Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Lisa Stoeter aus Selmsdorf: Die Helferin im Hintergrund
Lokales Nordwestmecklenburg Lisa Stoeter aus Selmsdorf: Die Helferin im Hintergrund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 28.10.2012
Nordwestmecklenburg

SelmsdorfAngelika Bukato hat Tränen in den Augen. Ein Paket nach dem anderen tragen die Mitglieder der Grevesmühlener Initiative Lidahilfe ins Wohnzimmer der zweifachen Mutter. Auf jedem leuchtet ein großes rotes Herz. Angelika Bukato wirkt überrumpelt, die Überraschung scheint ihr die Sprache verschlagen zu haben. „Danke schön. Vielen Dank!“ Mehr bringt die 42-Jährige an diesem grauen Morgen in einem Vorort der weißrussischen Stadt Lida nicht über die Lippen. Erst nach einigen Minuten hat sie sich wieder gefangen. Als der Name Lisa Stoeter fällt, leuchten ihre Augen, sie fragt, wie es ihr gehe, erzählt von Briefen, zeigt Bilder. Doch die Pakete sind längst nicht alles, was die Männer aus Nordwestmecklenburg in ihr Haus tragen. Norbert Koch überreicht ihr einen Laptop, den Lisa Stoeter ihm mitgegeben hat. Wieder schießen Angelika Bukato Tränen in die Augen.

Endlich kann sie mit ihrer Unterstützerin aus Deutschland, genauer aus Selmsdorf, über das Internet kommunizieren, vielleicht per E-Mail, vielleicht per Chat. „Der Laptop ist schon etwas älter, 200 Euro habe ich dafür angespart. Wir haben den fit gemacht und ein russisches Programm draufgespielt.“ Lisa Stoeter wirkt ähnlich aufgeregt wie Angelika Bukato, als sie von dem Besuch der Lidahelfer bei ihrer Brieffreundin erfährt. Beide haben sich noch nie gesehen. „Ist sie tatsächlich so kräftig?“, fragt die 52-Jährige, und zeigt auf das Foto in der Zeitung, das die LN vor einer Woche veröffentlichte. Stoeter hat selbst auch Fotos von Angelika Bukato, Bilder, auf denen unschwer zu erkennen ist, wie hart das Leben der zweifachen Mutter ist. „Wenn sie mir schreibt, wie schwierig ihr Leben ist, dann glaube ich ihr das auch“, sagt Lisa Stoeter. In einem der letzten Briefe erzählt Bukato davon, dass die Lebensmittelpreise zuletzt stark angestiegen seien.

Seit 2006 spendet Lisa Stoeter für die Lidahilfe, seit 2008 unterstützen sie und ihre Familie Angelika Bukato. „Ich habe damals einfach die Nummer sechs genommen“, erzählt die Mutter dreier Kinder. Unter dieser Nummer war ein Steckbrief zu finden. ’Vater: Kraftfahrer, hat die Familie verlassen’ stand da. Oder: ’Mutter: Invalidenrentnerin, depressiv’. Auch die beiden Kinder Yulia und Anton waren angegeben. Die Tochter war damals 13, der Sohn neun Jahre alt. „Unsere Kinder sind damals in einem ähnlichen Alter gewesen. Da habe ich gedacht, das passt“, so Stoeter. Für den ersten Transport packte sie 13 Hilfspakete, „vielleicht etwas forsch“, sagt sie lachend.

Bis heute sind etliche dazu gekommen, zuletzt acht Pakete voller Kleidung, Haushaltswaren und Lebensmitteln. Immer kommt ein Dankesschreiben auf deutsch – Bukato lässt ihre Briefe übersetzen – zurück. „Die sind immer sehr süß geschrieben“, sagt Stoeter. Manchmal sind Zeichnungen dabei, oder Bilder der Mutter, von Yulia und Anton. „Eigentlich brauche ich eine solch überschwängliche Dankbarkeit nicht. Wenn ich weiß, dass ihr Leben etwas besser geworden ist, es einen Schritt weiter geht, dann ist das gut so“, sagt die Helferin, die auch in Selmsdorf für örtliche Kindereinrichtungen sammelt.

Zwar ist sie der Meinung, dass solch humanitäres Engagement hierzulande etwas geringer geworden sei. Aber ab und zu findet es sich genau dort, wo sie es gar nicht vermutet hätte. So habe sie für Angelika Bukato beim Versandhaus Ulla Popken einen Trainingsanzug bestellt und der Bestellung angefügt, dass sie eine Familie in Weißrussland unterstützt. „Zusätzlich zu der Bestellung kam ein Paket, das war zehnmal so groß. Ich habe vor Freude geheult“, erzählt Lisa Stoeter. Kurzerhand hatte das Versandunternehmen einige ausrangierte Sachen zusammengepackt und als Spende mitgeschickt.

Für das nächste Mal hat Angelika Bukato für ihre Tochter Yulia um Hilfe gebeten. Das Hörgerät der 17-Jährigen ist defekt, ein neues zu teuer. Noch dazu muss das Mädchen untersucht werden. Die dreiköpfige Familie lebt von 250 Euro im Monat. „Ich hoffe, dass ich jemanden finde, der hilft“, sagt Lisa Stoeter. Eine Idee sei, dass Yulia nach Deutschland kommt, die Untersuchungen und die Anpassung des Hörgeräts hier vornehmen könnte.

Zu gerne würde Lisa Stoeter auch selbst einmal nach Weißrussland reisen, Angelika Bukato und ihre Kinder persönlich kennenlernen. „In Gedanken fahre ich seit zwei Jahren mit. Vielleicht klappt es nächstes Jahr“, sagt sie. Bis dahin wird sie weiter eifrig Spenden sammeln und hoffen, dass es ihr weitere gleich tun. Ihre eigenen drei Kinder, zwei Töchter (17 und 20 Jahre) und ein Sohn (19 Jahre), werden bald ausziehen aus dem kleinen Reihenhaus, ein eigenes Leben aufbauen. Lisa Stoeter: „Dann gibt es wieder viel zu spenden.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Dassow/Hawaii – Sie sind die Extremsportler unter den Ausdauerathleten, die Triathleten. Und Dennis Kruse aus Dassow will ganz nach oben. Weltmeister will er werden.

Dafür ist der Fahrer des Radsportteam Dassow bis nach Hawaii geflogen. Dort sta

28.10.2012

Plüschow – Kunst und Kommerz: Wie passt das zusammen? Passt das überhaupt zusammen? Diesen Fragen gingen die Macher der Ausstellung „Investment“ nach, die am Freitag eröffnet worden ist und noch bis heute anlässlich der Plüschow Lounge auf

28.10.2012

Groß Siemz – „Klar ziehen wir das durch.“ Jürgen Kässler, Vorsitzender des Groß Siemzer Reitsportvereins (Moran) e. V., machte am Samstagmorgen unmissverständlich klar, dass die traditionelle Hubertusjagd des Vereins stattfindet, trotz fas

28.10.2012