewald. „Wir können diese Spirale nicht endlos weiterdrehen.“ Die Frage sei, ob die derzeitige Kostenteilung durch Land, Kreis, Kommune und Eltern dauerhaft der richtige Weg sei.

Denn nicht nur für die Eltern dreht sich die Kostenspirale. Wie die Kreisverwaltung mitteilt, haben neben dem DRK auch andere Träger von Kindertageseinrichtungen ihre Sätze angehoben. Da der Landkreis sich an den Platzkosten beteiligt und bei sozial schwachen Familien den Elternanteil übernimmt, hat die Entwicklung auch für den Haushalt Auswirkungen. In welcher Höhe lässt sich derzeit nicht sagen.

Die Stadt Grevesmühlen investiert laut Haushaltsansatz pro Jahr knapp eine Million Euro in die Förderung der Tagespflege und der Kitas. Aktuell bleiben die Elternanteile gleich, sie wurden im vergangenen Sommer angepasst, teilt die Stadtverwaltung mit.

Laut Stadtsprecherin Regina Hacker beteiligt sich die Kommune 2016 ebenso wie 2015 mit dem gesetzlichen Anteil von jeweils 50 Prozent (wie die Eltern) an den verbleibenden Kitaplatzkosten nach Abzug der Landes- und Kreismittel. Nur die 22 Krippenplätze in der Kita am Lustgarten" werden nach einem entsprechenden Beschluss der Stadtvertretung über 50 Prozent durch die Stadt gefördert.

Kitagebühren in Grevesmühlen

2016: Kita Spatzennest (Träger DRK): Kinderkrippe ganztags - 382,35 Euro (Halbtags 218,92 Euro), Kindergarten ganztags - 187,95 Euro (Halbtags 131,39 Euro) Kita Lustgarten (Träger Stadt Grevesmühlen) Kinderkrippe ganztags 343,90 Euro (Halbtags   182,06 Euro), Kindergarten 171,98 Euro (Halbtags 109,34) 2005: zahlen Eltern in Grevesmühlen einen Ganztagsplatz in der Krippe 150 Euro, im Kindergarten 100 und im Schülerhort 73,85 Euro. Ein Teilzeitplatz für sechs Stunden Betreuung kostet in der Krippe 98 Euro, im Kindergarten 70 und im Hort 55 Euro. Diese Elternbeiträge sind unabhängig vom Träger der Einrichtung.

Familienfeundlich geht anders

Wenn eine Familie, die drei Kinder in einer Tagesstätte betreuen lässt, inklusive Verpflegung mehr als 900 Euro auf den Tisch legen muss, dann ist ein Punkt erreicht, an dem die Alarmglocken schrillen. Seit Jahren erhöhen sich die Platzkosten, die sich Land, Kommune und Eltern teilen. Die Mehrkosten werden durchgereicht, so haben sich in den vergangenen zehn Jahren die Gebühren in einigen Bereichen nahezu verdoppelt. Wie lange soll das so weitergehen?

Die Kommunen stöhnen unter der Last, die Eltern stehen vor der Entscheidung, ob ein Teil lieber zu Hause bleibt, um die Kosten zu minimieren. Das hat mit einer familienfreundlichen Politik schon lange nichts mehr zu tun. Hier ist das Land gefragt, die Finanzierung der Kindertagesstätten auf eine neue Basis zu stellen. Denn Kinderbetreuung muss bezahlbar bleiben. Im Moment ist sie das nämlich nicht mehr.

Michael Prochnow

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