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Kreistag sucht Position zur Windenergie

Energiedebatte im Landkreis: Ärger um Windkraftkriterien, Grevesmühlen setzt auf Photovoltaik. Kreistag sucht Position zur Windenergie

Argumente für und wider kommen von allen Seiten. Doch ein klarer Standpunkt fehlt.

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Mit einem Kran wurden die Solarplatten auf das Dach der Ploggenseeschule gehoben.

Quelle: Foto: Schmidt

Grevesmühlen. Soviel steht fest, eine schnelle Lösung wird es in der Debatte um die Ausweisung neuer Windeignungsgebiete in Nordwestmecklenburg nicht geben. Der Regionale Planungsverband hat den Landkreis aufgefordert, sich zu den Kriterien für weitere Eignungsgebiete zu äußern. Doch das gestaltet sich schwierig, wie während einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und Tourismus-Ausschusses und des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft des Kreistages deutlich wurde. Eine Beschlussvorlage für den Kreistag gibt es immer noch nicht.

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Mit einem Kran wurden die Solarplatten auf das Dach der Ploggenseeschule gehoben.

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Allerdings diskutierten die Abgeordneten angeregt über den Ausbau regenerativer Energien im Nordwestkreis. „Die schöne Natur und den sanften Tourismus wollen wir bewahren. Dazu gehören der Klützer Winkel, die Landschaftsschutzgebiete und das Biosphärenreservat“, sagte Landrätin Birgit Hesse (SPD) zu Beginn der Sitzung. In der Vorlage zur Sitzung hatte die Verwaltung ausgearbeitet, dass der Kreistag dem Regionalen Planungsverband vorschlagen solle, Abstandsvorgaben auszuweiten. So wäre im Außenbereich ein Abstand von 1000 statt bisher 800 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten. Gebiete, die dem Wohnen, der Erholung und dem Tourismus dienen, sollen eine Pufferzone von 1500 Metern bekommen. Gleiches wäre für Vogelschutzgebiete und das Biosphärenreservat angesetzt, wo bislang ein Abstand von 500 Metern gilt. Auch zu Landschaftsschutzgebieten soll ebenso wie zu regional besonderen Landschaftsräumen und Tourismusschwerpunkträumen ein Abstand von 2000 Metern eingehalten werden.

„Damit verbleiben etwa zehn Flächen, die noch auszuweisen wären“, sagte der Vorsitzendes des Wirtschaftsausschusses Heiner Wilms und betonte, dass der Landkreis keine Verhinderungsplanung betreiben dürfe. Michael Roolf, stellvertretendes Mitglied im Wirtschaftsausschuss, mahnte: „Wir sollten uns auch mit der wirtschaftlichen Nutzung der Eignungsräume beschäftigen. Wir müssen dabei mehr über Leistung und weniger über Flächen diskutieren. Das zu großzügige Ausweisen von Flächen hat Schleswig-Holstein tausende Urlauber gekostet. Wir müssen über neue, effektivere Speichermöglichkeiten und sinnvolle Leitungsnetze sprechen.“

Auch Betreibermodelle wurden kritisch angesprochen. So hieß es aus der Runde: „Der Strom wird zwar hier produziert, aber nicht wir produzieren die Energie — das sind Anlagenbauer und -betreiber in Bayern und Baden Württemberg.“ Gertrud Cordes mahnte, den Landkreis nicht allein als Standort für Energieanlagen zu betrachten: „Tourismus und Windenergieanlagen passen nicht zusammen“, sagte die Gastronomin. „Urlauber kommen zum Radfahren, nicht nur zum Baden. Die Städter wollen in der Natur liegen und den Piepmatz hören.“ Ein Energiemix aus unterschiedlichen regenerativen Angeboten ergäbe aus ihrer Sicht Sinn und würde sowohl von Urlaubern als auch Einheimischen akzeptiert. Jörg Altmann (Grüne) fügte hinzu: „Manchmal ist etwas weniger Energie vielleicht auch gut, wenn dafür der Seeadler hier bleibt. Die Touristen suchen hier die Ursprünglichkeit und sind auch bereit, dafür eine Menge Geld hier zu lassen.“

Der Regionale Planungsverband will im Oktober über das Thema informieren.

Stromsparen durch Sonnenlicht
Die Stadt Grevesmühlen hat in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule am Ploggensee investiert. Etwa 64 000 Euro hat die Anlage gekostet, die in den vergangenen Tagen installiert worden ist. Zuvor hatte die Stadt vergeblich versucht, die Dachflächen an Investoren zu vermieten. Aufgrund der deutlich gesunkenen Einspeisevergütungen — statt über 30 Cent pro Kilowattstunde gibt es nur noch etwa 16 Cent — hatte sich niemand gemeldet.

Wie Bürgermeister Jürgen Ditz erklärte, sei die Investition auf dem Schuldach eine Investition in die Zukunft. Denn die Stadt zielt weniger auf die Einspeisevergütung ab, wie es private Investoren tun, sondern auf den Einspareffekt. Rund 4700 Euro an Stromkosten will die Stadt pro Jahr durch die selbst erzeugte Energie einsparen. Gleichzeitig rechnet die Verwaltung damit, dass für 1300 Euro Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden kann.

Dass sich die Investition, die zu 75 Prozent kreditfinanziert ist, auch rechnet, basiert auf dem Leitungsnetz in diesem Bereich der Stadt. Denn die Photovoltaikanlage speist den Strom nicht nur ins Netz der Ploggenseeschule ein, sondern auch in jenes der Wasserturmschule und der Sporthalle. „Wir haben das im Vorfeld prüfen lassen“, so Jürgen Ditz. „Die Hauptverteilung für alle drei Gebäude sitzt in der Ploggenseeschule, so dass die Energie der Anlage auch direkt für die Häuser genutzt werden kann.“ Wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, dann hätte die Stadt auf die Investition verzichtet.

Mit einem Kran wurden in der vergangenen Woche die Solarplatten aufs Schuldach gehoben — wo sie auch sicher vor Diebstählen sind.

Michael Prochnow Malte Behnk

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