Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Kleine Brötchen, große Pferde und packende Wettbewerbe
Lokales Nordwestmecklenburg Kleine Brötchen, große Pferde und packende Wettbewerbe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:50 09.03.2018
Vor dem Gutshaus der Familie Nölck: Frank und Gerlinde Rudolph mit Crizzly As, die schon einen zweiten Platz bei der Landeselitestutenschau belegt hat.
Oberhof

Seit der aus Sachsen-Anhalt stammende Frank Rudolph 1982 nach Oberhof kam, hat er auch mit Pferden zu tun. Galt es damals beim Volkseigenen Gut Oberhof, die Pferdezucht aufzubauen und Kinder über die Sektion Pferdesport für die Landwirtschaft zu begeistern, sind Rösser seit 1992 für ihn auch Grundlage seines privaten Unternehmens.

Pferdehof Rudolph und PSV Blau-Weiß in Oberhof Seite an Seite.

Die Serie

Jede Woche stellen die LN ein Dorf aus dem Landkreis vor. Dabei werden Geschichten von Menschen erzählt, die dort leben, über Veränderungen berichtet, die sich vollzogen haben, über die Sorgen der Einwohner, was sich entwickelt hat oder noch entwickeln soll. Reinstorf ist im nächsten Teil an der Reihe.

„Alles, was Geld kostete, musste weg“, charakterisiert der 60-Jährige die Situation nach der Wende, als der Pferdewirtschaftsmeister, der heute auch im Besitz einer Trainer B-Lizenz ist, den Sprung ins kalte Wasser wagte. 18 Pferde wurden gekauft, Stallungen und Koppeln gepachtet, Wagen und Kutschen erworben. Noch heute bewegt er sich auf Pächters Füßen auch den jetzigen Eigentümern gegenüber, mit denen er gut auskommt. Als gute Kombination habe sich inzwischen für ihn und den Landwirt erwiesen, dass auf dem Hof der Familie Nölck auch Ferienwohnungen vermietet werden. Fazit Frank Rudolphs nach über 25 Jahren Reiterhof: „Lieber kleine Brötchen backen und überleben, als hohe Kredite aufzunehmen und es wird nichts draus.“ Manch anderer Hof musste aufgeben, sinniert Frank Rudolph. Über mangelnden Zuspruch könne er sich nicht beklagen, für den Kinder-Reitunterricht gäbe es sogar eine Warteliste.

Der Pferdehof Rudolph setzt mit Reitunterricht, Pferdepension und Zucht auf drei Standbeine. 2014 ist auch Tochter Gerlinde (34) in den Betrieb eingestiegen. Die gelernte Tierarzthelferin und Inhaberin des Trainer C-Scheines arbeitet als Reitlehrerin und reitet auch die Jungpferde aus der Mecklenburger Warmblutzucht des Vaters ein. Der macht aber nicht viel Aufhebens von seiner Arbeit, erzählt erst auf Nachfrage von Siegerstuten bei der Landeselitestutenschau und dass ein Tier aus seiner Zucht es beim Springreiten in der Mannschaft mit Christoph Maack aus Kirch Mummendorf zur Europameisterschaft gebracht hat.

Eng verbunden ist der Pferdehof auch mit der Entwicklung beim 40 Mitglieder zählenden Pferdesportverein (PSV) Blau-Weiß Oberhof. Frank Rudolph hat den Vorsitz inne. Dass die Voltigierer mit Rudolphs ehemaliger Partnerin Ines es einst bis zur DDR-Vizemeisterschaft gebracht haben, dürfte vielen noch bekannt sein. Heute sorgen die PSV-Leute mit dem Reitertag im Mai und dem Reitturnier am ersten Sonnabend im September für zwei herausragende gesellschaftliche Ereignisse im Ort. Beim Reitertag gehen am 12. Mai wieder Kinder und Jugendliche ohne Leistungsklassen an den Start. Im Herbst werden um die 400 Nennungen für die Wettkämpfe zwischen Führzügelwettbewerb sowie Dressur- und Springprüfungen der Klasse M erwartet.

Und wie geht es auf dem Reiterhof weiter? Irgendwann möchte Frank Rudolph nur noch Hausmeister sein, sagt er mit Blick auf die Zwillingstöchter Gerlinde und Ina. Auch Ina ist gelernte Pferdewirtin, arbeitet aber derzeit in der Region Hamburg.

