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Nordwestmecklenburg Kreisverwaltung fährt jetzt elektrisch
Lokales Nordwestmecklenburg Kreisverwaltung fährt jetzt elektrisch
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20:48 09.11.2017
Verwaltungsmitarbeiter Peter Hamouz (links) und Burghard Bohm mit Landrätin Kerstin Weiss vor den E-Fahrzeugen. FOTOS (2): M. PROCHNOW

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) muss noch eine Weile warten, bis sie ihr grünes Gewissen beruhigen kann. Den jüngsten Versuch, auf einen umweltfreundlichen Dienstwagen umzusteigen, hat sie abgebrochen. „Die Ausschreibung hatte ergeben, dass nach den Kriterien nur ein Audi Q 7 angeboten würde, aber das ist dann doch eine Nummer zu groß für eine Landrätin“, kommentierte sie den Versuch, auf ein Hybrid-Fahrzeug umzusteigen: „Aber am Ziel halten wir dennoch fest – die Fahrzeugflotte der Kreisverwaltung soll auf umweltfreundliche Autos umgestellt werden.“

Fahrzeugflotte soll auf umweltfreundliche Autos umgestellt werden.

Die Fakten

47 Elektrofahrzeuge gibt es aktuell in Nordwestmecklenburg. Das erste wurde 2011 zugelassen, die meisten Zulassungen gab es 2017 mit 24.

26 Dienstfahrzeuge besitzt die Kernverwaltung des Landkreises – elf in Wismar, 15 in Grevesmühlen. Pro Monat sind die Mitarbeiter damit 34000 Kilometer unterwegs.

Der Anfang ist zumindest gemacht, seit einigen Tagen rollen die Fachdienste von Burghard Bohm (Bau- und Gebäudemanagement) und Peter Hamouz (Bauordnung) mit BMW i3 durch die Gegend. Die Elektrofahrzeuge haben eine Reichweite von knapp 30 Kilometern und haben es innerhalb kurzer Zeit geschafft, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. „Erst wollte niemand damit fahren, nachdem die Kollegen es ausprobiert haben, ist aber die Nachfrage riesig“, berichtet Burghard Bohm. Ein dritter BMW wird in den nächsten Wochen geliefert, im kommenden Jahr sollen weitere Fahrzeuge ersetzt werden. Dann allerdings mit VW-Modellen. „Dass wir jetzt BMW fahren, hängt mit der Ausschreibung zusammen“, erklärt Burghard Bohm: „Die Leasingrate von BMW war einfach das günstigste Angebot zum Zeitpunkt der Ausschreibung.“

Getankt wird übrigens in den Garagen an der Malzfabrik, die E-Zapfsäule vor dem Gebäude bleibt auch weiterhin frei und vor allem kostenlos zugänglich für alle privaten Nutzer. Auch wenn sich deren Zahl in sehr überschaubaren Grenzen hält – kreisweit sind gerade einmal 47 E-Fahrzeuge gemeldet. Tendenz stagnierend. Denn für Privatleute stimmt das Kosten-Nutzungsverhältnis schlichtweg nicht. Die Fahrzeuge sind trotz der Förderung durch den Bund teurer als normale Autos, der Energieverbrauch in Sachen Strom entspricht dem Gegenwert, was ein Diesel oder Benziner verbraucht.

„Für uns geht es darum, ein Zeichen zu setzen“, beschreibt Landrätin Kerstin Weiss den Hintergrund. Auch wenn die Ökobilanz eines E-Fahrzeuges – dazu gehört beispielsweise der gesamte Aufwand bei der Herstellung – nach wie vor bescheiden ist, für den Landkreis macht die Anschaffung durchaus Sinn. „Denn der Strom, den wir beziehen, ist zu 100 Prozent grüner Strom“, so Burghard Bohm. Bedeutet: Der Stromverbrauch der Kreisverwaltung wird komplett aus erneuerbaren Energien gedeckt.

Dass die Technik der E-Fahrzeuge noch längst nicht ausgereift ist, das mussten die Mitarbeiter der Kreisverwaltung in den vergangenen fünf Jahren lernen. 2015 wurde ein Fiat mit Elektro-Antrieb angeschafft, der die Standorte in Wismar und Grevesmühlen verbinden sollte. Die gerade einmal 22 Kilometer brachten Akkus und schließlich auch die Fahrer an ihre Grenzen. „Dass es Probleme gab, lässt sich nicht bestreiten“, räumt Kerstin Weiss ein: „Aber das war eine andere Generation. Unser Ziel ist es, beim Umwelt- und Klimaschutz mit Beispiel voranzugehen.“

Erst vor zwei Wochen hatte die OZ zu einem Forum ins Grevesmühlener Vereinshaus eingeladen. Das Thema: Elektromobilität. Die Vertreter der großen Autohäuser in Grevesmühlen waren sich einig darüber, dass die Technologie durchaus Chancen bietet. Aber die Speicherung der Elektroenergie bis heute eines der ungelösten Probleme sei. Die Reichweite von bis zu 300 Kilometern, die inzwischen möglich sei, reiche bei weitem nicht für die Praxis.

Michael Prochnow

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