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Lindern Alpakas Schmerzen und senken den Blutdruck?

Hamberge/Bernstorf Lindern Alpakas Schmerzen und senken den Blutdruck?

Studentin untersucht Therapie mit südamerikanischen Tieren / Halter vom Hof in Hamberge verspricht sich Kostenübernahme durch Krankenkassen.

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Greta Schütte (23) aus Münster mit dem Alpaka „Leopold“, der für ihre Bachelorarbeit eine entscheidende Rolle spielt.

Hamberge/Bernstorf. Tiergestützte Therapie mit Alpakas – und das auch noch in einem Biohospiz. Diese beiden Besonderheiten schreien geradezu nach einer Bachelor-Arbeit, dachte sich Greta Schütte aus Münster, die den Studiengang Soziale Arbeit belegt. Sie wandte sich an Marco Holter, der den Alpakahof am Iserberg in Hamberge betreibt. Eigentlich hatte die 23-Jährige geplant, eine Abhandlung über die Arbeit mit Hunden oder Pferden an Patienten zu schreiben. Ein Anbieter nach dem anderen erteilte ihr eine Absage. Schließlich wollte sie hautnah erleben, wie die Arbeit mit Tieren am Patienten erfolgt. Und das kostet Zeit.

LN-Bild

Studentin untersucht Therapie mit südamerikanischen Tieren / Halter vom Hof in Hamberge verspricht sich Kostenübernahme durch Krankenkassen.

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Keine Kostenübernahme

Im Internet stieß sie dann auf Holter und seine besonderen Vierbeiner, die bereits viele Menschen kennenlernen durften – ihnen guttaten und im Fall von Bernstorf ein Stück Lebensqualität zurückgaben, wie es sich Wolfgang Röhr, Geschäftsführer des 2014 eröffneten Biohospizes, auf die Fahnen geschrieben hat. In ihrer Arbeit kann Greta Schütte einen ganz wichtigen Aspekt mit berücksichtigen: Die Kosten für Therapien mit Hunden werden in vielen Fällen von den Krankenkassen übernommen, Kosten für Therapien mit Alpakas dagegen nicht. Die Einsätze von Marco Holter – er arbeitet neben dem Hospiz unter anderem auch mit dem Diakoniewerk zusammen – werden durch Spendengelder, Angehörige oder Einrichtungen selbst bezahlt.

Den Grund, warum die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, sieht Marco Holter darin, dass die Arbeit mit diesen Tieren noch nicht so bekannt ist. „Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen wie bei der Arbeit mit Hunden, die bei Patienten nachweislich dafür sorgen, dass in manchen Fällen Schmerzen gelindert und der Blutdruck gesenkt wurde“, erklärt der 45-Jährige. Die Krankenkassen wollen eine wissenschaftliche Studie, „und die können wir uns nicht leisten“, bekennt er. Die Bachelor-Arbeit von Greta Schütte könnte ein erster wichtiger Schritt sein. „Deshalb habe ich mich auch sofort bereit erklärt, mit ihr zusammenzuarbeiten“, sagt Holter. Sie selbst sieht noch einen ganz persönlichen Vorteil mit der speziellen Arbeit: Ohne diese hätte sie wohl nie den schönen Landkreis Nordwestmecklenburg, geschweige denn den kleinen Ort Hamberge bei Grevesmühlen kennengelernt.

Ausgebildete Vierbeiner

Acht Alpakas hat Marco Holter zu Hause in Hamberge, zwei setzt er regelmäßig für die Therapiearbeit ein – „Leopold“ und „Alberto“, die Gesellen quasi. „Pako“ und „Pipito“ sind noch Auszubildende. Und das bedeutet für Marco Holter jede Menge Arbeit. Am Beispiel vom Biohospiz: Bevor die Tiere auf die Gäste im Haus losgelassen werden, lernen sie erst einmal das Fahrstuhlfahren und danach die Umgebung kennen. Alles Stück für Stück. Die Ausbildung der Tiere dauert in der Regel ein Jahr.