Oberhof geht nicht ohne Biathlon

Oberhof und Biathlon ist eine seit Jahren zusammengehörende Verbindung. Während bei der Wintersportart alle an das Oberhof in Thüringen denken, macht sich der Klützer Ortsteil seit 2014 einen Namen beim Sommerbiathlon. Die „Cross-Skater“ machen auf ihrer fünf Stationen umfassenden Deutschlandtour auch Halt in Oberhof an der Ostsee. „In diesem Jahr werden wir wieder Austragungsort und Abschlussveranstalter der Deutschlandtour 2018 sein“, kündigt Margret Rudolph vom Organisationsteam an. Vom 14. bis 16. September gehen die Teilnehmer in den Disziplinen 7,5 Kilometer Einzel (zwei verschiedene Klassen), 7,5 Kilometer Mix und 15 Kilometer an den Start. Bei allen Rennen wird jeweils zwei Mal liegend und stehend mit Lasergewehr geschossen.

„Ohne die Bewohner von Oberhof – hier besonders Familie Nölck, die ihr Anwesen für die Wettkämpfe zur Verfügung stellt, und die ,Dorffrauen’, welche für eine sehr leckere Verpflegung sorgen – würde es nicht so erfolgreich von den Aktiven aus ganz Deutschland und den Gästen angenommen werden“, meint Margret Rudolph. Auch das thüringische Pendant ist Austragungsort der Sommerbiathleten.

Aber: Im Vorjahr zählten die Veranstalter im Klützer Ortsteil bereits mehr Anmeldungen. heid

Sagenwelt: Der Tod des Freiherrn

Einer der Besitzer des Gutes Oberhof war ein Freiherr von der Lühe. Von ihm wird erzählt, dass ihm bestimmt war, dass er stets vor Sonnenuntergang wieder zu Hause sein müsste. Daran hielt sich auch der Herr. Eines Tages fuhr er mit Pferd und Wagen nach Grevesmühlen, aber mit der Heimkehr verspätete er sich. Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, sodass er seine Pferde zur Eile antrieb.

Als er aber auf dem Weg von Bössow nach Wohlenberg das „Torfmoor“ an der Oberhofer Feldscheide erreichte, brachen Pferd und Wagen zusammen, wobei der Freiherr von der Lühe zu Tode kam.

Quelle: E. Redersborg „Die Ortsteile der Stadt Klütz“

88-Jähriger seit 1940 im Ort

Wenn Kasimir Iwanski sich heute auch nur noch mit Kaninchen-, Hühner- und Bienenzucht auf dem eigenen Gehöft beschäftigt, zu Zeiten des Volkseigenen Gutes Oberhof hat er größere Brötchen gebacken. Da nämlich war der heute 88-Jährige, der als der älteste Einwohner des Ortes gilt, zuständig für die Rinderzucht. Auch seine Frau Luise (84) arbeitete im Betrieb, hatte mit der Kälberaufzucht zu tun.

Der Pferdeknecht, der vor Ende des Zweiten Weltkrieges noch für den Gutsbesitzer gearbeitet hat, qualifizierte sich, durfte sich dann später sogar Meister der Rinderzucht nennen. Zu Hoch-Zeiten des Gutes hatten die Oberhofer als Tierzuchthauptgut sogar Aufgaben für die sozialistische Staatengemeinschaft innerhalb des Rates der gegenseitigen Wirtschaftshilfe übernommen, hielt Chronist Eckart Redersborg in diesem Zusammenhang fest. Und Kasimir Iwanski erzählt von den Schwarzbunten, die in Oberhof gehalten worden waren. Sie sind seiner Erinnerung nach ab Anfang der 1960er Jahre durch Einkreuzung von in Dänemark erworbenem Jersey-Rinder-Sperma zu einer noch leistungsfähigeren Rasse mit höherem Milchfettgehalt gezüchtet worden.

Kasimir Iwanski lebt seit 1940 in Oberhof. Er hat Johannes Martienßen und dessen Sohn Hans-Henning Martienßen noch als letzte Gutsbesitzer vor Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt. Jemals wegzugehen aus Oberhof, war nie Thema für den Ältesten im Ort. „Ich bin hier bodenständig geworden, habe eine berufliche Perspektive gehabt, hier geheiratet und auch unsere beiden Töchter sind hier groß

geworden“, sagt der inzwischen dreifache Großvater, der auch schon ein Urenkelkind hat. Außerdem schwärmt er von der Ostsee, die er vor der Tür hat und will – mit seinem Besuch schon am Gartentor – eigentlich noch erzählen, wie kompliziert es war, nach 1945 zu überleben . . .

