Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Kreative Ideen für Müther-Platz in Binz
Lokales Nordwestmecklenburg Kreative Ideen für Müther-Platz in Binz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 03.02.2018
Die mexikanischen Studentinnen Meredith Gomez, Valeria Ibarra und Alma Pena (v. l.) haben Sitzobjekte entworfen, die beleuchtet werden können. Ihre Modelle stellten sie im 3D-Druckverfahren her, was insgesamt sieben Stunden in Anspruch nahm. Quelle: Foto: Haike Werfel
Wismar

Masterstudenten der Hochschule Wismar haben im Wintersemester Konzepte zur Neugestaltung des Ulrich-Müther-Platzes in Binz entworfen. Damit will das Ostseebad seinen berühmten Sohn in besonderer Weise würdigen. Müther gilt als Experte für Betonschalen. Ein von ihm geschaffener, als Ufo anmutender Turm am Strand von Binz ist erhalten und wird derzeit saniert. Unweit davon erinnert auf dem etwa zehn mal acht Meter großen, gepflasterten Platz bislang nur eine Tafel an den international bekannten Baumeister.

„Er soll künftig sofort als Ulrich-Müther-Platz zu erkennen sein“, nennt Professor Matthias Ludwig das Ziel der Semesterarbeiten. Die 13 künftigen Produktdesigner, Architekten und Innenarchitekten stellten im November sechs erste Entwürfe vor. Die haben sie nun verfeinert, nachdem sie vor Ort gewesen sind. Jetzt wurden sie präsentiert und bewertet.

Mit dabei war auch Kai Gardeja, Kurdirektor in Binz. „Es ist total inspirierend, was die kreativen Köpfe an Ideen hervorgebracht haben“, lobte er. Die Note müsse letztlich aber nicht konform sein mit der Entscheidung der Gemeinde Binz, welchen Entwurf sie für angemessen hält. Im nächsten Jahr soll er umgesetzt werden.

Zum Beispiel Sitzobjekte, die nachts beleuchtet werden können. Die drei Studentinnen aus Mexiko ließen sich unverkennbar von den Schalenbauten Müthers inspirieren. In ihre im Durchschnitt drei Meter großen Sitzschalen können sich Passanten auch reinlegen, um ein Buch zu lesen. Sie laden ebenso zum Picknick machen ein.

Für eine Rauminstallation zwischen dem Müther-Platz und dem Strandturm haben sich zwei Studenten aus dem Iran entschieden. Sie schlagen vor, 50 unterschiedlich große Stelen im Dünenbereich aufzustellen. Diese sollen an Müthers 50 sogenannte, noch erhaltene „Hypar-Schalenbauten“ erinnern. Jede Stele wird mit Informationen zu diesen Bauwerken versehen. Da sich jede Stele-Konstruktion der Schalen-Geometrie des Baumeisters anpasst, ergeben alle 50 zusammen ebenfalls eine imaginäre Schale.

Eine Wegverbindung vom Müther-Platz zum Strandturm sieht das Konzept von zwei Studenten aus Malaysia vor. Dafür verwenden sie 74 Kuben. Jeder Kubus steht für einen der insgesamt 74 Bauten, die nach Entwürfen des Binzer Bauingenieurs errichtet wurden. Der untere Teil soll aus Beton, der obere aus Acryl gefertigt werden.

Das Besondere: Der obere Teil soll eine Schalenform von Müther nachvollziehen, beispielsweise das Dach der Schwimmhalle vom Cliff Hotel Sellin, laut Professor Ludwig eine der schönsten Müther-Konstruktionen überhaupt. Oder das achtschalige Dach des Restaurants „Seerose“ in Potsdam. Zudem wollen die Studenten jeden Kubus mit einem QR-Code versehen, der – mit dem Smartphone abfotografiert – Auskunft über einen Müther-Bau gibt.

„Ein schönes Modell“, stellte Kurdirektor Kai Gardeja fest, „und flexibel. Es kann allmählich umgesetzt werden und wachsen.“ Zudem seien die Kuben transportabel und könnten auch an anderer Stelle auf der Insel Rügen aufgestellt werden.

Eine architektonisch-künstlerische Informations-Installation hat ein deutscher Student mit einem Kommilitonen aus Bangladesh erdacht. Die Holzkonstruktion zwinge den Passanten vom Müther-Platz in Richtung Strandturm zu sehen. „Eine installatorische Reise“nennen die beiden Architekturstudenten ihren Entwurf. An den Holzwänden wollen sie Informationen zu Müther eingebrennen.

Ein weiteres Gestaltungskonzept sieht einen Müther-Garten vor. Er soll aus „exotischen“ Blüten bestehen, für die die Müther-Schalenkonstruktionen Vorbild sind.

Nicht zuletzt entwarf eine Produktdesign-Studentin ein weiteres Sitzmöbel. Die Sitzfläche aus Beton ist ebenfalls der Müther-Schale nachempfunden, darunter ist eine Stahlkonstruktion montiert. In einem QR-Code sind ebenfalls Informationen zum Baumeister verschlüsselt. „Etwas, was Schwung bringt“, hat die Studentin ihre Idee betitelt: „Denn Müther war mehr als ein großer Architekt.“

Berühmt für Schalenbauten wie der „Teepott“

Ulrich Müther, geboren 1934 und gestorben 2007 in Binz auf Rügen, war ein Bauingenieur und Bauunternehmer. Mit seinen spektakulären Schalenbauten – wie der Teepott in Warnemünde – erlangte er internationale Aufmerksamkeit.

74 Bauten wurden errichtet, rund 50 sind erhalten. Davon stehen 14 auf Rügen.

Das Müther-Archiv hütet die Fakultät Gestaltung an der Hochschule Wismar.

Haike Werfel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine Fünf in Englisch muss nicht sein: Der Verein Freundschaftsclub organisiert seit 1986 Schülersprachreisen nach England. Der nächste Kurs findet vom 24. März bis 8.

03.02.2018

Wismarer Markt- und Eventhalle hat 2018 ein volles Programm.

03.02.2018

Das Archäologische Freilichtmuseum lädt Familien ein.

03.02.2018
Anzeige