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Nordwestmecklenburg „Kühe gehören zu unserem Leben – 365 Tage im Jahr“
Lokales Nordwestmecklenburg „Kühe gehören zu unserem Leben – 365 Tage im Jahr“
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20:24 09.09.2016
Bauern protestieren in Warnemünde gegen den schlechten Milchpreis, unter ihnen Susann Köhnke im Kuh-Kostüm (l.). Quelle: Elke Ehlers

Susann Köhnke hat extra ihr Kuh-Kostüm wieder aus dem Schrank gekramt. Als Mitglied der „Börzower Spaßvögel“ hatte sie das neckische Outfit vor einigen Jahren mal zu einem Fasching an. „Ich dachte mir, dass es für diese Aktion gut passt“, sagt die Bäuerin aus Stepenitztal.

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Bauern aus Nordwestmecklenburg waren bei Aktion am Warnemünder Strand dabei / Auch Milchbäuerin Susann Köhnke aus Stepenitztal meint: Die Landwirtschaft geht baden.

Hilfsprogramme beraten

Landwirte können voraussichtlich von Mitte September an Hilfen für jeweils drei Monate beantragen. In der Zeit sollen sie für jeden nicht produzierten Liter Milch 14 Cent erhalten.

Am Strand von Warnemünde stieg sie damit ins Wasser – gemeinsam mit Berufskollegen vom Bauernverband und vom Bund Deutscher Milchviehhalter. Während im Neptun-Hotel die Bund-Länder-Agrarministerkonferenz tagte, signalisierten die Bauern: Die Landwirtschaft geht baden. Den Bauern steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals.

Dabei war Susann Köhnke in diesem Sommer vorher noch nicht ein einziges Mal in der Ostsee baden. Sie ist einfach nicht dazu gekommen. Doch für die Aktion in Warnemünde hat sie sich „einen halben Tag freigeschaufelt“, wie die auch im Vorstand des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg engagierte Landwirtin sagt. „Ich finde es wichtig, dass wir mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion darauf aufmerksam machen, wie schlecht es uns geht.“ Der abgestürzte Milchpreis bringt Agrarbetriebe an den Rand des Ruins.

150 Milchkühe, mit Jungvieh insgesamt um die 300 Rinder, hält der Familienbetrieb, den die 48-Jährige mit ihrem Mann, Harald Lingk, seit 1992 führt. Die Milch liefern sie nach Wismar an die Rückers Ostseemolkerei. Die Tiere gehören zu ihrem Leben. „Das ist unsere Arbeit – 365 Tage im Jahr“, erzählt Susann Köhnke. „Wir sehen jeder Kuh jeden Tag dreimal in die Augen.“ Die Gedanken an die Arbeit nimmt sie „abends mit ins Bett. Und morgens wacht man damit auf“, erzählt sie. Es geht um die Existenz der Familie, denn auch der Sohn arbeitet im Betrieb, außerdem zwei Angestellte. „Unser Sohn soll den Hof übernehmen. Was wird mit seiner Zukunft?“, fragt sich die besorgte Mutter.

Die Milchmenge zu reduzieren und möglicherweise einige Kühe abzuschaffen, wie die Politik und viele ihrer Berufskollegen es derzeit favorisieren, ist für Susann Köhnke keine gute Lösung. Sie ist skeptisch: „Die Kühe haben ihren Rhythmus. Wenn man da rauskommt, wer weiß denn, ob es danach wieder gut läuft.“

Elke Ehlers

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