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Nordwestmecklenburg Krieg unter Nachbarn: Polizei musste mehrfach anrücken
Lokales Nordwestmecklenburg Krieg unter Nachbarn: Polizei musste mehrfach anrücken
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20:16 03.03.2016

Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung. Kopfschüttelnd hört sich Kerstin J. aus Dassow die Vorwürfe an, die die Staatsanwältin aus der Anklageschrift vorliest. Die 47-jährige Hartz IV-Empfängerin sitzt allein auf der Anklagebank des Amtsgerichts Wismar. Einen Anwalt hat sie nicht dabei. Überhaupt ist sich die gelernte Rinderzüchterin keiner Schuld bewusst. Vielleicht habe sie mal das eine oder andere derbe Wort benutzt, das die Staatsanwältin gerade wiedergibt, aber das auch nur, weil sie es nicht hinnehmen wollte, dass ihre Nachbarin G. im Mehrfamilienhaus immer laut Musik hört. Und das oft bis in die späte Nacht hinein. Aber nie im Leben habe sie die Tür besagter Nachbarin beschädigt. Wie solle das auch gehen, entgegnet sie Richter Hinrich Dimpker. Schließlich habe sie zu der Zeit eine Handverletzung gehabt.

Drei Vorfälle hatte G. zur Anzeige gebracht. Bereits im September 2014 soll Kerstin J. kurz vor 23 Uhr stark alkoholisiert — den Atemalkoholwert bestimmt die Polizei mit 2,15 Promille — gegen die Wohnungstür von G. getreten und geschlagen haben, sodass diese aufsprang und gegen eine andere Tür schlug. Dabei sei die Klinke derart beschädigt worden, dass sich die Tür nicht mehr schließen ließ.

Soweit die Schilderungen von G.. Kerstin J. gibt den Tag ganz anders wieder. „Sie hat die Tür selber eingetreten, weil sie den Schlüssel in der Wohnung vergessen hatte“, sagt sie aus. Das sei aber nicht an besagtem Tag gewesen, sondern erst einige Zeit später. Auf den Hinweis des Richters hin, dass die herbeigerufenen Polizisten aber an jenem Abend den Schaden aufgenommen hätten, hat die Angeklagte eine passende Antwort: „Dann hat der Polizist eine Falschaussage gemacht.“

Fünf Monate später sei es im Hausflur zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen, so G.. Kerstin J., wieder stark alkoholisiert, soll sie mit den übelsten Wörtern herabwürdigend beschimpft haben.

Auch das sei so nicht wahr, widerspricht die Angeklagte. Eine Woche später sei die Drohung „Ich stech‘ dich ab...“ seitens der Angeklagten — wieder stark alkoholisiert — ausgesprochen worden. Selbst als die Polizei eintraf, habe sie laut Zeugin nicht mit den Beschimpfungen aufgehört. Hier räumt die Angeklagte ein: „Das kann schon möglich sein. Wenn jemand so einen Lärm wie sie macht, dann soll ich das so hinnehmen, oder was?“

Die Polizei musste öfter anrücken, das bestätigt auch der ehemalige Mieter E., der im vergangenen Jahr nach eigener Aussage wegen der Angeklagten ausgezogen ist. „Meine Kinder hatten Angst vor ihr“, schildert er. Er habe nicht gesehen, dass die Angeklagte die Wohnungstür der Mieterin G. eingetreten hat, „aber ich habe es knallen hören. Meine Kinder sind durch den Lärm im Hausflur aufgewacht und haben geweint“, erzählt er. Er wollte gucken, was sich im Flur abspielt. Er habe versucht, J. zu beruhigen und wollte sie in ihre Wohnung begleiten. „Und dann kam auch schon die Polizei und sie schimpfte immer weiter“, so E..

Die eingesetzten Polizeibeamten sollen in der Fortsetzungsverhandlung gehört werden: am 16. März um 14 Uhr.

Von Jana Franke

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