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Nordwestmecklenburg Land unter auf Äckern und Wiesen
Lokales Nordwestmecklenburg Land unter auf Äckern und Wiesen
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21:10 08.01.2018
In Börzow schwimmen die Heuballen auf der Wiese. Die steht nach dem Dauerregen unter Wasser. Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt, Jürgen Lenz
Grevesmühlen

Das feuchte Wetter der letzten Wochen ist für Autofahrer wie für Fußgänger ärgerlich, ein richtiger Winter würde auch die Kinder freuen. Die meisten Probleme mit der aktuellen Wetterlage haben jedoch die Landwirte. Denn nach dem extrem nassen Sommer und Herbst „stehen die Landwirte in unserem Landkreis, aber auch in ganz Norddeutschland vor einer Ausnahmesituation“, erklärt Petra Böttcher vom Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg. So seien zum jetzigen Zeitpunkt die letzten Zuckerrüben noch nicht gerodet worden, auch die Maisernte habe bedingt durch die extreme Feuchtigkeit abgebrochen werden müssen. Nach Angaben des Kreisbauernverbandes hätte die Ernte von Zuckerrüben und Mais die Landwirte vor teilweise erhebliche Probleme gestellt. „Das war eine richtige „Materialschlacht“, so Petra Böttcher. „Festgefahrene Erntemaschinen und Transportfahrzeuge sorgten immer wieder für Verzögerungen, die notwendigen Bergungsarbeiten für Schäden an den Maschinen.“ Ein Folgeschaden dieser Situation sind die Strukturschäden der spät abgeernteten Ackerflächen.

Der Dauerregen in den vergangenen Wochen stellt die Landwirte vor erhebliche Probleme.

Diese reichen in die neue Saison 2018 hinein und bereiten allgemein Kopfzerbrechen. Wie Petra Böttcher erläutert, müssten die Flächen mit Sommerkulturen, also Sommerweizen, Sommergerste, Mais, Zuckerrüben oder Leguminosen wie Ackerbohnen oder Erbsen bestellt werden. Die Ertragserwartungen dieser Kulturen liegt deutlich unter denen der Winterkulturen wie Weizen, Gerste und Raps. Aber auch für diese Kulturen gilt: „wie die Saat, so die Ernte“. Gerade das stellt viele Landwirte auf schweren Böden, die nur langsam abtrocknen, vermutlich vor große Probleme. „Wie sich in zwei Jahren wie diesen dann die Einkommenssituation der Ackerbaubetriebe darstellt, kann man sich unschwer vorstellen.“

Die statistischen Wetterwerte für das vergangene Jahr bestätigen die subjektiven Eindrücke: 2017 war ein verregnetes Jahr. Laut dem Kreisbauernverband seien etwa 130 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gemessen worden.

Zum Vergleich: Das entspricht 17 Zehn-Liter-Eimern Wasser pro Quadratmeter mehr. Diese fielen vor allem in der zweiten Jahreshälfte, also während der Aberntung und Bestellung der Felder. Hinzu kamen nach Aussage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 120 Stunden weniger Sonnenscheindauer in MV. Auch das habe zu zu den geringeren Getreideerträgen in 2017 geführt.

Blicken die Betriebe, die sich auf Pflanzenproduktion konzentrieren, sorgenvoll in Richtung Himmel, haben die Tierhalter noch ganz andere Sorgen. Die Güllebehälter sind randvoll. Denn die Gülle darf nur auf die Ackerflächen gebracht werden, wenn der Boden in der Lage ist, die Flüssigkeit auch aufzunehmen. Und dazu gab es kaum Gelegenheit im Herbst aufgrund der Nässe. Jetzt fehlt der Lagerraum, der nun kurzfristig in Form von Behelfslägern geschaffen werden muss.

Positiver Nebeneffekt: „Bis auf einige Ausnahmen begegneten den Landwirten viele Autofahrer und Anwohner mit Verständnis für die unvermeidbare Verschmutzung der Straßen“, sagt Petra Böttcher.

„ Soviel Verständnis herrscht in der ländlichen Bevölkerung hier doch vor, dass anstatt Kopfschütteln aus Autofenstern auch ein aufmunterndes Nicken zu sehen war.“

So sieht es in der Nachbarschaft aus

Im Landkreis Lauenburg musste die Feuerwehr in den vergangenen Tagen etliche Einsätze aufgrund des Dauerregens fahren. In Aumühle war das wegen Einsturzgefahr gesperrte Wehr des Mühlenteichs ungewöhnlich lange geschlossen. Das Wasser drohte über das Wehr hinweg in das Restaurant „Fürst Bismarck Mühle“ zu laufen. Feuerwehrleute und THW bauten einen Sandsackwall. „Alle Zuläufe sind geöffnet, und wir müssen sehen, wo wir das Wasser loswerden“, sagte Bürgermeister Dieter Giese. „Die Böden sind einfach satt, von den Feldern und aus den Wäldern läuft das Wasser in die Niederungen und über Gräben ab, wo es sich dann irgendwo dramatisch sammelt“, erklärte Hamwardes Förster André Guiard. Seine Mitarbeiter können wegen der aufgeweichten Böden kein Holz schlagen.

Michael Prochnow

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