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Nordwestmecklenburg Leuchturm der Kultur: Plüschower Künstlerhaus in Not?
Lokales Nordwestmecklenburg Leuchturm der Kultur: Plüschower Künstlerhaus in Not?
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20:23 07.01.2016
Miro Zahra und Udo Rathke im Jubliäumsjahr des Künstlerhauses. Was bringt die Zukunft? Quelle: Matthias Schümann

Auf dem Foto, aufgenommen im Frühsommer vergangenen Jahres, lächelt Künstlerhausleiterin Miro Zahra in die Kamera. Und auch Udo Rathke, Vorstand des Förderkreises Schloss Plüschow, ist zumindest Stolz auf das Erreichte anzusehen. 2015 war ein erfolgreiches Jahr für das Künstlerhaus — es feierte sein vielbeachtetes 25-jähriges Bestehen, Miro Zahra erhielt den Landeskulturpreis. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass das Jahr 2016 mit besorgniserregenden Neuigkeiten beginnt.

Im nichtöffentlichen Teil der vergangenen Gemeindevertretersitzung in Plüschow aber wurde ein Beschluss zur Kündigung des Nutzungsvertrages für das Schloss zum Ende des Jahres 2016 verabschiedet. Die Gemeinde will in Neuverhandlungen mit dem Förderkreis Schloss Plüschow eintreten. An und für sich ein normales Prozedere — Nutzungsverträge werden üblicherweise nach bestimmten Zeiträumen immer wieder angepasst. So zumindest sieht das die Gemeinde und auch Lars Prahler vom Bauamt Grevesmühlen: „Es geht nicht darum, die Künstler aus dem Schloss zu vertreiben. Der Nutzungsvertrag entspricht nur in manchen Punkten nicht mehr den aktuellen Erfordernissen.“

Auch wenn das sachlich klingt, kann es nicht viel dazu beitragen, die Mitglieder des Förderkreises zu entspannen. Der Vorstand befürchtet, dass das Amt Land im Auftrag der Gemeinde den neuen Vertrag nutzen wird, um dem Kunst- und Kulturverein Bedingungen aufzudrücken, die er finanziell nicht erfüllen kann.

Bisher ist der Förderkreis für die laufenden Kosten des Künstlerhauses verantwortlich. Fast eine Million Euro hat der Verein zudem aufgetrieben, um die Sanierung des denkmalgeschützten Schlosses zu finanzieren. Damit hat er den Wert des Gebäudes, das der Gemeinde gehört, maßgeblich gesteigert. Demnächst aber müsste auch die Gemeinde einiges in das Schloss investieren — die Heizungsanlage schwächelt, diverse Fenster im Obergeschoss machen Probleme.

Dass etwas Problematisches auf den Förderkreis zukommt, befürchtet Miro Zahra auch deshalb, weil „wir erst aus der Presse über den Tagesordnungspunkt erfahren haben und die Gemeinde bisher kein Gespräch mit den Vertretern des Förderkreises gesucht hat.“ Zuletzt wurde der Nutzungsvertrag im Jahr 2003 im gemeinsamen Gespräch angepasst — ohne vorherige Kündigung des alten Vertrages, betont sie. „Warum das nun anders gehandhabt wird, ist unverständlich. Auf unsere diesbezügliche Nachfrage wurde erklärt, dass es einfach so sei, ‘dass die Familie Meier (Gemeinde) erst untereinander beraten muss, bevor sie mit Familie Schmidt (Förderkreis) spricht‘. Ich sah Gemeindevertretung und Förderkreis immer als Teile einer Familie, nämlich die der Gemeinde Plüschow.“

Doch auch wenn derzeit im Künstlerhaus und im Förderkreis alle mögliche Szenarien diskutiert werden, letztlich wollen sich viele Förderkreismitglieder noch nicht ernsthaft vorstellen, dass die Gemeinde tatsächlich Forderungen stellt, die nicht erfüllbar sind. So ist Schatzmeisterin Cornelia Lambriew- Soost der Ansicht: „Der Förderkreis erhält durch die gemeinnützige, öffentliche, kulturelle Nutzung ein wertvolles Baudenkmal, das sich im Eigentum der Gemeinde befindet und durch den Verein saniert wurde. Die Bauunterhaltung des Gebäudes, sowie die Pflege seiner unmittelbaren Umgebung bedeutet eine enorme Kraftanstrengung. Jährlich bringen wir zirka 30000 Euro für die Bewirtschaftung des Schlosses auf — und Vereinsmitglieder leisten eine große Anzahl ehrenamtlicher Arbeitsstunden. Wir gehen davon aus, dass das Amt im Auftrag der Gemeinde in Kürze einen Vertragsentwurf vorlegen wird, der die weitere Arbeit des Mecklenburgischen Künstlerhauses ohne Schwierigkeiten ermöglichen wird.“

Ob dem so ist, wird sich zeigen. Wie Bauamtsleiter Lars Prahler ankündigte, wird sich das Amt in Grevesmühlen bald, vielleicht noch in diesem Monat, mit dem Künstlerhaus in Verbindung setzen.

Vom Familiensitz zum Künstlerhaus
Im Jahr 1758 erwarb der Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich Stenglin die acht Güter der Vogtei Plüschow und richtete sich und seiner Gemahlin Antoinette, der Tochter des Hamburger Ersten Bürgermeisters Conrad Wiedow, einen Sommersitz ein. Fünf Jahre später errichtete er: Schloss Plüschow.


Seit 1954 steht das Schloss unter Denkmalschutz. Im Jahr 1988 wurde mit der Rekonstruktion begonnen. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde eine kulturelle Nutzung des Gebäudes in Erwägung gezogen. Mit seinen großzügigen Räumen, der verkehrsgünstigen und ruhigen Lage bot das Schloss für ein Künstlerhaus schließlich die idealen Bedingungen.

1990 gründete sich der Förderkreis Schloss Plüschow e.V. Sein Anliegen ist es, inmitten der wundervollen Architektur der modernen Kunst einen Lebensraum zu geben. Im Schloss befinden sich zurzeit sechs Gastateliers und eine Druckwerkstatt. Jeweils von Frühjahr bis zum Spätherbst werden in Ausstellungen aktuelle Kunsttendenzen präsentiert. Vertreten sind dabei Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern im Kontext mit Künstlern aus ganz Europa. Besonderen Wert legt das Künstlerhaus darauf, bildende Kunst mit Musik und anderen Formen der Künste zu verbinden — so werden Ausstellungseröffnungen oft zu „ländlichen Festen“. Das Künstlerhaus sieht sich als integrierten Mittelpunkt der Gemeinde.

Annett Meinke

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