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Nordwestmecklenburg Lea macht nächsten Karriereschritt
Lokales Nordwestmecklenburg Lea macht nächsten Karriereschritt
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18:10 15.09.2018
Kienbaum/Rostock

Bei der Junioren-WM hat sie sich einen Eintrag in die Geschichtsbücher des Bahnradsports gesichert. Mit vier Goldmedaillen und einem Weltrekord glänzte Lea Sophie Friedrich vor wenigen Wochen im schweizerischen Aigle – das hatte vor ihr noch keine geschafft: Kristina Vogel (Erfurt) holte 2007 und 2008 genau wie Emma Hinze (Cottbus) 2015 jeweils dreimal Gold. Jetzt macht die Dassowerin den nächsten Karriereschritt: Im Oktober soll sie beim Weltcup-Auftakt in Saint-Quentin-en-Yvelines bei Paris erstmals für die Nationalmannschaft der „Großen“ starten. „Mal sehen, wie ich mich da schlage. Ich will auf jeden Fall zeigen, was ich draufhabe“, sagt Lea Friedrich.

Ausnahmetalent auf der Bahn: Radsportlerin Lea Sophie Friedrich (18) aus Dassow. Quelle: Foto: Erich Eichberg
Jeder andere Mensch wäre nicht mehr auf dieser Welt. Lea Sophie Friedrich über ihr Vorbild Kristina Vogel, die nach einem schweren Trainingsunfall im Rollstuhl sitzt Quelle: Foto: Privat

Zwei Wochen Urlaub gönnte sie sich nach ihrer Gala-Vorstellung bei der Junioren-WM. Zunächst feuerte sie ihren Freund Marc Jurczyk (Erfurt) bei der U-23-Europameisterschaft an, und das mit Erfolg: Der 22-Jährige gewann zwei Silber- und drei Bronzemedaillen. Anschließend ging es für eine Woche in den Urlaub nach Frankreich. „Da habe ich schon wieder ein wenig mit dem Krafttraining begonnen“, erzählt Lea Friedrich.

Mittlerweile sind beide wieder zurück in Kienbaum (Brandenburg), wo für sie die Ausbildung bei der Sportfördergruppe der Bundespolizei weitergeht. Seit September 2017 lässt sich die ehemalige Schülerin des Schweriner Sportgymnasiums dort zur Polizeimeisterin schulen. Ihr Tag ist strikt durchgetaktet: Aufstehen um sechs, bis 16.15 Uhr Unterricht und um halb fünf ist Training, anschließend wird gelernt. „Ich war acht Monate für den Sport freigestellt, an den Rhythmus musste ich mich erst wieder gewöhnen“, sagt die Athletin, die beim RST Dassow entdeckt und gefördert wurde. Sieben Einheiten pro Woche stehen derzeit auf ihrem Trainingsplan. Das anspruchsvolle Programm nimmt die Sportlerin mit professioneller Gelassenheit: „Ich lebe für diesen Sport, er ist meine Leidenschaft.“

Lea Friedrichs Nahziel ist der Weltcupauftakt vom 19. bis 21. Oktober nahe Paris. Dort soll sie unter anderem an der Seite von Olympiasiegerin Miriam Welte (Kaiserslauten) im Teamsprint fahren. Auch ein Start Ende Januar 2019 beim Weltcupfinale in Hongkong ist geplant. Ebenfalls nicht ausgeschlossen: ihre Teilnahme an der Bahnrad-Weltmeisterschaft Ende Februar/Anfang März im polnischen Pruszków.

„Das hängt davon ab, wie ich mich bei den Weltcups präsentiere“, sagt Lea Friedrich.

Dass sie national bei den Elitefahrerinnen mithalten kann, hat die Mecklenburgerin bei den deutschen Meisterschaften schon bewiesen: In Dudenhofen sicherte sie sich im Juli mit Miriam Welte den Titel im Teamsprint. „Ich bin einige Rennen bei den Frauen schon aus Spaß mitgefahren. Das ist eine ganz andere Liga – der Unterschied ist schon noch riesig“, sagt die 18-Jährige, die im Januar ihren 19.

Geburtstag feiert.

Bundestrainer Detlef Uibel will mit dem „Riesentalent“ aus dem Nordosten, das bei den Junioren alles abgeräumt hat, künftig viel am Feinschliff arbeiten. „Jetzt kommt es darauf an, sie im Frauenbereich zu integrieren und dort Wettkampferfahrungen zu sammeln“, sagt der 59-jährige Brandenburger, der bei der ehrgeizigen Blondine noch „sehr große Reserven im technisch-taktischen Bereich“

sieht.

Überschattet wurde Lea Friedrichs Erfolgssaison von der Tragödie um Kristina Vogel, die in ihrem Sport seit Jahren das Maß aller Dinge ist. „Ich habe Riesenrespekt vor dieser Persönlichkeit.

Sie ist ein ganz großes Vorbild“, sagt die Dassowerin über die zweimalige Olympiasiegerin, die nach ihrem Trainingsunfall im Juni im Rollstuhl sitzt. Über die Gefahr beim rasanten Bahnradsport, bei dem die Frauen Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 60 km/h erreichen, denke sie „des Öfteren“ nach, sagt die vierfache Weltmeisterin zwar: „Aber es gibt in jedem Sport ein Risiko.“

Wie Kristina Vogel den Schicksalsschlag angenommen hat, wie sie kämpft und welchen Lebensmut sie ausstrahlt, findet auch Lea Friedrich bewundernswert: „Sie hat es geschafft, am Leben zu bleiben. Jeder andere Mensch wäre nicht mehr auf dieser Welt.“

Sönke Fröbe

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