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Nordwestmecklenburg Klützer sollen dritte Umgehung fordern
Lokales Nordwestmecklenburg Klützer sollen dritte Umgehung fordern
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21:55 26.07.2018
Kommen Erntezeit und die Ströme der Urlauber zusammen, bilden sich in den engen Straßen von Klütz häufig Staus in der Innenstadt. Quelle: Foto: Malte Behnk
Klütz

Die Ernte zeigt es: Die Durchgangsstraße in der Klützer Innenstadt ist sehr eng. Traktoren, Mähdrescher, Lastwagen und eine große Menge Urlauberautos schieben sich Tag für Tag von der Lübecker Straße, die Rudolf-Breitscheid-Straße entlang am Markt vorbei in die Wismarsche Straße. Ebenso ist es in entgegengesetzter Richtung. Vor allem für die Landwirte und Lkw-Fahrer bedeutet die Durchfahrt Stress auf den engen Kopfsteinpflasterstraßen.

Große Fahrzeuge müssen oft über den Fußweg fahren.Wulf-Hinrich Clewe, Anwohner

„Wie können wir den Bau einer weiteren Umgehung anstoßen?“, hatte Stadtvertreter Peter Ellenberg zum Ende der jüngsten Stadtvertretersitzung gefragt. „Im Hintergrund laufen bereits Gespräche“, hatte Bürgermeister Guntram Jung darauf entgegnet. Bislang bewege sich aber nicht viel.

„Leidtragende sind die direkten Anwohner“, sagte Jung. „Vielleicht würde eine Unterschriftensammlung von ihnen mehr Gewicht haben.“ Bürger könnten dem Verkehrsministerium auch Druck machen, indem sie den Bürgerbeauftragten oder den Petitionsausschuss über das Thema informieren.

Ein erstes Stück der Klützer Ortsumgehung war bereits von 1988 bis 1990 von der Einfahrt in die Schloßstraße bis zur katholischen Kirche gebaut worden. Die dortige Kreuzung der Landesstraßen 03 und 01 wurde mit dem 2011 begonnenen Bau des zweiten Teils der Umgehung zum Kreisverkehr umgebaut. Dieses zweite Stück der Ortsumgehung führt von der katholischen Kirche zum zweiten Kreisverkehr an der Boltenhagener Straße, die dann zum Ostseebad führt. Die beiden Abschnitte der Ortsumgehung nehmen aber hauptsächlich den Verkehr von Grevesmühlen zur Ostsee und umgekehrt auf. Für die Fahrzeuge, die in Ost-West-Richtung aus Kalkhorst oder Christinenfeld kommend die Stadt durchqueren, gibt es bislang keine Lösung.

Ein drittes Teilstück, um die Innenstadt deutlicher zu entlasten, wäre nordwestlich von Klütz denkbar. Dort müsste aber eine Brücke über den Klützer Bach gebaut werden, was mit hohen Kosten verbunden sein könnte. Auch südwestlich wäre eine Straße denkbar. Sie müsste aber ebenfalls den Klützer Bach überqueren. Zudem würde sie die Festonalle bei Schloss Bothmer durchschneiden. In beiden Fällen müsste auch mit Besitzern von landwirtschaftlichen Flächen verhandelt werden.

Anwohnern der Rudolf-Breitscheid-Straße würde der Bau einer zusätzlichen Umgehung sehr gefallen. „Ich habe sogar schon einmal Unterschriften dafür gesammelt, die sind aber wohl irgendwo untergegangen“, sagt Ulla Pertiller (79), die ihr ganzes Leben im fast 300 Jahre alten Haus ihrer Familie verbracht hat. Trotz einiger Sanierungen zeigen sich auch in ihrer Tapete im ersten Stock Risse. „Die kommen vom Verkehr“, sagt die Seniorin, und wie bestellt fährt ein Lastwagen auf dem Kopfsteinpflaster vorbei und lässt den Fußboden beben. „Wenn große Busse vorbeifahren, klappert das Geschirr in der Küche“, sagt Ulla Pertiller. Traktoren hingegen würden weniger Lärm und Erschütterungen verursachen. Allerdings sei vor kurzen, als sich zwei große Fahrzeuge entgegenkamen schon wieder die Straßenlaterne vor ihrem Haus umgefahren worden.

Auch Familie Clewe, die eine Pension an der Rudolf-Breitscheid-Straße betreibt und auch direkt an der Straße wohnt, wünscht sich eine Umgehung für den Ost-West-Verkehr. „An der Mühle könnte sie gut vorbeiführen“, plädiert Wulf-Hinrich Clewe für eine nördliche Route. „Die Fahrzeuge werden ja immer größer“, sagt er und meint sowohl die Traktoren und Maschinen der Landwirte als auch Lastwagen und Wohnmobile. „Wenn sich zwei große begegnen, müssen sie über den Fußweg fahren. Da ist schon einiges kaputt“, sagt Clewe und zeigt vor seinem Haus einige Platten, die sich abgesenkt haben. Die Landwirte selber könnten wenig für die Verkehrsbelästigung. „Für sie gibt es ja keinen anderen Weg, als mitten durch Klütz“, sagt Clewes Sohn Matthias. „Viele fahren schon langsam und nehmen Rücksicht.“

An einer Unterschriftenaktion, um das Land zum Bau einer Umgehung zu bewegen, würden sich Clewes und auch Ulla Pertiller sofort beteiligen. „Die meisten Anwohner der Breitscheid-Straße wären bestimmt dabei“, ist sich Pertiller sicher.

Malte Behnk

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