Bekannte Gesichter aus Oberhof

Sie sind bekannte Gesichter aus der Verwaltung: Er ist Amtsvorsteher für den Klützer Winkel, sie ist die Sprecherin für den Landkreis Nordwestmecklenburg.

Und sie leben in Oberhof. Die Rede ist von Gerhard und Petra Rappen. Seit 1986 wohnt das Ehepaar im Klützer Ortsteil. „Und im Normalfall wollen wir auch gern in Oberhof bleiben“, sagen die Rappens.

„Es ist ruhig, wir haben die Ostseenähe und viel Natur, wo hat man das schon?“

Beide kommen ursprünglich aus dem Schönberger Raum. Der diplomierte Landwirt und die ausgebildete Journalistin lernten sich Ende der 1970er Jahre kennen. Wenig später suchte das Paar einen Bauplatz.

„In Oberhof haben wir die Möglichkeit bekommen“, erzählt Gerhard Rappen, der damals in Christinenfeld in einer Außenstelle des Instituts für Futterpflanzenzüchtung arbeitete. Seine Frau war einst bei der Zeitung „Der Demokrat“ für den Bereich Wismar und Grevesmühlen zuständig. „Oberhof hat uns damals günstige Arbeitswege geboten“, so Petra Rappen.

Das ist auch jetzt noch der Fall. Seit dem 1. August 1990 ist sie Kreissprecherin – erst für Grevesmühlen, mittlerweile für Nordwestmecklenburg. Zudem ist sie stellvertretende Bürgermeisterin in Klütz. Ihr Ehemann war nach der Wende Vize-Landrat und ist seit Juni 2016 als Amtsvorsteher tätig.

Das Ehepaar hat Radlern und Wanderern an der Landesstraße 01 einen kleinen Rastort gestiftet. Eine Holzbank lädt zur Pause ein und bietet den Rastenden einen weiten Blick über Felder und Bäume hinweg auf die Wohlenberger Wiek. „Man kann sogar die Insel Poel sehen“, sagt Gerhard Rappen. heid

Zahlen und Geschichte

„Superior villa Tarnevitz“ (Oberes Dorf Tarnevitz) lautete die Bezeichnung, unter der Oberhof als Siedlung bereits 1230 im Ratzeburger Zehntenregister erwähnt wurde. Später taucht „Obertarnewitz“ als Bauerndorf auf, nach 1582 soll der Name „Oberhof“ oder „oberhoff“ üblich gewesen sein. Das heutige Oberhof als Herrensitz soll erst Ende des 18. Jahrhunderts errichtet worden sein. Heute gehört der Ort zu Klütz.

Von seiner Einwohnerzahl her soll Oberhof in den zurückliegenden gut 200 Jahren immer zu den größten Dörfern im Klützer Winkel gehört haben. 1857 zum Beispiel wohnten auf Hof und Schmiede Oberhof bereits 172 Personen, 1946 waren es 427. Aktuell leben mit Stichtag 21. Februar 2018 dort 191 Menschen.

Das Gutsdorf hat eine wechselvolle Geschichte u. a. als Lehngut, als Versorgungsgut der Roten Armee und als volkseigenes Gut (VEG) hinter sich. Auf der Obstplantage wurden seit 1953 die Sorten Boskop und Ontario angebaut. Seit 2000 ist das Landgut im Besitz der Familie Nölck.

Quelle Historie: „Die Ortsteile der Stadt Klütz“ von Eckart Redersborg

coro Cornelia Roxin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Meine Frau ist noch berufstätig, und mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf“, sagt Harald Hoffmann.

08.03.2018

Der Jugend-, Kultur- und Freizeitverein Dassow lädt alle Frauen aus der Stadt und ihren Ortsteilen zur Frauentagsfeier ein. Sie steigt morgen Nachmittag um 14 Uhr in der Dornbuschhalle.

08.03.2018

Von Autos bis Fensterrollläden, von Pflanzen bis Mode, von Wein bis Fitnessgeräten / Bis Sonntag präsentieren sich 270 Aussteller.

08.03.2018