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Nordwestmecklenburg Künstlerin weckt Erinnerungen an ehemalige Grenze
Lokales Nordwestmecklenburg Künstlerin weckt Erinnerungen an ehemalige Grenze
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00:00 19.10.2012
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Nordwestmecklenburg

Schönberg – Der Schönberger Musiksommer 2012 ist Geschichte, auch die zweite Ausstellung innerhalb der Konzertreihe in der Laurentiuskirche ist abgebaut. Die Künstlerin Renate U. Schürmeyer aus Jeese zeigte Objekte zum Thema „Grenzgänge“. Und: Die Besucher waren aufgefordert ihre Assoziationen zum Thema aufzuschreiben. Die Reaktionen hätten vielfältiger nicht sein können und setzen den zuvor bei anderen Ausstellungen der Künstlerin begonnenen Diskurs der Erinnerung fort. „Damals, November ’89, wir im Ruhrgebiet haben mal mit der Schulter gezuckt, als die Grenze offen war! Donnerwetter, haben wir gesagt, das ist ja’nen Ding – und sind dann zur Tagesordnung übergegangen . . . unvorstellbar diese Gleichgültigkeit.“ – Das steht auf einem der Zettel. Renate Schürmeyer, Jahrgang 1957 und ebenfalls im Westen Deutschlands aufgewachsen, kennt das Phänomen aus eigenem Erleben. Für DDR-Bürger war die innerdeutsche Grenze offenbar mehr Grenze als für die Bundesbürger. „Das ist eine ganz entscheidende Sache“, wertet sie.Während ihrer Ausstellung in Schönberg stellten eindrucksvolle Installationen Bezüge zum Thema Grenzgänge dar. Eine erinnerte an 189 in der Ostsee ertrunkene Flüchtlinge. Die Kraft der Brombeere in einem Betonklotz wachsend, stand dabei nicht nur als Symbol für Leid und Schmerz, sondern auch für die Hoffnung, Beton zu brechen, erklärt Renate Schürmeyer. Und „Fragmente“ – unter anderem Stuhl, Tisch, Schreibmaschine – brachte es auf den Punkt, teilzunehmen am Erinnern, festhalten und aufschreiben, was gewesen ist.Erneuter Blick ins Geschriebene: „In der DDR ist mit den Füßen abgestimmt worden, bleiben oder gehen.“ Auch das stand dort: „Da schwimmen sie und fliegen, die Wasservögel all und wissen nichts von Grenze und Sperrzaun. Wir sehen ihnen nach, ja, manchmal mit Wut: Die haben’s gut.“ Oder: „Früher konnte ich meinen Chef offen kritisieren, nicht aber Erich Honecker. Heute kann ich Frau Merkel offen kritisieren, nicht aber meinen Chef! Das bedrückt mich sehr!“„Warum konnte man denn nicht offen über die Fluchtabsichten reden?“, wurde Religionslehrerin Ulrike Rathke aus Schönberg gefragt, als sie mit Schülern des Gymnasiums die Ausstellung besuchte. Der Frage verdeutlicht einmal mehr, was die Pädagogin gerade bei den Siebtklässlern feststellen musste. „Für sie ist das einst geteilte Deutschland kaum noch Thema, nicht vorstellbar, was damals passiert ist. Die Ostsee als Grenze war von ihnen zuvor nicht wahrgenommen worden.“ Das, obwohl viele der Schüler heute in Herrnburg unweit des ehemaligem Grenzstreifens leben. Viele der Eltern wuchsen im Westen auf. Renate Schürmeyer kann für sich verbuchen, mit ihren Arbeiten zur jüngeren deutschen Geschichte erneut verdeutlicht zu haben, dass persönliche Schicksale dokumentiert werden müssen, „bevor sie hinter einem Gesamtgeschichtsbild in Vergessenheit geraten“. Dafür recherchiert sie dieser Tage weiter in Rostock. Ein Aufenthaltsstipendium des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Schleswig-Holstein Haus, macht es möglich.

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