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Nordwestmecklenburg Luftmessungen nahe Deponie gefordert
Lokales Nordwestmecklenburg Luftmessungen nahe Deponie gefordert
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09:31 05.12.2018
Die meisten Luftmessstationen stehen in Städten, eine an der Fackenburger Allee in Lübeck. Quelle: Lutz Roeßler
Selmsdorf

Um die Deponie Ihlenberg herum soll die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern ringförmig Luftmessstationen errichten und dauerhaft betreiben. Das fordert die SPD-Fraktion in einem Antrag, über den die Gemeindevertretung am Donnerstagabend abstimmen wird. Mit den Messstationen solle nachgewiesen werden, dass von der Deponie keine Gefahr für die Bevölkerung und die Umwelt ausgeht. Gemessen werden sollten auch „deponieabhängige Parameter“ wie Ozonvorläuferstoffe und Deponiegase.

Die SPD-Fraktion erläutert, der Abbau einer Luftmessstation unweit der Deponie im Jahr 2000 habe bereits damals in der Bevölkerung Unverständnis hervorgerufen. Durch den kürzlich veröffentlichten „Schwesig-Bericht“ seien Bürger hochgradig verunsichert und sensibilisiert. Die Fraktion erklärt: „Neben transparenter Aufklärung der Vorwürfe ist auch ein Luftmessnetz erforderlich, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen und den Nachweis zu erbringen, dass der Deponiebetrieb gefahrlos erfolgt. Die Landesregierung MV kann dadurch Vertrauen zurückgewinnen.“

Die SPD-Fraktion in Selmsdorf fordert, drei Messstationen aufzustellen: in Hof Selmsdorf, im Zentrum von Selmsdorf und im Oberdorf von Sülsdorf. „Es würde unserer Auffassung nach weiterhin Sinn machen, den Messring im Süden der Deponie auf dem Gebiet der Gemeinde Schönberg (zum Beispiel Bauhof West) zu schließen“, erläutern die Sozialdemokraten. Die aktuellen Messwerte sollten nach ihrer Ansicht online abrufbar sein.

2010 pochte die Gemeinde Selmsdorf gegenüber dem Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie darauf, zwei Luftmessstationen zu installieren. Die Behörde lehnte das aber mit der Begründung ab, selbst eine Station unweit der Deponie sei aus fachlich-wissenschaftlichen Gründen weder nötig noch mit der finanziellen und personellen Ausstattung des Landesamtes möglich. Von 1990 an stand zehn Jahre ein Messcontainer unweit des Ihlenbergs. Im November 2000 wurde die Station nach Zarrentin versetzt. Kurz zuvor war Selmsdorf mit dem deutschlandweit höchsten Ozonwert des Jahres 2000 in die Schlagzeilen geraten. Nach einer Ursachenforschung kam das Umweltbundesamt zum Ergebnis: „Der maximale Ozonstundenwert von 253 Mikrogramm pro Kubikmeter in Selmsdorf am Abend des 20. Juni 2000 ist im Wesentlichen auf den Ferntransport zurückzuführen und nur in geringem Maße auf lokale Ozonbildungsprozesse.“ In Selmsdorf hätten sich keine auffälligen Werte ergeben, die auf die Deponie zurückzuführen seien, hieß es. Außerdem passe der Ort nicht ins Luftmessnetz des Landes.

17 Messstationen

Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie betreibt in Mecklenburg-Vorpommern ein Luftmessnetz mit 15 Messstationen in Containerbauweise und zwei mobilen Stationen. Fünf stehen in Rostock und je einer in Wismar, Schwerin, Göhlen, Gülzow, Güstrow, Leizen, Neubrandenburg, Stralsund, Garz und Löcknitz. Gemessen werden Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Feinstaub, Ozon, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei im Feinstaub.

