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Nordwestmecklenburg Kultur in Ton gefasst
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18:10 28.07.2018
„Syrien“ steht in arabischer Schrift auf diesem Tonring. Er ist einer von 36, die später zu drei Stelen zusammengesetzt werden. Quelle: Foto: Nicole Buchmann
Wismar

„Das ägyptische Alphabet?! Woher kennt ihr das denn?! – Google! Onkel Google!“, ruft Mieha Saad und kichert. Haya und Tasnim stimmen ein. Die drei Mädels sitzen im Treff im Lindengarten vor etwa zwanzig Zentimeter hohen Ringen aus Ton, in der Hand Modellierhölzer. Pharaonen zeichnen sie hinein in die weiche Masse, die Königin von Ugarit, eine Altertumsstätte aus dem Yemen.

„Das ist schon mein vierter Ring“, sagt Tasnim. Die Schülerin des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums ist in Deutschland geboren. „Meine Eltern haben hier studiert und sind dann, als ich zwei Jahre alt war, wieder zurück in den Yemen“, erzählt Tasnim. Die Heimat des Vaters findet sich auf ihrem ersten Tonring wieder, die der Mutter – Marokko – auf ihrem zweiten.

„Ich kann zwar nicht so gut zeichnen, aber ich möchte gern unsere Kulturen zeigen“, sagt die 18-Jährige. 2016 kam sie nach Wismar, hat seitdem die deutsche Sprache gelernt. Sich hier einzufühlen, sei nicht schwer. „Die Mentalität, das Essen, einfach alles ist neu – und das mag ich.“ Kartoffelsalat zum Beispiel oder Currywurst. Zu Hause koche die Mutter Senfei. „Das mag ich nicht – aber meine Brüder“, erzählt Tasnim und lacht.

An einem lachenden Mund an einem Tonring einen Tisch weiter arbeitet Bildhauerin Sieglinde Mix. Sie leitet die Frauen aus Deutschland, Syrien und dem Yemen an. „Das Gesicht muss mit einem kleinen Kügelchen noch aufgebaut werden, sonst ist es maskenartig“, sagt Mix und erklärt, wie das funktionieren kann.

Projektarbeit, gerade soziokulturelle, sei für sie etwas ganz Besonderes. Deshalb habe sie auch nicht gezögert, als die Anfrage von der Gleichstellungsbeauftragten aus Wismar kam, sagt Mix.

Sieglinde Mix und Petra Steffan hatten sich bei einem Kunstworkshop kennengelernt und dann gemeinsam dieses Projekt initiiert. „Ich kann mich hier kreativ austoben“, sagt Anke Heuckrodt und zieht derweil feine Linien in die Blätter auf ihrem Tonring. Außerdem sei es spannend zu sehen, auf welche Weise sich jeder beim Gestalten der Ringe mitteilt. Auch die 55-Jährige hat schon mit Sieglinde Mix zusammengearbeitet – bei einem Projekt des Kunstvereins Kaso in der Nikolaikirche. „Deshalb macht das Ganze noch mehr Spaß“, sagt Heuckrodt. Haya Al Hassan-Al-Ali hat ihren Vornamen in ägyptischen Zeichen auf den Tonring geschrieben, Mieha gleich drei ihrer Lieblingsländer in den Ton gezeichnet: Syrien, Ägypten und Korea. Korea kenne sie aus Fernsehserien, in Ägypten habe sie vier Jahre lang gelebt. „Das liebe ich wie Syrien, dem Land, aus dem ich komme“, sagt die 17-Jährige. Auf diese Weise sind seit Montag insgesamt 36 Ringe entstanden. Sie werden für die drei Stelen gebraucht, die eines Tages ihren Platz auf der neugestalteten Freifläche vor dem Treff im Lindengarten der Hansestadt Wismar finden sollen.

Sieglinde Mix hat die Ringe schließlich zu den Stelen zusammengesetzt. Bis Mitte August sollen sie gebrannt und ausgehärtet sein, dann wollen die Frauen und Mädchen sie mit Acrylfarbe bemalen.

„Anfang Oktober wollen wir den Platz vor dem Treff offiziell einweihen“, sagt Petra Steffan.

Die entsprechenden Bewährungsstangen für die Stelen sind bereits in den Boden auf dem Platz eingelassen. Mannshoch werden die Skulpturen nach ihrer Vollendung Geschichten von Mädchen und Frauen aus verschiedenen Ländern erzählen.

Nicole Buchmann

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