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Nordwestmecklenburg Hilfe für integrativen Kindergarten
Lokales Nordwestmecklenburg Hilfe für integrativen Kindergarten
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09:45 09.10.2018
Die vierjährige Irina hat eine Sehbehinderung, in der Kita wird sie auf die Schule vorbereitet. Quelle: Michael Prochnow
Lida/Grevesmühlen

Das Haus platzt aus allen Nähten. Ella Wladimirowna zeigt die Räume des Kindergartens im Zentrum der Stadt Lida und führt Norbert Koch und Ekkehard Giewald von der Lidahilfe durch das Gebäude. 67 Kinder mit Behinderungen werden hier betreut, 25 Pädagogen plus technisches Personal und Küche betreuen die Zwei- bis Sechsjährigen von 7 bis 19 Uhr, in einigen Fällen auch rund um die Uhr. Die Kinder haben größtenteils Sehstörungen. „Es gibt aber auch Jungen und Mädchen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen“, erklärt die Leiterin der Einrichtung. Dass sie die Lidahilfe durch ihr Haus führt, hat einen guten Grund. Am Tag zuvor haben die Männer einen Lastwagen mit Schulmöbeln an der Schule Nummer 4 abgeladen. Drei komplette Klassenzimmer, gespendet von der Stadt Grevesmühlen, hat die Schule erhalten, in der Inklusion schon längst kein Diskussionsthema mehr ist. Kinder im Rollstuhl oder mit anderen Einschränkungen werden in den Klassen unterrichtet zusammen mit anderen Schülern, dass die Schule sich auf Sport spezialisiert hat, stört dabei niemanden. Integration, so der Schulleiter in einem Interview, bedeute nicht, dass jeder Schüler alles mitmachen müsse, Aber er hat die Möglichkeit, Die Schule befindet sich nur wenige Meter von dem Kindergarten entfernt, in dem 67 Jungen und Mädchen auf den Schulalltag vorbereitet werden. Nicht alle schaffen das. „Für diese Kinder gibt es eine Schule in Grondo, die speziell dafür ausgebildete Pädagogen besitzt“, erklärt die Leiterin der Einrichtung, die erweitert werden soll. Mit Unterstützung der Lidahilfe.

Denn direkt neben dem Gebäude befindet sich ein weiterer Kindergarten, der soll verlagert werden, die Integrationseinrichtung dort einziehen. „Wir haben viele Sponsoren, da wir es aus eigenen Mitteln kaum schaffen“, so Ella Wladimirowna, „Die Miliz zum Beispiel hat uns unterstützt, Eltern haben Computer gekauft und vieles mehr.“ Hilfe aus Grevesmühlen hat mittlerweile einen guten Ruf in Lida. Seit 25 Jahren gibt es das Projekt, das inzwischen zum DRK in Grevesmühlen gehört.

Geschichte der Lidahilfe

Peter Wulff - der Mann der ersten Stunde

11 Männer und Frauen gehören zum festen Stamm der Lidahilfe in Grevesmühlen. Die ersten Hilfstransporter rollten im Jahr 1993 nach Weißrussland. Zu den Männern der ersten Stunde gehören Claus Adamoschek ( siehe Beitrag links) und Peter Wulff, der seinerzeit als Polier in Weißrussland arbeitete und für Kontakte sorgte. Beide hatten die Aktion spontan ins Leben gerufen. Bekannt als Mensch mit stets guter Laune und einem schier unerschöpflichen Vorrat an Optimismus, verstarb Peter Wulff im Jahr 1998 plötzlich und unerwartet im Alter von nur 55 Jahren. Danach übernahm Dieter Schwanbeck das Ruder, seit 2003 leitet Norbert Koch die Lidahilfe, die viele Jahre Mitglied der Osteuropafreundschaftsgesellschaft war. Inzwischen gehört die Initiative zum Kreisverband Nordwestmecklenburg des Deutschen Roten Kreuzes.

Zweimal pro Jahr rollen die Lastwagen, die Norbert Koch zur Verfügung stellt, die Fahrschule Thomas Krohn ist ebenfalls mit dem Fahrschul-Lkw dabei, von Grevesmühlen nach Lida. Zwischen drei und sechs Fahrzeuge umfasst der Konvoi. Die Fahrer sowie sämtliche Teilnehmer des Transportes arbeiten nicht nur ehrenamtlich, sie finanzieren den Transport aus eigener Tasche.

Die Kosten pro Lastwagen belaufen sich pro Transport auf 750 Euro für Kraftstoff, Zoll und Mautgebühren. Dazu kommen Unterkunft und Verpflegung für die Teilnehmer.

Die Lidahilfe ist im Internet www.lida-hilfe.de sowie auf Facebook vertreten.

Dass die Einrichtung für die überwiegend sehbehinderten Kinder aussieht wie aus dem Ei gepellt, ändert nichts daran, dass Hilfe trotzdem nötig ist. Möbel, speziell für Kleinkinder, pädagogisches Material oder Fußbodenbeläge sind Dinge, die die Leiterin aus dem Budget der Einrichtung nur schwer finanzieren kann. „Wir bekommen natürlich Unterstützung vom Staat und von der Stadt. Aber um wirklich alle Anforderungen zu erfüllen, müssen wir auch andere Quellen nutzen.“ Dass die Schule nebenan mittlerweile einige Klassenzimmer mit der Hilfe aus Grevesmühlen modernisiert hat, ist auch im Kindergarten nicht unbemerkt geblieben.

Ob und wie die Hilfe aussehen kann, das wird sich in den nächsten Wochen entscheiden, wenn die Leiterin der Einrichtung eine Liste schickt mit den Dingen, die für die Sanierund notwendig sind. „Das schauen wir uns an“, so Norbert Koch, Leiter der Lidahilfe. „Dann können wir eine Entscheidung treffen.“

Michael Prochnow

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