Nach dieser Ablehnung erwogen die Gemeindevertreter, dass Selmsdorf eine eigene Luftmessstation betreibt. 2011 beschlossen sie einstimmig: Das Amt Schönberger Land wird beauftragt, die Voraussetzungen für die Errichtung einer festen und einer mobilen Luftmessstation zu prüfen und die Kosten zu ermitteln. Von ihren Plänen nahmen die Gemeindevertreter letztlich aber wegen der zu erwartenden Kosten Abstand.

Aktuell bleibt der Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft bei seiner unlängst erhobenen Forderung nach einer lückenlosen Aufklärung nach den von Stefan Schwesig erhobenen Vorwürfen gegen die landeseigene Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG). Schleswig hatte auf Abfallproben mit sehr hohen Schadstoffwerten hingewiesen. Wie berichtet, betonte die Geschäftsführung der IAG hingegen in einer Sitzung des Selmsdorfer Bau- und Umweltausschusses, es gebe keine Gefährdung von Mitarbeitern und auch keine negative Beeinträchtigung für die Umwelt. Proben mit sehr hohen Schadstoffwerten seien die absolute Ausnahme. Das Kontrollsystem auf der Deponie solle dazu dienen, diese „Ausreißer“ zu vermeiden. Auch werde deutlich häufiger kontrolliert als vorgeschrieben.

Nach Marcus Krefts Auskunft stehen die beiden Geschäftsführer der IAG am Donnerstagabend in der Sitzung der Gemeindevertreter Rede und Antwort. Sowohl die Kommunalpolitiker als auch andere Bürger könnten Fragen an Beate Ibiß und Norbert Jacobsen stellen, kündigt der Bürgermeister an.

Als „ein Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet Kreft ein externes Gutachten anlässlich des „Schwesig-Berichts“, das allerdings auch neue Fragen aufwarf. Tenor der Gutachter: Die Abfallannahme auf der Deponie Ihlenberg entspräche vorgeschriebenen Verfahren, es habe einige Überschreitungen von Kriterien gegeben, die aber „in der Gesamtschau nicht bedenklich“ seien.

Der Selmsdorfer Bürgermeister erklärte am Mittwoch am Anfrage, nachdem er die zahlreichen Unterlagen des Gutachtens studiert habe, könne er sagen, dass für ihn die Aufklärung zum „Schwesig-Bericht“ zu einem großen Teil abgeschlossen sei. „Das unabhängige Gutachten untermauert in vielen Teilen die Stellungnahmen der Deponieleitung“, erklärt Marcus Kreft. In weiteren Gesprächen dazu sei auch immer wieder deutlich geworden, dass selbst bei den feststellten Überschreitungen – 64 von 13 000 gemessenen Daten – der Vorgang nicht abgeschlossen sei. Bei einer Gefährdung für Mensch und Natur gebe es auch für die Aufsichtsbehörden keinen Ermessensspielraum. Ein guter Impuls aus dem Bericht von Stefan Schwesig sei, dass das Thema Import von Abfall aus Südeuropa thematisiert wurde. „Hier hat die Landesregierung zügig gehandelt, auch wenn der Anteil weniger als fünf Prozent betrug“, erklärt Kreft. Dass eine Krebsstudie nicht nur für die Mitarbeiter, sondern nun auch für die Bevölkerung erfolge, sei sehr zu begrüßen. „Wichtig ist mir dennoch, dass wir im Januar ein breites öffentliches Forum mit Mitgliedern des Deponiebeirates, Aufsichtsbehörden, Deponieleitung, Landrätin und Herrn Schwesig durchführen, die Fragen der Einwohner beantworten können“, sagt Kreft. Weil das erst im Januar möglich sei, sei es ihm wichtig, dass auch in der Gemeindevertretersitzung am 6. Dezember die Möglichkeit besteht, Fragen an die Geschäftsführer der IAG zu stellen.

Die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr mit einer Einwohnerfragestunde in der Aula der Schule. Die Kommunalpolitiker beraten auch über einen Antrag der Wählergemeinschaft „Bürger für Selmsdorf“ zur Rückzahlung von Straßenausbaubeiträgen an die Grundstückseigentümer.

Jürgen Lenz

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