„Leopold“ und „Alberto“ meistern alles schon mit Bravour, schauen heute wieder bei Margarete Gübner vorbei. Die 82-Jährige verbringt den Rest ihrer Lebenszeit mit einer lebensbedrohlichen Lungenkrankheit im Bernstorfer Hospiz. Einmal im Monat kommt Marco Holter mit seinen Alpakas in die Einrichtung – heute mit Greta Schütte. „Ich habe die Alpakas schon häufig gesehen, es sind außergewöhnliche Tiere“, sagt Margarete Gübner und streichelt das weiße Fell von „Leopold“. Der wird gleich in den Anhänger des Fahrzeugs von Marco Holter gebracht und gegen „Alberto“ ausgetauscht.

Zu lange sollten ihre Einsätze nicht sein, erklärt Holter. Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Margarete Gübner, Greta steht beobachtend daneben und macht sich für ihre Bachelorarbeit Notizen.

Interessant wird für die 23-jährige Studentin die nächste Begegnung.

Komapatient zeigt Regung

Marco Holter betritt das Zimmer eines 76-jährigen Wachkoma-Patienten. „Alberto“ folgt ihm routiniert und tritt ans Bett, beschnuppert die Hand des Seniors. Sonst verkrampft, öffnet er sie plötzlich.

Eine Reaktion, die beweisen könnte, dass auch eine Therapie mit Alpakas durch Krankenkassen förderungsfähig wäre. Eifrig schreibt Greta alles auf.

Später vor dem Schloss unter einem Pavillon sitzend auf die Vorteile eines Alpakas gegenüber Hunden angesprochen, hat die junge Frau aus Münster spontan etwas parat. „Sie sind etwas Besonderes mit einem besonderen Wesen“, beginnt sie und Holter ergänzt: „Bei Hunden ist vieles antrainiert, ihr Wille wurde für die Therapiearbeit gebrochen. Sie bekommen Bescheid, was sie machen sollen“, umschreibt er. Anders sei es bei Alpakas. Sie seien von Natur aus neugierig und ohne Vorurteile. Alle seine Tiere, so erzählt er weiter, könne er für die Arbeit nicht einsetzen. Die Weibchen seien zickiger, prädestinierter wären die Männchen. Ein weiterer Vorteil: „Alpakawolle enthält kein Lanolin und ruft keine Allergien hervor wie andere Tierhaare“, so Holter.

Mit dem Hospiz arbeitet er seit 2014 zusammen. Geschäftsführer Wolfgang Röhr erlebte mehrfach Glücksgefühle bei seinen todkranken Gästen. Und wünschen die sich, dass sie noch einmal einen Alpaka streicheln können, wenn sie merken, dass ihr Leben ein Ende nimmt, dann lässt Marco Holter auch alles stehen und liegen und fährt mit den Tieren zum Hospiz, um den letzten Wunsch zu erfüllen.

Mehrfach sei das schon vorgekommen, erzählt er.

Tiergestützte Intervention

„Mögliche Wirkung von Tieren

und tiergestützten Interventionen

in Erwachsenen-Hospizen dargestellt am Konzept des Alpakahofes

in Kooperation mit dem Biohospiz Schloss Bernstorf“: Unter dieser Überschrift schreibt Greta Schütte ihre Abschlussarbeit. Tiergestützte Intervention ist ein allgemein etablierter Oberbegriff für alle Formen

tiergestützter Tätigkeiten. Darunter fällt auch die tiergestützte Therapie.

Zum Einsatz kommen in den meisten Fällen Hunde, in besonderen Fällen auch Pferde und sogar Delfine. Wird ein therapeutischer Nutzen nachgewiesen, übernehmen Krankenkassen die Kosten. Bei Pferden und Delfinen ist das in den meisten Fällen schwierig. Gerade die Delfintherapie ist sehr kostenintensiv. In Deutschland gibt es nur ein Institut, das sich der Arbeit annimmt. Soll die Therapie in den USA erfolgen, muss der Patient die Kosten zu 100 Prozent tragen.

In der Schweiz werden die sogenannten Hippotherapien – eine Art der Krankengymnastik mit Hilfe eines geschulten und ausgebildeten Tieres – durch die Krankenkassen unterstützt.

Jana Franke

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